Kostenfalle Schiffsnetz

Roaming auf See: Weniger Schutz für Kunden im O2-Netz

Roaming auf See kann sehr teuer werden, denn die EU-Regulierung greift hier nicht. Besonders Kunden im O2-Netz sind laut Verbraucherzentrale gefährdet, denn die Informations-SMS enthält keine Angaben zu konkreten Preisen.

Kreuzfahrtschiff© i12 GmbH

Kiel/Berlin – Verbraucher, die während einer Reise auf See ihr Smartphone zum Telefonieren oder Surfen nutzen, können auf der Mobilfunkrechnung von unerwartet hohen Kosten überrascht werden. Solche Fälle werden immer mal wieder bekannt. Jetzt warnen die "Marktwächter" des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) insbesondere Kunden im Netz von O2/Telefónica. Einer aktuellen Analyse zufolge seien diese besonders häufig betroffen.

Keine genauen Preisangaben in Info-SMS

Eine Analyse von Verbraucherbeschwerden zeige, dass besonders Kunden im Netz von Telefónica Gefahr laufen, erhöhte Rechnungen zu erhalten. "Einerseits beinhaltet die Informations-SMS von Telefónica keine Warnhinweise bezüglich der genauen Kosten, die entstehen können. Andererseits gibt es auch keine automatische Kostenbegrenzung von etwa 60 Euro", erklärt Per Prins vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Kunden erhielten an Bord folgenden SMS-Text: "Willkommen an Bord! Bitte beachten Sie: Bei Gesprächen, SMS und Datennutzung in Flugzeugen und auf See entstehen abweichende Kosten zu Ihrer aktuellen Roaming-Option. Die Abrechnung unterliegt keiner automatischen Kostenbegrenzungsfunktion."

"Unserer Auffassung nach sind die Kunden mit dieser Information nicht ausreichend auf die genauen Kosten hingewiesen", erklärt Prins. Die anderen Anbieter böten ihren Kunden nach derzeitigem Kenntnisstand hingegen eine Informations-SMS mit exakter Preisangabe sowie einen Kostenairbag an. "Das Risiko vor unerwartet hohen Kosten ist bei diesen Anbietern also deutlich geringer – wenn auch nicht ausgeschlossen" so Prins. Telefónica solle seine Kunden besser informieren.

Kostenfalle Schiffsnetz: So teuer kann es werden

Der Grund für erschreckend hohe Handyrechnungen nach dem Urlaub liegt in vielen Fällen in der Nutzung des Smartphones auf einem Fähr- oder Kreuzfahrtschiff. Die auf See entstehenden Kosten für das Telefonieren oder Surfen können deutlich höher liegen als an Land, weil das Schiff Satellitennetze nutzt, die nicht von der EU-Roamingverordnung abgedeckt sind.

Sind sich Verbraucher dessen nicht bewusst, laufen sie Gefahr, durch die Nutzung ihres Telefons an Bord eine außergewöhnlich hohe Mobilfunkrechnung zu erhalten. Der Download eines einzigen Megabytes könne bereits Kosten von 25 Euro verursachen, die sich etwa bei einem 10-minütigen HD-Video auf Youtube auf 5.000 Euro summieren könnten. "Uns liegt ein konkreter Fall vor, in dem ein Verbraucher über 11.000 Euro zahlen sollte“, so Prins.

Um sich vor hohen Kosten zu schützen, sollte man auf Schiffen nur im WLAN surfen und am besten die mobile Datennutzung komplett abstellen. Das gilt übrigens auch in Schiffsnähe, also am Hafen. Auch hier ist es schon passiert, dass Handys sich ins Schiffsnetz einwählten.

Melanie Zecher

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