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Resale-Rabatt: T-Com besänftigt Regulierer

Die Telekom erhöht den Rabatt für DSL-Reseller auf 20 Prozent und kommt damit einer Regulierung der Gebühren zuvor. Die Konkurrenz ist dennoch unzufrieden.

06.06.2006, 18:33 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Die Bundesnetzagentur verzichtet auf eine nachträgliche Regulierung der Entgelte bei DSL-Resale. Wie die Behörde heute bekannt gab, wurde die Überprüfung der von der T-Com berechneten Vorleistungsentgelte eingestellt. Die Behörde sah sich nicht zu einem regulatorischen Eingriff veranlasst, da der Ex-Monopolist die Resale-Entgelte vergangene Woche freiwillig gesenkt hatte. So gewährt T-Com den Resellern seit Juni 20 Prozent Nachlass auf den Anschlusspreis, bisher waren es lediglich 11,5 Prozent.
Fairer Kompromiss?
Chefregulierer Matthias Kurth findet das einen "fairen Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen der Reseller, der infrastrukturbasierten Wettbewerber und auch der Telekom". Dennoch hinterlässt seine Entscheidung bei den Wettbewerbern aller Lager einen faden Nachgeschmack. Denn mit den neuen Resale-Tarifen ist die Telekom der von den Resellern gewünschten klaren Regulierung der Entgelte in letzter Minute zuvorgekommen. Den konkurrierenden Netzanbietern dagegen gehen die 20 Prozent entschieden zu weit.
"T-Com hat wohl im letzten Moment die Notbremse gezogen und mit 20 Prozent den Regulierer besänftigt", vermutet Rainer Lüddemann vom Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO). Für die in dem Verband organisierten Unternehmen sei jetzt allerdings "die absolute Schmerzgrenze überschritten." Bei einer Miete von derzeit 10,65 Euro für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) schlage ein DSL-Anschluss inklusive eigener Kosten mit 16,15 Euro zu Buche, während Reseller für den gleichen Anschluss nur 11,71 Euro zahlen. Der BREKO erwägt jetzt, das Verfahren wegen Verletzung des Konsistenzgebotes neu aufzurollen. Als Ergebnis müsse auch eine Absenkung der TAL-Miete auf unter zehn Euro stehen, um wieder Chancengleichheit auf dem DSL-Markt herzustellen.
Chance verpasst
Auch die Reseller hatten sich mehr von Kurth erhofft. So hatte Tele2 im Anhörungsverfahren ein Kostengutachten vorgelegt und daraus Nachlassforderungen von 25 bis 38 Prozent abgeleitet. Für den obersten Regulierer reichen die 20 Prozent dagegen aus: "Auf der Grundlage des neuen Telekom-Angebotes kann ein effizienter Reseller künftig seine zusätzlichen Kosten, die ihm für Abrechnung, Kundenbetreuung, Marketing und Vertrieb von DSL-Anschlüssen entstehen, abdecken", rechnet Kurth vor. "Daher brauchten wir keine Entscheidung mehr zu treffen".
Auch wenn die Wiederverkäufer mit den jetzt angebotenen 20 Prozent wohl leben können, sind sie nicht glücklich mit dem Regulierungsverzicht der Behörde. Für Tele2-Geschäftsführer Hermann Riedl hat die Bundesnetzagentur damit eine große Chance vertan: "Wir hätten uns mehr gewünscht. Eine Regulierung der Entgelte hätte zusammen mit dem NetRental-Verbot für Klarheit auf dem Markt gesorgt". Die Branche hatte sich vom Regulierer auch Klärung bei den so genannten Einmalentgelten erhofft. Die zum Beispiel für Bereitstellung oder Kündigung eines Anschlusses erhobenen Gebühren sind nach Meinung der Wettbewerber noch zu hoch.
Bei den Wettbewerbern herrscht zudem Verärgerung über den Ablauf des Verfahrens. Die Telekom, so der Vorwurf, missbrauche die Regulierungsbehörde für taktische Spielchen. "Zum wiederholten Male handelt die Deutsche Telekom erst unter dem Druck einer drohenden Regulierung", erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM. Auch Grützner kritisiert, dass die Einmalentgelte nicht auf den Prüfstand gehoben worden seien.

(Volker Briegleb)

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