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"Reuters": Microsoft beerdigt Pläne für Online-TV

Microsoft hat seine Pläne zur Vermarktung eines eigenen Online-TV-Angebotes für den US-Markt gestoppt. Zuvor hatte der Redmonder Konzern in Verhandlungen mit Rechteinhabern keine Einigung über die Höhe der Lizenzgebühren erzielen können. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters".

12.01.2012, 17:31 Uhr
Microsoft© Microsoft

Seit über einem Jahr verhandelt Microsoft mit verschiedenen Medienkonzernen über die Rechte für einen eigenen kostenpflichtigen Online-Streaming-Dienst. Nach den Plänen des Redmonder Konzerns sollte "Microsoft TV" bereits in wenigen Monaten in den USA starten. Nun wurde das Projekt aus Kostengründen allerdings gestoppt. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf nicht genannte Insider.

Keine Einigung bei Internet-Lizenzgebühren

So stehe die neue Internet-TV-Lösung zwar bereits kurz vor der Marktreife, bei der Höhe der Lizenzgebühren sei aber schließlich keine Einigung zustande gekommen. Microsoft habe die Preisvorstellungen der involvierten Rechteinhaber als deutlich zu hoch für das anvisierte Geschäftsmodell erachtet, berichtete ein an den Gesprächen beteiligter Informant.

Ähnlich wie bei den Branchengrößen Netflix und Hulu sollten Abonnenten gegen Zahlung einer monatlichen Pauschale den Online-Zugriff auf verschiedene Streaming-Inhalte erhalten. Laut "Reuters" habe "Microsoft TV" zudem bereits in frühen Vorabversionen eine Reihe neuartiger Features beinhaltet - etwa die Möglichkeit, Programme per Sprachbefehl oder Gesten zu wechseln. Entsprechende Fernsehgeräte wurden im vergangenen Jahr auch von LG vorgestellt. Sony und Lenovo zogen vor wenigen Tagen auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mit eigenen Modellen nach.

Die Platzhirsche fürchten die Konkurrenz aus dem Netz

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, habe der Windows-Hersteller darüber hinaus nicht nur auf die Ausstrahlung von Archiv-Material setzen wollen, so die Nachrichtenagentur. Aktuelle Shows und Live-Berichte sollten demnach ebenfalls in das Programm aufgenommen werden. Letzteres sei jedoch der Kostentreiber gewesen, der zum Abbruch der Verhandlungen geführt hätte. So sei Microsofts Streaming-Lösung nicht zuletzt als Ersatz für klassisches Kabel- oder Satelliten-TV gedacht gewesen. Auf Druck der US-amerikanischen Kabel- und Fernsehgesellschaften, die ihr Geschäft durch erfolgreiche Internet-Dienste wie Netflix gefährdet sehen, sollen solche Newcomer von den Anbietern der Programminhalte aber vorwiegend durch langjährige Verträge zu vergleichsweise ungünstigen Konditionen ausgebremst werden.

Microsoft selbst lehnte jede eigene Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur ab. Die Redmonder widmen sich nun vor allem der Integration von TV-Inhalten in die Xbox-Spielekonsole. Entsprechende Vereinbarungen mit dem Medienkonzern News Corporation wurden auf der CES bekannt gegeben. Angebote wie "Fox Broadcast", "Fox News", "IGN" oder "The Wall Street Journal" werden daher künftig auch als Apps im Xbox-Live-Dienst zur Verfügung stehen.

(Christian Wolf)

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