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Robert Basic verkauft Twitterprofil - Follower flüchten

Der Blogger Robert Basic versteigert seinen Twitter-Account "RobGreen" - die Follower scheinen wenig begeistert und flüchten. Dabei setzt Basic auf bewährte Strategien: Bereits im Januar 2009 versteigerte er seinen Blog "Basic Thinking" für rund 47.000 Euro bei eBay.

18.12.2009, 14:29 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Robert Basic verkauft seinen Twitter-Account. "Wer ist Robert Basic?" werden nun Leser fragen, die wenig Verbindungen zur deutschen Blogosphäre haben. Ein paar Eckdaten: Robert Basic ist Gründer des Basic Thinking Blogs - bis heute einer der einflussreichsten Blogs im deutschsprachigen Raum. Im Januar 2009 stellte Basic sein Projekt auf eBay zum Verkauf und erzielte damit eine Summe von rund 47.000 Euro. Käufer war seinerzeit serverloft, eine Tochtergesellschaft der Intergenia AG, zu der auch onlinekosten.de gehört. Ob derlei Geldströme auch für ein Twitter-Profil mit knapp 5.000 Abonnenten (Followern) fließen werden, darf man bezweifeln. Selbst in Deutschland ist das nur Mittelmaß.
PR-Aktion für "Buzzriders"
Einige Zahlen zum Vergleich: Sascha Lobo, der wie Basic als Ikone des Web 2.0 bekannt geworden ist und mittlerweile sogar für Vodafone von Plakatwänden lächelte, darf sich bereits über mehr als 23.000 Follower freuen. Auch der Twitter-Account des heutigen Basic Thinking Blogs toppt mit über 5.200 Abonnenten die Zahlen von RobGreen, wie sich Basic bei Twitter nennt. Zuletzt zahlte zudem der IT-Gigant Microsoft eine unbekannte Summe für ein Twitter-Profil mit 1,5 Millionen Followern.
Warum aber sollte jemand den kleinen Account von Basic kaufen? Eine naheliegende Erklärung ist der hohe PR-Wert der Aktion bei vergleichsweise geringen Kosten. Zahlreiche Medien berichten bereits über den Verkauf, darunter auch reichweitenstarke Websites wie "Focus Online", "Süddeutsche.de" und "Bild.de". Der Käufer darf sich also einer kurzzeitigen Aufmerksamkeit der Presse sicher sein. Robert Basic setzt nach eigener Aussage ebenfalls auf diese Karte und will vor allem sein neues Projekt Buzzriders promoten. Auch das eingenommene Geld soll vollständig dafür eingesetzt werden, sagte er im Interview mit dem Nachrichtenportal "Der Westen".
Dennoch stößt die Aktion in Blogs und bei Twitter auf Häme, Kritik und einiges Unverständnis. So schrieb etwa Sascha Lobo: "Ich spiele mit dem Gedanken, meinen Twitter-Account zu verkaufen; Mindestgebot sind sieben Schrillionen Euro." Andere Kommentatoren begegneten der Aktion ebenfalls mit beißender Ironie. Der Nutzer maczarr etwa zwitscherte: "ich glaub ich verhoeker auch meinen Stayfriends-Account...". Ein anderer, pr_ip, schrieb: "Ich vermiete meinen Twitteraccount: werktags 9.30-10.30 & sonntags 10.00-10.20 Uhr - evtl.". Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan fand, ein solcher Verkauf "geht irgendwie zu weit" und der Twitter-Nutzer Puh bezeichnete Robert Basic sogar als "Social-Media-Nutte". Lalita_de hingegen hält den Verkauf für eine reine PR-Maßnahme: "dass Robert seinen TwitterAcc verkauft ist nur Buzz und alle helfen kräftig mit. Hochgelobt sei die Entrüstung." Basic glaubt weiter an seine Strategie: "Es läuft auf das hinaus, was mit Basic Thinking damals passiert ist. Das Geschrei war zwar während dem Verkauf groß, das Blog hat dem Käufer viel Freude bereitet", schreibt er einen Tag nach Verkaufsbeginn auf "Buzzriders".
Die Follower flüchten vor dem Verkauf
Zustimmung findet sich allerdings nur vereinzelt, positive Kommentare sind bisher klar in der Unterzahl. Auch viele Fans von Basic verspüren offenbar wenig Lust, Teil einer Warentransaktion zu werden und kehren seinem Twitter-Account den Rücken. Seit Angebotsbeginn ist die Zahl der Follower bereits um über 100 gefallen – Tendenz weiter schnell sinkend. Wer trotzdem Interesse an RobGreen hegt, hat bis zum 29. Dezember 2009 um 12:00 Uhr Zeit, ein Gebot abzugeben. Basic nutzt diesmal allerdings nicht das Auktionshaus eBay, sondern sammelt die Vorschläge per E-Mail an robert.basic@gmail.com. Was Bieter dabei sonst noch beachten müssen, kann bei "Buzzriders" nachgelesen werden.
Selbst wenn sich ein Käufer findet, der das bisher unbekannte Mindestgebot überschreitet, ist dennoch nicht klar, ob das Geschäft durch Twitter genehmigt wurde. So verbieten die Nutzungsbedingungen des Kurznachrichtendienstes den Verkauf von Accounts ohne vorherige Zustimmung. Basic gibt sich allerdings gelassen: "Twitter ist von mir informiert, da sehe ich kein Problem. Zumal der Passus rechtlich sehr spannend ist, nach dem Motto "Euer Account gehört uns, nicht Euch", so der Blogger auf "Der Westen". Zumindest in diesem Punkt dürfte Basic recht behalten. Es bleibt wirklich spannend.

(Christian Wolf)

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