Security

Regierung: Kanzleramts-IT bei Spionageattacke nicht infiziert - Vorfall schon Monate alt?

Viel Pressewirbel um einen alten Vorfall: Die angebliche Spionage-Attacke auf das Kanzleramt mit Hilfe der Spionage-Software "Regin", von der die "BILD" am Montag berichtete, soll sich laut dpa bereits vor dem Sommer ereignet haben. Nach Angaben der Bundesregierung sei das IT-System des Kanzleramts nicht geschädigt worden.

29.12.2014, 13:19 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Computer des Kanzleramts sind nach Darstellung der Bundesregierung durch eine Spionageattacke auf eine Mitarbeiterin der Regierungszentrale nicht geschädigt worden. Das IT-System des Amtes sei nicht infiziert worden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz am Montag in Berlin. Es habe keine Gefahr gegeben.

Geheimdienst-Kontrollgremium wurde informiert

Das von der "Bild"-Zeitung beschriebene "Angriffsmuster" auf die Mitarbeiterin des Kanzleramts wollte sie ausdrücklich nicht bestätigen. Das zuständige parlamentarische Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste sei informiert worden. Es gebe keinen Anlass, die Vorkehrungen des Kanzleramts gegen Computerspionage grundsätzlich zu überdenken, sagte Wirtz. Kanzleramt und Bundesregierung hätten die Gefahren durch Cyber-Spionage im Blick. Weitere Details wollte die Sprecherin nicht nennen.

Die Zeitung hatte berichtet, eine Referatsleiterin aus der Europapolitik-Abteilung habe ein Dokument auf einem privaten USB-Stick mit nach Hause genommen. Dort habe sie auf ihrem Privat-Laptop an dem Dokument weitergearbeitet und das Speichergerät wieder ins Kanzleramt mitgebracht. Als die Frau dieses in ihren Dienst-Laptop steckte, habe dessen Viren-Scanner wegen "Regin" Alarm geschlagen. Die besonders schwer zu entdeckende Software "Regin" wird ursprünglich mit dem US-Abhördienst National Security Agency (NSA) und seinem britischen Partner GCHQ in Verbindung gebracht. Informationen von dpa zufolge wird in den Sicherheitsbehörden nicht ausgeschlossen, dass mittlerweile auch andere Geheimdienste mit weiterentwickelten Versionen dieser Software arbeiten.

dpa: Trojaner-Angriff mit "Regin" erfolgte bereits vor dem Sommer

Der Urheber der Spionageattacke auf eine Mitarbeiterin des Kanzleramts kann unterdessen nicht nachverfolgt werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Montag sind entsprechende Untersuchungen der Sicherheitsbehörden in den vergangenen Monaten erfolglos geblieben. Nach dpa-Informationen liegt der Trojaner-Angriff mit "Regin" Monate zurück - er soll demnach schon vor dem Sommer erfolgt sein. Die Abwehrmaßnahmen des Kanzleramts hätten funktioniert. Es sei nicht klar, wer für die Spionageattacke verantwortlich war und auch nicht, ob Dokumente abgefischt worden seien./p>

Laut dpa-Informationen war eine Referentin des Europareferats im Kanzleramt von dem Angriff betroffen und keine Referatsleiterin. Zudem sei unklar, ob die Mitarbeiterin gezielt ausgeforscht wurde, weil sie im Kanzleramt arbeite, oder ob ihr privates Laptop zufällig attackiert wurde.

Das verdeckt agierende Trojaner-Programm "Regin" kann Sicherheitsexperten zufolge unter anderem Aufnahmen vom Bildschirm machen, Passwörter stehlen, den Datenverkehr überwachen und für die Angreifer gelöschte Dateien wiederherstellen.

(Jörg Schamberg)

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