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René Obermann - Jungunternehmer und Nachrücker

Er gilt als enger Vertrauter Kai-Uwe Rickes. Zwei Mal ist René Obermann bereits in Rickes Fußstapfen getreten. Nun ist er ihm an die Spitze gefolgt. Ein Portät.

13.11.2006, 12:23 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Die Zahlen enttäuschen und ein Neuer soll es richten. Das Szenario ist fast dasselbe, wie vor vier Jahren: Der Chef der Deutschen Telekom AG gerät ins Straucheln und sein Nachfolger wird der bisherige Chef der Mobilfunktochter T-Mobile. So geschehen bereits im November 2002, als Kai-Uwe Ricke das Zepter von Ron Sommer erbte.
Enger Vertrauter auf Chefsessel
Nun ist der 43-jährige René Obermann zum neuen Telekom-Chef ernannt worden, nachdem der Ex-Monopolist mit drastisch sinkenden Kundenzahlen im Festnetzgeschäft enttäuschte. Obermann gilt als Problemlöser und enger Vertrauter Rickes. Zwei Mal trat Obermann bereits in Rickes Fußstapfen und übernahm seine Position auf dem stetigem Weg nach oben. Heute soll es ein drittes Mal geschehen.
Erfolgreicher Jungunternehmer
Obermann ist ein gebürtiger Düsseldorfer und bewegte sich Zeit seines Lebens vorwiegend zwischen Düsseldorf, Münster und Bonn. Mit einer Ausnahme: Als 21-Jähriger geht er in die Ausbildung zum Industriekaufmann bei der BMW AG in München. Seine Liebe für schnelle Autos und Motorräder hält bis heute. Nach seiner Ausbildung kehrt er München wieder den Rücken und beginnt in Münster ein Studium der Volkswirtschaft.
Dass Obermann ein Unternehmer durch und durch ist, zeigt sich bereits während seines Studiums. Schon nach dem ersten Semester hält es den 23-Jährigen nicht mehr im Hörsaal. Er kehrt der Hochschule den Rücken, um mit seiner eigenen Firma auf dem Telekommunikationsmarkt durchzustarten. Obermann gründet in Münster die "ABC Telekom", kauft sich einen gebrauchten BWM, fährt durch Münster, klopft an die Haustüren und verkauft Anrufbeantworter und Faxgeräte. Doch die Zeit des Klinkenputzens zieht sich nicht lange hin: Das Geschäft läuft mehr als gut. Nach fünf Jahren erwirtschaftet das Unternehmen Jahresumsätze von mehr als 20 Millionen Mark, hat mehrere Niederlassungen und rund 50 Mitarbeiter. "Er ist ein Kapitalist aus dem Bilderbuch", titelte die "Wirtschaftswoche" Ende der 80er Jahre über den jungen Unternehmer. Obermanns Image: jung, dynamisch, aber auch teils arrogant. Seine Firma ABC Telekom erlangt den Status eines Service Providers für das deutsche D-Netz und fusioniert 1991 Hutchison Whampoa Limited zur Hutchison Mobilfunk GmbH - seit 2003 unter dem Namen The Phone House bekannt.
Jahrelange Zusammenarbeit
Die ersten vier Jahre ist Obermann Geschäftsführender Gesellschafter, dann bis 1998 Vorsitzender der Geschäftsführung. 1998 wechselt Obermann zur Telekom, zunächst als Vertriebschef von T-Mobile Deutschland. Von Anfang an arbeiten Obermann und Ricke zusammen. Die beiden kennen sich bereits vom damaligen Verband der Anbieter von Mobilfunkdiensten (VAM).
Obermann übernimmt Rickes Aufgaben
Obermann rückt als Deutschlandchef von T-Mobile nach, als Ricke im Jahr 2000 zum Chef von T-Mobile International ernannt wird. Zwei Jahre später tritt Obermann erneut in Rickes Fußstapfen, als dieser den Posten von Sommer als Vorstandsvorsitzender der Telekom übernimmt. Obermann gilt als jemand mit einem starken Durchsetzungsvermögen. Er scheut keine Konfrontationen und geht Streit nicht aus dem Weg. Kritiker haben ihm bereits einen Spitznamen verpasst und schimpfen ihn den "Bulldozer". Seine Anhänger sehen in ihm einen Perfektionisten, mit einem starken Willen und Kampfesmut. Seinen Job als Chef von T-Mobile hat er mit Erfolg bestritten: Die Mobilfunk- überholte die Festnetzsparte der Telekom. Zwar stagnieren die Zahlen auf dem deutschen Markt, doch Obermann schaut weiter über den Tellerrand auf den amerikanischen Markt.
Im vergangenen September ersteigert T-Mobile in den USA 120 neue Mobilfunklizenzen für umgerechnet 3,3 Milliarden Euro. Für den hohen Preis muss Obermann viel Kritik einstecken. Doch der Konzern setzt auf den amerikanischen Markt. Wo hierzulande fast schon jeder Bundesbürger ein Mobiltelefon besitzt, prognostiziert die Telekom rund sechs Prozent Wachstum jährlich für einen vier Mal so großen Mobilfunkmarkt in Amerika. Durch den Netzausbau will die T-Mobile das Glück beim Schopfe packen.
Mammutaufgabe Festnetz
Obermann selbst wird sich aber künftig mehr damit beschäftigen müssen, dass der Telekom nicht noch mehr frustrierte Festnetzkunden den Rücken kehren. Eine Mammutaufgabe, bei der sich zeigen wird, ob der 43-Jährige weiterhin jede Hürde mit Erfolg meistern wird. Für sein Privatleben und sein schnelles Motorrad wird der Familienvater künftig wohl noch weniger Zeit haben.

(Denise Bergfeld)

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