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RIM-Chef: "Flut" neuer (Android)-Apps für BlackBerry

Das kommende Betriebssystem "BlackBerry 10" wird eine Flut neuer Android-Apps auf BlackBerry-Geräte bringen, so der neue RIM-Chef Thorsten Heins gegenüber dem "Handelsblatt". Den Anfang macht im Februar der Tablet-PC "PlayBook" per Software-Update.

30.01.2012, 13:20 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Nach Jahren der Rück- und Fehlschläge will der kanadische BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM) wieder auf die Erfolgsspur. Alle Hoffnungen liegen dabei auf der QNX-Plattform, die bislang nur auf dem Tablet-PC "PlayBook" zum Einsatz kommt. Ab Februar soll dabei eine neue Etappe der Unternehmensgeschichte beginnen: Mit einem Software-Update will RIM sein neues Betriebssystem dann auch für Android-Apps öffnen, sagte der neue Firmenchef Thorsten Heins im Exklusiv-Interview mit dem "Handelsblatt".

"Flut neuer Apps" angekündigt

In der Folge werde es eine Flut an neuen Apps geben. "Dann reden wir von mehreren Hunderttausend", betonte Heins. Bislang gilt der Mangel an kompatiblen Programmen als einer der Hauptgründe für den sinkenden Absatz bei BlackBerry-Geräten. Bevor allerdings auch Smartphones mit dem ursprünglich unter dem Namen BBX angekündigten QNX-System BlackBerry 10 auf den Markt kommen, ist noch Geduld gefragt. Erste QNX-Modelle werden frühestens für das zweite Quartal erwartet – und nur im Premium-Segment. Einfachere BlackBerrys sollen zudem auch künftig nur mit dem regulären OS auf Java-Basis erhältlich sein.

Für die Zukunft versprach der frühere Siemens-Manager einen sichtbaren Wandel in der Unternehmenspolitik. In der Vergangenheit sei zu langsam auf die veränderten Bedingungen des Marktes reagiert worden. Beispiel "PlayBook": Das Tablet war nach Meinung vieler Experten deutlich zu spät in den Handel gekommen. Darüber hinaus sorgten Mängel bei Software und Funktionen dafür, dass die Geräte nicht den erhofften Anklang fanden und vernichtende Kritiken erhielten. Bemängelt wurde unter anderem die geringe Zahl an kompatiblen Apps - ein Punkt, der mit dem kommenden Update behoben werden soll. Ob dies für einen neuen Verkaufsschub sorgen kann, bleibt abzuwarten. Bislang fuhr RIM mit dem "PlayBook" einen satten Verlust von mehreren Hundert Millionen Dollar ein.

Den Kunden "mehr zuhören"

Man müsse den Käufern wieder mehr zuhören. "Zuletzt haben wir oft nicht früh genug erkannt, wie sich die Wünsche der Kunden ändern", gab Heins zu. Batterie-Laufzeit, Netzwerk-Effizienz, schnelles Tippen und Sicherheit seien zwar immer Stärken RIMs gewesen. Aber vor allem in den USA reiche dies nicht mehr. "Die Leute sind bereit, ihr iPhone alle vier Stunden wieder aufzuladen. Schauen Sie sich mal die Flughäfen an. Alle Steckdosen sind belegt", erklärte der CEO. Neue BlackBerrys würden daher deutlich stärker auf die Bedürfnisse der Konsumenten zugeschnitten, ohne ihre Eignung als Business-Geräte zu verlieren. Dafür sei ein "diszipliniertes Prozess-Management" nötig.

Berichte über eine Krise bei RIM wies Heins hingegen zurück. Dies sei reine Spekulation einiger Hedge-Fonds. Der Smartphone-Hersteller mache seit einer "Unzahl von Quartalen" Gewinn und verfüge derzeit über liquide Mittel von 1,5 Milliarden Dollar. Auch bei den Marktanteilen gebe es nur in den USA Probleme. In anderen Regionen wie Europa, im Mittleren Osten, Asien und im pazifischen Raum wachse man - weltweit im Jahresvergleich um 54 Prozent. Die Vereinigten Staaten repräsentierten hingegen nur 7 Prozent des globalen Smartphone-Marktes. Um jeden Preis dort die Marktanteile hochzutreiben, sei ein Fehler - dies drücke den Profit. Auch werde der Konzern nicht in das Massensegment einsteigen. "Wir haben einen Ruf und einen Qualitätsstandard zu verteidigen", so der RIM-Chef.

(Christian Wolf)

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