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Rechtsradikale werben Jugendliche über Facebook, YouTube & Co. an

Das Internet wird von Rechtsextremen immer häufiger zur Anwerbung von jungen Leuten genutzt. Ersten Kontakt mit der rechtsradikalen Szene haben Jugendliche oft über Musik.

27.01.2013, 09:01 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

Videos von Parteitagen, Fotos von Aufmärschen: Das Internet ist bei Rechtsextremen ein beliebtes Mittel, um junge Leute anzusprechen. Ihren ersten Kontakt mit der Szene haben die Jugendlichen jedoch oft über die Musik.

Musik als erster Kontakt mit rechtsradikaler Szene

Rechtsradikale nutzen häufig Kanäle wie Youtube, Facebook oder Twitter, um an junge Menschen heranzukommen. Vieles laufe auch über eigene Internetseiten, vor allem bei Kameradschaften, sagte Matthias Quent vom Kompetenzzentrum Rechtsextremismus an der Universität Jena der Nachrichtenagentur dpa. Die Rechtsradikalen laden zum Beispiel Videos von Demonstrationen und Parteitagen hoch oder verschicken anonyme Freundschaftseinladungen in sozialen Netzwerken, wie Quent vor dem offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus an diesem Sonntag (27. Januar) berichtete.

Den ersten Kontakt mit der rechtsradikalen Szene haben viele Jugendliche über die Musik. Dabei wüssten sie häufig gar nicht, was sie sich da gerade anhörten, sagte Quent. "Es gibt ein populäres Halbwissen, was verboten und was erlaubt ist." Den Jugendlichen gefalle die Musik mit oft aggressiven Texten, ohne großartig darüber nachzudenken. "Das trägt zur Normalisierung bei", warnte Quent.

Verbotene Songs problemlos im Internet auffindbar

Früher hätten die Jugendlichen CDs auf dem Schulhof ausgetauscht. "Das war auch für Lehrer noch greifbarer", sagte Quent. Heute kann man sich auch verbotene Songs zum Teil problemlos im Internet anhören. "Das hat sich alles sehr beschleunigt und ist sehr unübersichtlich geworden", erklärte Quent. Im Internet könnten rechtsextreme Gruppen die Isolation in der Gesellschaft durchbrechen.

Bei der Aufklärungsarbeit gebe es noch Verbesserungspotenzial. "Eine sterile Aufklärungskampagne kommt nicht so gut an wie die rebellische Musik der extrem Rechten", sagte Quent. "Ich glaube, man bräuchte innovativere Konzepte und Methoden." Diese müssten die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen noch besser berücksichtigen.

(Jörg Schamberg)

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