News

Rekord: 5.000 auf Bloggermesse re:publica

"In/Side/Out" lautet das Motto der Bloggermessse re:publica. Auch hier sorgten die Drosselungspläne der Telekom für Unmut: Gründer Beckendahl rief die Teilnehmer auf, das "Zwei-Klassen-Internet" nicht kampflos hinzunehmen.

07.05.2013, 07:57 Uhr (Quelle: DPA)
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Die deutsche Internetszene trifft sich seit Montag in Berlin zu ihrer größten Konferenz. Zum Auftakt war die Tempo-Bremse der Deutschen Telekom ein heißes Thema. Außerdem ging es vier Monate vor der Bundestagswahl auch um den Wahlkampf im Internet.

Beckedahl: "Zeit zu handeln"

Mit einem Teilnehmerrekord und Appellen an die Politik hat am Montag in Berlin die dreitägige Konferenz re:publica begonnen. Sie findet seit 2007 jährlich statt und steht in diesem Jahr unter dem Motto "In/Side/Out". Rund 5.000 Personen diskutierten nach Angaben der Veranstalter das Verschmelzen von Online- und Offline-Leben und die Freiheit im Internet.

Thema auch hier: Die aktuellen Pläne der Deutschen Telekom um eine Tempo-Drosselung im Festnetz. "Jetzt ist die Zeit zu handeln", rief Markus Beckedahl zum Auftakt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu. "Verhindern Sie, dass die Telekom ein Internet zweiter Klasse einführt!"

Beckedahl ist einer von vier Gründern der Konferenz und bezeichnete die Ankündigung von Daten-Obergrenzen auch im Festnetz als einen Angriff auf das Prinzip der Netzneutralität. Das Prinzip verlange den Transport aller Datenpakete im Internet, ohne bestimmte Daten zu bevorzugen oder zu verzögern.

Beckendahl kritisierte, dass der hauseigene TV-Dienst Entertain sowie andere gesondert bezahlte "Managed Services" bei der Berechnung des Datenvolumens ausgenommen werden sollen. Er forderte die Blogger und Netzaktivisten auf, ein Zeichen zu setzen: "Unsere Blogs, unsere Podcasts, unsere Start-ups sind diejenigen, die sich das vielleicht nicht leisten können."

Island: Web 2.0 verändert Demokratie

Ein Schwerpunkt des auf sieben Bühnen verteilten Programms waren Erfahrungen aus dem Internet-Wahlkampf in den USA. Die ehemalige Leiterin der Online-Abteilung im Wahlkampfbüro von US-Präsident Barack Obama, Betsy Hoover, erzählte, wie Online und Offline im Wahlkampf miteinander verknüpft werden, um die Wähler auch emotional anzusprechen.

Über die Arbeit an einer neuen Verfassung in Island mit Hilfe der Bürger berichtete die Parlamentsabgeordnete Birgitta Jónsdóttir. "Wir befinden uns in einer unglaublichen Zeit", so die Politikerin mit Blick auf das Internet. "Die bisher übliche Art der Politikgestaltung wird von Grund auf verändert".

Die Vernetzung digitaler Projekte in sechs afrikanischen Ländern stellte Erik Hersman vor, Mitbegründer der Internet-Plattform Ushahidi. Die Entwicklung in Afrika benötige die Kompetenzen traditioneller Dorfbewohner, so Hersman. Sie müssten sich vor Ort gegenseitig unterstützen. Hersmann stellte den Prototyp eines mobilen Routers vor, der auch unter schwierigen Bedingungen noch eine Internet-Verbindung bereitstellen soll. Für dieses Gerät mit der Bezeichnung BRCK werden auf der Internet-Plattform Kickstarter noch Investoren gesucht.

(Dorothee Monreal)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang