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Ratgeber: Welches Netzteil braucht der Surfer

Netzteile gibt es mit verschiedenen Leistungen. Doch welches Modell ist für wen richtig und worauf muss man beim Kauf achten? Wir zeigen Ihnen, was bei einem Netzteil wichtig ist.

06.03.2007, 17:01 Uhr
Internet© rajareddy / Fotolia.com

In den Medien wird der Prozessor häufig als "Herzstück" des Computers bezeichnet. Bei näherer Betrachtung ist das aber nicht zutreffend, da das Netzteil das Kraftwerk im Rechner ist. Von dort aus werden alle eingebauten Komponenten im System mit Strom versorgt. Viele Anwender schenken aber dem kleinen Kasten an der Rückseite des Gehäuses nur wenig Beachtung. Spätestens beim Aufrüsten des Systems könnte das aber zu einem Problem werden, wenn nicht ausreichend Leistung zur Verfügung steht. Wir zeigen Ihnen am Beispiel der Be Quiet! Straight Power Quad Rail-Modelle, worauf es bei einem guten Netzteil ankommt.
Watt, Ampere und Volt
Bei der Stromversorgung spielen drei physikalische Größen eine Rolle: Leistung [Watt], Stromstärke [Ampere] und Spannung [Volt]. Für den Anwender ist hauptsächlich die Angabe der Leistung in Watt von Bedeutung, denn sie gibt Auskunft über das Leistungsvermögen der Stromversorgungseinheit. Je mehr Komponenten im System verbaut sind, desto mehr Leistung muss das Netzteil zur Verfügung stellen.
Technikbegeisterte Nutzer schenken aber auch der Stromstärke in Ampere und der Spannung in Volt Aufmerksamkeit. Durch den physikalischen Zusammenhang P [Watt] = U [Volt] x I [Ampere] lässt sich die maximale Leistung eines Netzteils einfach berechnen. Dazu muss lediglich die Spannung mit der Stromstärke multipliziert werden, die Angaben dazu findet man auf jedem Gerät.


