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Rohstoff E-Mail-Adresse: Whitelist zum Spam-Schutz

Update: Der Verband der Internetwirtschaft hat gemeinsam mit einzelnen Internetanbietern den Probebetrieb seiner Whitelist gestartet.

16.02.2005, 12:08 Uhr
Internet© rajareddy / Fotolia.com

Wer abends von einem langen Arbeits-, Schul- oder Unitag nach Hause kommt, freut sich häufig auch auf seinen PC. Genau genommen ist bei vielen Internetusern die Vorfreude auf virtuelle Post im E-Mail-Postfach sehr groß. Doch leider wird diese Freude meist durch E-Mail-Müll, den so genannten Spam, stark getrübt.
Das Problem ist, dass sich mit den unerwünschten Werbenachrichten viel Geld verdienen lässt. Die elektronische Anschrift ist für professionelle Spammer ein wichtigster Rohstoff. Da auch massenhaft verschickte E-Mails fast nichts kosten, lohnt sich Werbung für Potenzpillen, Kredite und Pornoseiten schon, wenn nur ein Bruchteil der Empfänger darauf antwortet. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bis zu 85 Prozent aller E-Mails inzwischen Spam. Die Kosten, die Internetnutzer weltweit für die Bekämpfung und das Löschen unerwünschter E-Mails aufwenden, werden mit rund zehn Milliarden Euro pro Jahr beziffert.
Professionelle Spammer aktiv
Weltweit gibt es schätzungsweise rund 200 professionelle Spammer, deren Geschäft das Ausspähen fremder E-Mail-Adressen ist. Sie durchforsten das Netz nach Adressen mit dem @-Zeichen, stöbern in Mailverzeichnissen und kaufen Adresslisten. Auch per Zufallsgenerator werden Anschriften bei den großen Mail-Anbietern ausprobiert. Die gesammelten Mailadressen nutzen die Verkäufer dubioser Produkte, um massenhaft Werbung dafür auszusenden. Wer keinen leistungsfähigen und ständig aktualisierten Filter benutzt, erhält mittlerweile mehr Spam als persönliche Nachrichten. Schon wenn nur jeder Tausendste auf unerwünschte Werbemails eine Kaufbestellung abgebe, lohne sich aufgrund der niedrigen Kosten das Geschäft für die Spam-Versender, sagt Sven Karge vom Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco). Weil die E-Mails meist über Tarnadressen aus dem Ausland verschickt werden, ist der Kampf dagegen trotz weltweit verschärfter Gesetze schwierig.
Mit einer Whitelist Spam bekämpfen
Die Werbeflut belastet die Internetwirtschaft, die ihre Netzkapazitäten immer weiter ausbauen muss. Zugleich verdienen die Provider mehr Geld, wenn die Nutzer für das Herunterladen von Spam viel Zeit im Internet verbringen müssen. Vor allem das seriöse Direktmarketing leidet: Viele Informationen über Produkte und Dienstleistungen, die von den Nutzern bewusst angefordert wurden, würden fälschlicherweise als Spam ausgefiltert, schätzt eco. Geschäfte per E-Mail würden damit fast unmöglich.
Die deutsche Internetwirtschaft will im Kampf gegen die wachsende Flut unerwünschter Werbemails weiter aufrüsten: Auf einem in Köln stattfindenden Zweiten Anti-Spam-Komgress kündigte die Branche eine Positiv-Liste für vertrauenswürdige Versender an. "Wir müssen etwas tun, sonst stirbt der Dienst E-Mail", sagte der Projektleiter der Anti-Spam-Task-Force.
Strickte Kontrolle
Eco und der Deutsche Direktmarketing Verband (DDV) wollen mit der Positiv-Liste für den deutschen E-Mail-Markt einerseits die Kunden vor Spam schützen. Andererseits sollen Nutzer, die Nachrichten anfordern, diese auch erhalten. In die Positiv-Liste der Wirtschaft sollen nur seriöse Versender aufgenommen. Ein Kontrollgremium soll die strikte Einhaltung der Richtlinien für den korrekten E-Mail-Versand überwachen.
Wie Sie sich bestmöglich gegen Spam schützen können, hat onlinekosten.de in einer Extra-Meldung ausführlich dokumentiert. Update: freenet und GMX unterstützen Testbetrieb
Start geglückt! Frei nach diesem Motto wurde jetzt der Probebetrieb für die schon vor einigen Monaten angekündigte Positiv-Liste zur Spam-Bekämpfung gestartet.
An dem Probetrieb beteilen sich die beiden Internet Service Provider freenet.de und GMX (1&1 sowie Schlund + Partner sollen in Kürze folgen) sowie die E-Mail-Massenversanddienstleister inxmail, eCircle und promio.net. Die drei E-Mailversender haben sich verpflichtet, nur erlaubte und erwünschte E-Mail-Kampagnen auf ihren Plattformen zuzulassen. Im Gegenzug haben Freenet und GMX zugesichert, die von inxmail, eCircle und promio.net eingelieferten E-Mailsendungen an die Empfänger direkt auszuliefern und nicht vorab ihre Spamfilter durchlaufen zu lassen.
Eine Aufnahme in die Positiv-Liste können ausschließlich Versender beantragen, die den von eco und DDV herausgegebenen Richtlinien für die Verbreitung von E-Mails entsprechen und sich damit gesetzeskonform verhalten und ein hohes Qualitätsniveau erfüllen.

(Hayo Lücke)

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