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Retouren im Onlinehandel: Problemkunden müssen ab 13. Juni zahlen

Ab Juni gelten europaweit einheitliche Regelungen für Retouren: Große Online-Händler werden die bisherigen Regelungen wohl meist beibehalten. Der Kunde sollte aber genau hinschauen. Was bislang gesetzlich garantiert war, wird künftig quasi als Kulanz über die AGB eingeräumt.

17.05.2014, 10:01 Uhr
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Frau bestellt das Kleid einfach in zwei Größen, der Mann eine Kamera von zwei konkurrierenden Herstellern. Nach dem Praxistest zuhause wird ein Modell behalten, das andere wieder zurückgeschickt – und zwar kostenlos. Das Fernabsatzgesetz mit der dort enthaltenen Möglichkeit zum Widerruf macht es möglich. Ab 13. Juni gilt eine andere Regelung.

Die 40-Euro-Grenze fällt

Notwendig geworden ist dies, da die Regeln innerhalb der Europäischen Union vereinheitlicht werden. Bisher musste ab einem Warenwert von 40 Euro der Verkäufer die Kosten für die Rücksendung übernehmen, ab diesem Stichtag nicht mehr. Jeder Händler könnte eine andere Regelung haben. Dies gilt für den gesamten Versandhandel, also beim Einkauf im Onlineshop, via Postkarte aus dem Katalog oder per Anruf im Call Center.

Auf die Verbraucher kommen dann eventuell höhere Kosten zu. Mit wenigen Ausnahmen kann jetzt noch das Widerrufsrecht kostenlos innerhalb von 14 Tagen in Anspruch genommen werden. Der Kunde erhält dann einen Retourenschein, oder die Portogebühr wird mit dem Kaufbetrag zurücküberwiesen.

Amazon wirft Problemkunden raus

So einfach das für den Kunden ist, für den Handel ist dies ein Problem, denn die Rückgabequoten sind teilweise immens hoch. 74 Prozent der Kunden haben laut einer Umfrage des Branchenverbandes BITKOM bei Onlinebestellungen bereits Waren zurückgeschickt, viele auch regelmäßig. 36 Prozent bestellen sogar ab und zu ohne konkrete Kaufabsicht, vor allem Verbraucher zwischen 30 und 49 Jahren.

Das Problem der Händler ist, dass zurückgesendete Waren oft nicht mehr wie neu aussehen und deshalb nicht mehr zum Originalpreis verkauft werden können. Große Onlineversender wie Amazon kompensieren dies über eine Querfinanzierung, für kleinere Händler ist dies jedoch ein Problem, wenn sie zuviele dieser Kunden haben. Amazon verbietet Problemkunden aber auch einfach, weiterhin bei ihnen einzukaufen.

Gleiche Regelung, andere rechtliche Grundlage

Es wird erwartet, dass die großen Händler die bisherigen Regelungen nicht ändern werden. Retouren werden in den meisten Fällen also kostenlos bleiben, der Kunde sollte aber genau hinschauen. Was bislang gesetzlich garantiert war, räumen dann die Unternehmen quasi als Kulanz in den AGB ein. Aus Verbrauchersicht ist dies eine Verschlechterung.

In der BITKOM-Umfrage gaben 18 Prozent an, dass sie ihr Kaufverhalten nicht ändern würden, wenn sie für Retouren selbst bezahlen müssten. Rund ein Drittel jedoch will nur noch in Onlineshops kaufen, bei denen dies kostenlos ist.

(Peter Giesecke)

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