Verschiedene Leitungsstränge
Ein Netzteil wandelt den 220 Volt (110 Volt) Wechselstrom in +3,3-, +5-, +12-, -5-, -12-Volt und +5-VSB-Gleichstrom um und schickt diese über verschiedene "Schienen", die in der Fachsprache als "Rails" bezeichnet werden. Die +5-VSB-Schiene führt auch im ausgeschalteten Zustand Strom und dient dazu, den PC aus dem "StandBy" zu holen – daher die Abkürzung "SB". Die beiden Leistungsschienen mit der negativen Spannung können vernachlässigt werden, da PC-Komponenten fast ausschließlich nur noch mit "+"-Spannung arbeiten. Diese beiden Rails tragen ohnehin mit 15 bis 25 Watt zur Gesamtleistung bei.
Die Be Quiet! Straight Power Quad Rails verfügen, wie der Name erahnen lässt, über vier separate 12-Volt-Schienen, damit der Prozessor optimal mit Strom versorgt wird. Aktuelle Netzteile arbeiten mit zwei, drei oder vier Schienen. In der Praxis gibt es weitere Aspekte, die berücksichtigt werden müssen. Die Hersteller geben für die verschiedenen Schienen die Spannung und die dazugehörige Stromstärke an. Durch Multiplikation der einzelnen Werte und die Addition der Ergebnisse erhält man die maximale Leistung, die das Netzteil über die Schienen zur Verfügung stellen kann.
Kombinierte Leistung
Die Rechnung ist aber mit Vorsicht zu genießen, denn die Hersteller geben in der Regel die maximale Stromstärke an. Die wird nicht im Dauerbetrieb, sondern lediglich für eine kurze Zeitspanne erreicht. Wichtiger und interessanter ist deshalb die maximale Ampere-Zahl, die im kontinuierlichen Einsatz erreicht wird. Leider wird dieser Wert nicht angegeben und muss mit Messgeräten ermittelt werden.
Keine Sorge – Man muss nicht gleich zum Multimeter greifen. Die Hersteller geben ersatzweise die so genannte "kombinierte Leistung" an, die sich aus den einzelnen Schienen zusammensetzt. Sie gibt dabei die tatsächliche Leistung an, die das Netzteil auf Dauer bereitstellen kann. Die Angabe weicht aus Erfahrung nur minimal vom tatsächlichen Wert ab.
Konstante Spannung
Wichtig für einen stabilen Betrieb ist neben der ausreichenden Leistung auch die Spannung. Zwar ist die bei allen Geräten mit 3,3-, 5- und 12-Volt vorgegeben, aber technisch bedingt gibt es Schwankungen. Kein Netzteil ist in der Lage exakt die vorgegebene Volt-Zahl zu erreichen. Stattdessen gibt es einen fest vorgeschriebenen Bereich, den die Netzteile nicht unter und überschreiten dürfen. Dieser liegt bei +/- 5 Prozent (+/- 10 bei negativer Spannung), so dass beispielsweise die 12-Volt-Leitung nicht weniger als 11,40 Volt und mehr als 12,60 Volt Spannung führen darf. Empfehlenswert sind Modelle mit einer automatischen Notabschaltung, wenn die Spannungen außerhalb der Toleranz liegen. Ein gutes Netzteil zeichnet sich also unter anderem durch ausreichend Leistung und konstante Spannungen aus. Leider kann der Käufer vor dem Kauf lediglich die "kombinierte Leistung" in Erfahrung bringen. Erst nach dem Einbau kann er im BIOS die Spannungen für die 3,3-, 5- und 12-Volt-Leitungen ablesen.
Guter Service
Aus diesem Grund ist ein guter Service sehr wichtig, der in dem Fall einen zügigen Austausch des Netzteils erlaubt. Die Firma Listan bietet beispielsweise bei den Be Quiet!-Modellen drei Jahre Voll-Garantie. In den ersten zwölf Monaten findet sogar innerhalb von 48 Stunden ein Vor-Ort-Austausch statt. Die neue Stromversorgung wird also im Garantiefall direkt bis zur Haustür geliefert.
Bei günstigen Netzteilen gilt zwar auch 24 Monate Garantie, der Austausch erfolgt aber in der Regel über den Händler. Das kann unter Umständen mehrere Wochen dauern, so dass viele sich für den Kauf eines weiteren billigen Netzteils entscheiden. Generell gilt: Gute Netzteile sind für ein stabiles System sehr wichtig. Wer hier spart, der spart am falschen Ende.
Hohe Effizienz
