News

Rösler macht Druck: Provider sollen versprochene Bandbreite liefern

Eine Studie der Bundesnetzagentur hat gezeigt, dass sich die von Providern versprochene Bandbreitenleistung häufig von der tatsächlich verfügbaren Surfgeschwindigkeit unterscheidet. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler will den Internetanbietern nun laut "Spiegel Online" notfalls Vorgaben machen, um die Versorgung der Kunden zu verbessern.

17.05.2013, 16:02 Uhr (Quelle: DPA)
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nimmt die Leistungsversprechen der Internetanbieter ins Visier. Die versprochenen Breitbandleistungen der Telekommunikationsunternehmen stünden dem Kunden häufig gar nicht zur Verfügung, zitiert "Spiegel online" aus einem Vermerk des Ministeriums. "Die Unternehmen stehen nun in der Pflicht, die Versorgung ihrer Kunden ihren vertraglichen Zusagen entsprechend zu verbessern", bestätigte ein Sprecher des Ministeriums den Bericht. "Gegebenenfalls werden wir auch Vorgaben für die Unternehmen treffen müssen", ergänzte er.

Anbieter lassen Kunden im Unklaren

Dass die versprochene Bandbreitenleistung oft in deutlichem Widerspruch zu dem steht, was beim Kunden tatsächlich ankommt, hat im April auch die Bundesnetzagentur in einer Studie ermittelt, auf deren Ergebnisse sich das Wirtschaftsministerium bezieht. Nur jeder fünfte Endkunde (19,5 Prozent) hat demnach die vertraglich vereinbarte Bandbreite gemessen. 69,2 Prozent erreichten nur die Hälfte der versprochenen "Bis zu"-Bandbreite, so das Fazit. Über die tatsächlich verfügbare Bandbreite der Internetzugänge ließen fast alle Anbieter die Kunden im Unklaren, stellte die Behörde fest.

Besonders weit klaffen der Studie zufolge Wunsch und Wirklichkeit bei den schnellen LTE-Verbindungen auseinander, die die großen Telekommunikations-Unternehmen derzeit massiv bewerben. In der Bandbreitenklasse von 25 bis 50 Megabit pro Sekunde profitieren nur 1,6 Prozent der Kunden von der versprochenen Leistung, 23,3 Prozent können zumindest die halbe Übertragungsrate nutzen. Nur bei den unteren Breitbandklassen von 1 bis 2 Megabit pro Sekunden könnten DSL-Kunden auf die halbe (80,1 Prozent) oder sogar volle versprochene Übertragungsrate zugreifen.

Sollen Provider Qualitätskontrolle selbst regulieren?

Bei einem Treffen bei der Bundesnetzagentur im Juni solle es nun auch darum gehen, "ob und inwieweit die Qualitätskontrolle der Selbstregulierung überlassen wird", heißt es in dem Bericht von "Spiegel online". Die Bundesnetzagentur hatte ihre Studie im vergangenen Jahr nach zahlreichen Verbraucherbeschwerden gestartet. Viele Nutzer bemängelten, dass die Werbeversprechen der Unternehmen nicht eingehalten würden.

Die Bundesnetzagentur betont, dass mit knapp einer Viertelmillion ausgewerteter Messungen eine "äußerst umfangreiche Datenbasis" zugrunde gelegen habe. Sowohl Messungen von den Kunden selbst als auch Ergebnisse von klassischen Messplattformen seien dafür herangezogen worden. Die Internet-Anbieter kritisierten jedoch methodische Schwächen der Studie.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang