Security

Ratgeber: Was ist beim Wardriving erlaubt?

Wardriving ist "in". Wardriver bewegen sich jedoch oft in einer Grauzone zwischen Legalität und illegalem Treiben. onlinekosten.de klärt auf, was erlaubt ist und was nicht.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com
Die neue Wohnung macht Laune. Mitten in der Stadt gelegen und trotzdem ruhig. Neu eingezogen erst einmal das Notebook aufgeklappt und siehe an: Ganze fünf WLANs finden sich in der Nachbarschaft. Da muss ja eigentlich gar kein eigener Internet-Anschluss mehr gelegt werden, dafür wird bares Geld gespart. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Was den einen als kleines Goodie für seine neue Wohnung erfreut, betreiben andere Zeitgenossen professionell: So genannte Wardriver haben die Suche nach offenen Netzwerken zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Die Vorgehensweise ist immer gleich: Mit einem WLAN-fähigen Laptop, einem GPS-Empfänger und möglicherweise einer Antennen-Verlängerung gehen die Wardriver zu Fuß oder mit dem Auto auf Jagd nach offenen, kabellosen Netzwerken. Was sie finden, wird in Datenbanken wie Wigle.net niedergeschrieben - für jeden frei zugänglich.

Gezielte Rechner-Suche

Neben den Wardrivern gibt es auch die WLAN-Cracker: Sie suchen nicht nur gezielt mit dem Rechner nach offenen Netzwerken. Mit Hilfe von Sniffer-Tools sind auch versteckte und verschlüsselte Netzwerke nicht vor ihnen sicher. Und findige Hacker haben sogar herausgefunden, dass sich selbst WPA-verschlüsselte WLAN-Netze innerhalb kurzer Zeit knacken lassen, wenn der Einlogg-Vorgang, das so genannte Handshake, abgehört werden kann und das Passwort schwach genug ist, um per Brute Force geknackt zu werden. Die WLAN-Cracker nutzen dieses Wissen, um fremde Netze zu stören, Accesspoints zu übernehmen oder einfach fremde Netze zu benutzen.

Dieser Typ Wardriver handelt nach deutschem Recht kriminell. Nicht, weil sie nach den Netzwerken suchen, sondern weil er versucht, geschützte Netzwerke zu öffnen. So gibt es im deutschen Strafgesetz einen speziellen Paragraphen, der genau diese Sachlage unter Strafe stellt. Eigentlich wurde er ursprünglich gegen Computer-Spionage und Hacking ins Leben gerufen, der Wortlaut von §202a allerdings trifft auch auf Wardriver mit Hacking-Ambitionen zu.
"Wer unbefugt Daten, die nicht für ihn bestimmt und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, sich oder einem anderen verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."
Es sind zwei gegebene Bedingungen: Erstens dürfen die Daten nicht für den Angreifer bestimmt sein – es ist also kein Vergehen, das eigene WLAN zu knacken. Wesentlich wichtiger ist allerdings die zweite Bedingung: "Daten, die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind." Und Verschlüsselung ist eben so eine "besondere" Sicherung. Wer sie umgeht, macht sich strafbar.

Anders ist die Sachlage bei "normalen" Wardriving-Aktivitäten. Hier werden ausschließlich offene Netzwerke gesucht. Wer ein derart ungeschütztes Funknetz betreibt, darf sich jedoch nicht wundern, wenn er Opfer von boshaften Wardrivern oder WLAN-Crackern wird, denn die Wardriving-Szene hält ihre Aktivitäten in detaillierten Landkarten fest, die von den kriminellen Wardrivern oder WLAN-Crackern missbraucht werden können.

Obendrein können sich Betreiber völlig ungeschützter Funknetzwerke schnell in Teufels Küche bringen, denn haftbar ist immer der Anschlussinhaber. Nutzt ein Fremdsurfer illegale Inhalte über das fremde Netz, betreibt er zum Beispiel Filesharing mit urheberrechtlich geschützten Dateien, kann das für den unbedarften WLAN-Neuling schnell zu einer bösen Falle werden. Spätestens dann, wenn die Kripo vor der Tür steht und nach einer Erklärung fragt.