Eine hochwertige Stromversorgung zeichnet sich aber nicht nur durch ausreichend Leistung und stabile Spannungen aus, sondern auch durch eine hohe Effizienz. Damit ist nichts anderes gemeint, als das Verhältnis zwischen eingehender und ausgehender Leistung. Günstige Netzteile erreichen eine Effizienz von etwa 60 bis 65 Prozent. Wenn also 300 Watt aus dem Stromnetz gezogen werden, dann gehen bei diesen Modellen rund 105 Watt verloren, die als Wärme an die Umgebung abgegeben werden. Das ist nicht nur Geldverschwendung, sondern führt auch zur Erhöhung der Raumtemperatur und bei schlechter Kühlung auch zu einer Überhitzung. Die Be Quiet! Straight Power Quad Rail erreichen eine Effizienz von etwa 83 Prozent, was im guten Bereich liegt. Sollte ein Netzteil also zu viel Wärme abgeben, dann ist das ein Zeichen für eine schlechte Effizienz. In direkten Zusammenhang mit der Effizienz steht auch die Geräuschentwicklung. Ein Netzteil, das viel Wärme abgibt, muss auch ausreichend gekühlt werden. Wird dabei ein billiger Lüfter ohne eine gute Lagerunge verwendet, kann es zu störenden Geräuschen kommen.
Umdrehungsgeschwindigkeit
Die meisten Netzteile werden zwecks besserer Wärmeabfuhr mit einem oder mehreren Lüftern ausgestattet. Verwenden die Hersteller günstige Modelle mit schlechten Lagern, macht sich der Lüfter durch deutlich laute Geräusche bemerkbar. Bei Netzteilen mit einer guten Effizienz und niedriger Hitzentwicklung werden häufig auch große und langsam drehende Lüfter verwendet.
Bei einigen Modellen kommt eine so genannte "Thermoelektronik" zwecks Regulierung der Umdrehungsgeschwindigkeit zum Einsatz. Die Drehzahl ist also von der Temperatur abhängig. Der Vorteil: Der Lüfter dreht nur so schnell wie erforderlich. Bei solchen Netzteilen ist es wichtig die Geräuschentwicklung unter Volllast zu hören. Andernfalls kann es passieren, dass im Hochsommer plötzlich eine turbinenartiges Geräusch von der Rückseite des PCs zu hören ist.
Passive Netzteile
Für Geräuschempfindlich gibt es die Möglichkeit passive Netzteile zu verwenden. Der Einsatz ist aber nur in Gehäusen mit einer guten Luftzirkulation möglich, da die Wärme über das Netzeilgehäuse an die Umgebung abgegeben. Wird die warme Luft nicht mit Hilfe eines Luftstroms schnell aus dem Gehäuse transportiert, dann kommt es im Inneren zu einem Hitzstau. Eine Alternative zu passiven Netzteilen stellt das Phantom 500 von Antec dar. Es handelt sich dabei um eine Hybrid-Lösung. Solange das massive Metallgehäuse die Wärme ausreichend an die Umgebung abgeben kann und die voreingestellt Maximal-Temperatur nicht erreicht wird, bleibt der Lüfter still. Aktuelle Netzteile werden für den Advanced Technology Extended kurz ATX-Standard entwickelt. Mittlerweile gibt es aber mehre Versionen des ATX-Standards, so dass Anwender schnell durcheinander kommen.
ATX 2.0 und 2.2
Wer sich ein neues Netzteil kauft, der sollte sich für die Version 2.0 oder 2.2 entscheiden, da beide für aktuelle Mainboards mit PCI-Express-Steckplätzen geeignet sind. Sämtliche Versionen ab 2.x werden mit einem 24-Pin-Stecker ausgerüstet. Streng genommen handelt es sich um einen 20-Pin-Stecker und einen separaten 4-Pin-Stecker, der einfach bei Bedarf angehängt wird. Der Hintergrund: Ältere ATX-Mainboards verwenden noch einen 20-Pin-Stecker. Durch die Aufteilung in 20 + 4 können die neuen ATX-Netzteile auch bei Mainboards mit ATX 1.0 oder 1.3 genutzt werden.Im Grunde genommen sind sich ATX 2.0 und ATX 2.2 sehr ähnlich. Der Unterschied: Die neuere Version verfügt über eine bessere Energieeffizienz.
Leistung zählt
Moderne Computer werden mit leistungsstarken Komponenten ausgestattet. Schnelle CPUs verbrauchen teilweise bis zu 130 Watt Leistung, eine High-End-Grafikkarkte sogar bis zu 200 Watt. Je mehr Bauteile eingebaut sind, desto mehr Leistung sollte das Netzteil haben. Damit Sie nicht die Leistung jeder Komponente herausfinden müssen, haben wir Ihnen eine kleine Hilfe zusammengestellt.
Die meisten Hersteller bieten ihre Netzteile mit verschiedenen Leistungen an. Die Be Quiet! Straight Power Quadrails sind in den Leistungsklasse 550 Watt, 600 Watt, 650 Watt und 700 Watt erhältlich. Die Preise beginnen bei circa 70 Euro. Für Internet- und Büro-Rechner reichen auch die Be Quiet! Straight Power mit zwei Rails, die eine Leistungs zwischen 350 und 500 Watt haben. Das kleinste Netzteil gibt es bereits für 45 Euro.

(Nam Kha Pham)

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