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Re: 2005 // DSL - Notizen des Preisfalls

Auch in diesem Jahr wagen wir einen Blick zurück, um abschätzen zu können, was in Sachen Breitband im neuen Jahr auf uns zukommen wird.

26.12.2005, 08:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

In der schnelllebigen DSL-Welt schaut niemand gern zurück. Schließlich ist es die Zukunft, die durch Neuigkeiten neugierig macht. In diesem Jahr lohnt es sich jedoch in jedem Fall, einen Blick nach hinten zu wagen. Denn nur so kann man absehen, was 2006 auf den Breitbandmarkt zukommt.
Harte Preisgefechte
Im Januar 2005 war die DSL-Welt noch in Ordnung. Drei T-DSL-Anschlüsse mit einem, zwei und drei Megabit pro Sekunde Downstream sowie die dazu passenden, preislich gestaffelten Flatrate-Preise. Im Schnitt zahlte man für eine Flat für T-DSL 1000 rund 30 Euro - Nutzer der schnelleren Anschlussvarianten mussten zehn oder zwanzig Euro mehr hinblättern.
Zur CeBIT im März überraschte die T-Com mit der Ankündigung, im Juli T-DSL 6000 einführen zu wollen. Mehr Bandbreite bedeutete für Branchenkenner nach damaligem Marktverständnis automatisch höhere Flatrate-Preise - doch es kam ganz anders. Schon im April vollzog 1&1 seine "DSL-Tarifrevolution", bot fortan regional einen mit allen Bandbreiten nutzbaren, 6,99 Euro günstigen Pauschalzugang an. Wer den Preisvorteil nicht nutzen konnte, zahlte 9,99 Euro Festpreis. Die Branche gab sich überrascht. Und reagierte.
Einer nach dem anderen
Der Preisfall schritt schnell voran - weitgehend alle großen Provider zogen mit 1&1 gleich oder näherten sich zumindest der magischen Zehn-Euro-Marke. Nur T-Online lies sich Zeit und wartete bis Ende des Jahres, um besagte Preis-Hürde zu nehmen. Kleinere Reseller hatten durch die Marktentwicklung das Nachsehen - durch gleichbleibende Einkaufskonditionen bei den Zulieferern konnten sie dem Preisdruck nicht standhalten und gingen lautlos unter. Bereits von Strato bekannte Tiefpreisregionen erschloss Arcor, als Mitte des Jahres der Preis für die DSL-Flat auf unter fünf Euro gedrückt wurde. Dies drängte die Konkurrenz weiter dazu, ebenfalls Preissenkungen vorzunehmen.
Etwas Neues
Im Juni dann etwas ganz Neues: Der in den USA verwurzelte Global-Player AOL gab bekannt, Hand in Hand mit dem zweitgrößten Carrier Deutschlands, Telefónica, ein eigenes DSL-Angebot über "Linesharing" anbieten zu wollen. Ein neuer Trend war geboren: Mit einem eigenen Breitbandnetz in die Zukunft investieren.
Beim "Linesharing" muss der DSL-Carrier keinen separaten Teilnehmer-Anschluss (TAE) legen, sondern kann auf der bestehenden Telefonleitung aufsetzen und so sein Angebot realisieren. Einzige Voraussetzung ist die Ausstattung der örtlichen Vermittlungsstelle mit eigener Hardware. Dadurch können durch vergleichsweise geringe Investitionen auf Dauer Kosten gesenkt werden.
Andere Ansätze
Nach Telefónica machte es sich auch Tiscali zum Ziel, mit einem eigens gebauten Datennetz neue Kunden zu erschließen. Hier sollte jedoch ein zu 100 Prozent eigenständiges Netz entstehen, das voll und ganz von der Telekom gelöst ist. Erste Früchte präsentierte Tiscali im November, als mit der Einweihung des eigenen Netzes in Frankfurt neue Tarife das Licht der Welt erblickten. Auch QSC will weiter auf eigene Infrastruktur setzen und in Zukunft die Leistungen ausbauen. Der Spätsommer war geprägt durch den überraschenden VoIP-Einstieg von Branchenriese T-Online. Die Telekom-Tochter ließ sich mit der Einführung der neuen paketorientierten Telefonie-Technologie mehr Zeit, als die Konkurrenz. Die Gründe liegen auf der Hand - man wartete so lange wie möglich ab, um sich nicht vorschnell konzernintern Konkurrenz zu machen.
Silvester vorgezogen
Im September zündete die Branche das große Breitband-Feuerwerk. HanseNet startete eine europaweit gültige Telefonflat und erhöhte die maximal buchbare Bandbreite auf 18 Mbit/s, Mobilfunker E-Plus führte die erste UMTS-Flatrate Deutschlands ein, während die T-Com ankündigte, in ausgewählten Städten 2006 mit 50 Mbit/s Downstream durchstarten zu wollen.
Arcor konterte mit ersten ADSL2(+)-Feldtests und Kabelnetzbetreiber Kabel BW nahm eine 20 Mbit/s schnelle Anbindung ins Portfolio auf. Anschließend wurde es ruhiger. Bis Ende Oktober, als Tele2 nach langer Ankündigung in den DSL-Markt startete. Das ehemals eher aus dem Preselection- und Call-by-Call-Segment bekannte Unternehmen schraubte den Flat-Preis auf 3,95 Euro. Neuer Tiefpreis-Rekord.
Hitze unauslöschbar
Auch mit dem Einbruch der kalten Jahreszeit wollte der DSL-Markt nicht zum Stehen kommen. T-Online durchstieß nach langer Leerlaufzeit endlich die magische Zehn-Euro-Marke und überraschte mit einer günstigen VoIP-Flatrate. Später begann M"Net in Bayern, Arcor deutschlandweit und AOL in einer Hand voll Städten damit, ADSL2-Anschlüsse unters Volk zu bringen, während in Berlin und Kaiserslautern die ersten WiMAX-Funkwellen die Straßen unsicher machten. Und 2006? - geht der Preiskampf sicher weiter. Fragt sich nur in welcher Form. Bei den DSL-Zugängen auf T-DSL-Basis können die Preise nicht weiter nach unten gedrückt werden. Es sei denn, findige Tarifbastler werfen ein Abrechnungsmodell auf den Markt, bei dem der Kunde fürs Surfen Geld verdient, anstatt dafür zu zahlen. Doch das ist illusorisch.
Volle Fahrt voraus
Die Zukunft gehört den Carriern und deren Partnern, die in ein eigenes Netz investieren. Nur so sind sie auf lange Zeit weitgehend unabhängig von der Telekom, wodurch sich neue kalkulatorische Dimensionen auftun. Der magentafarbene Ex-Monopolist macht es vor und steckt drei Milliarden Euro in ein neues VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz. Ob dieses der Regulierung doch noch entkommt? Die Bundesnetzagentur wird entscheiden.
Mit den alternativen Übertragungsarten ist auch im neuen Jahr zu rechnen. UMTS erwacht langsam aus dem Schlaf, der WiMAX-Stein kommt regional ins Rollen. Gleichzeitig versuchen die TV-Kabelnetzbetreiber durch fortschreitenden Verfügbarkeitsausbau und günstige Komplettpakete, das Anteilsstück vom "Breitband-Kuchen" zu vergrößern.
Gleiche Preise bei mehr Leistung
Freuen wir uns also auf ein neues Jahr - mit mehr oder weniger gleichbleibenden Preisen bei stetig wachsenden Leistungen. Bleibt nur abzuwarten, wer die Waagschalen aus Kalkulation und Gewinn am Geschicktesten ins Gleichgewicht bringt.

(Michael Müller)

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