Schnüffler, Diebe und andere WLAN-Ganoven

Neben den unangenehmen öffentlichen Nebeneffekten kann ein sicheres WLAN weiteren Ärger vermeiden. So stehlen Fremdsurfer nicht selten Bandbreite und schnüffeln möglicherweise in ungesicherten Windows-Freigaben herum. Hier könnte das Gesetz helfen, allerdings erfolglos: Ungesicherte Netzwerke sind nicht speziell im Strafgesetzbuch erwähnt. Es wird davon ausgegangen, dass der Betreiber die Sicherheitsvorkehrungen absichtlich ausgeschaltet hat.

Ganz eindeutig ist dieser Fall jedoch nicht: Je nach Gericht und Fähigkeit der Anwälte könnte ein WLAN-Betreiber, dessen ungeschütztes WLAN Opfer eines Wardrives wurde, ins Feld führen, die technischen Maßnahmen zur Sicherung des Netzes nicht begriffen zu haben. Dieses Argument ist jedoch mehr schlecht als recht, schließlich wird vom Besitzer eines Einfamilienhauses auch verlangt, dass er die Tür abschließt. Der Vergleich mag hinken, grundsätzlich geklärt ist der Sachverhalt jedoch noch nicht. Grundlage einer Klage: Wurde ein Schaden verursacht oder nicht?

Ein Anhaltspunkt ist jedoch der entstandene Schaden: Wo kein Schaden nachweisbar ist, kann auch niemand klagen. Wurde zum Beispiel nur Nachts über die Flatrate eines Rentners gesurft, ohne dabei illegale Inhalte aufzurufen, dürfte der Nachweis eines Schadens für das Wardrive-Opfer ziemlich schwierig werden. Anders sieht es da aus, wenn ein Schaden entstanden ist. Wenn der Wardriver zum Beispiel den Rechner abgeschossen oder Daten gestohlen hat. Selbst der Bandbreiten-Klau kann im Zweifelsfall als Schaden gerechnet werden. Inwieweit solche Fälle jedoch geahndet werden (können) ist eine andere Frage.

Zurück zu unserem Wohnungsbesitzer. Er findet in der Nachbarschaft ein offenes WLAN und möchte darüber ins Internet gehen. Grundsätzlich ist das nicht verboten, es steht jedenfalls nicht unter Strafe. Ein Kläger dürfte Schwierigkeiten haben, böse Absichten nachzuweisen, sofern er den Fremdsurfer überhaupt erwischt. Denn Menschen, die ihr WLAN komplett ungeschützt lassen, sind selten technisch so versiert, dass sie den Standort eines Fremdsurfers ausmachen können. Sofern sie ihn überhaupt entdecken.

Einbruch bleibt Einbruch

Nicht erlaubt hingegen ist das Öffnen eines fremden WLANs und das Herumschnüffeln in fremden Datenbeständen, ob gesichert oder nicht. Hier ist der Argumentationsfaden klar: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, zumal Wardriver und WLAN-Fremdsurfer in der Regel genau wissen, wo sie sich gerade herumtreiben.

Unser Wohnungsbesitzer sollte also, um ganz sicher zu gehen, die Finger vom WLAN des Nachbarn lassen. Idealerweise sollte er in allen Briefkästen im Umkreis der umliegenden vier, fünf Häuser Zettel einwerfen und nach dem offenen WLAN fragen – oft wissen die Betreiber überhaupt nichts von ihrem "Glück". Ist das WLAN ausfindig gemacht, kann der Besitzer freundlich und gegen Angebot einer Kostenbeteiligung sicherlich dazu bewegt werden, das WLAN zu sichern und zu teilen.

WLAN-Community

Und wo wir gerade schon beim Thema der gemeinsamen WLAN-Nutzung sind: die WLAN-Community Fon.com hat sich genau dieses Thema zur Aufgabe gemacht.

(Christian Rentrop)

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