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Ratgeber: Kauf-Kriterien bei TFT-Monitoren

Kontrastverhältnis 1000:1, Helligkeit 300 cd/m², Reaktionszeit 8 ms, Betrachtungswinkel 160 Grad, DVI-Anschluss...was bedeutet das alles und braucht man das überhaupt?

05.04.2007, 12:32 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

In Büros stehen sie nur noch selten und auch von heimischen Schreibtischen verschwinden sie zusehends: klobige Röhrenmonitore. Ersetzt werden sie dabei durch schicke, flache TFT-Bildschirme, die nicht nur wesentlich platzsparender und leichter sind als ihre alten Kollegen, sondern auch strahlungsarm. Die Displays sind absolut flimmerfrei und schonen die Augen, zudem verbrauchen sie weniger Strom.
Bei der Wahl des geeigneten TFT-Monitors gibt es jedoch einiges mehr zu beachten als bei den guten, alten Röhren-Modellen. So unterbieten sich die Hersteller mit immer kürzeren Reaktionszeiten, auch wenn diese nicht das einzige, wichtige Kriterium bei einem guten Monitor darstellen. Helligkeit, Kontrast, Größe und der Betrachtungswinkel spielen ebenfalls eine Rolle. Was diese Angaben bedeuten und worauf es wirklich ankommt, haben wir zusammengestellt.
Funktionsweise eines TFTs
TFT-Monitore nutzen für die Bilddarstellung spezielle Flüssigkeitskristalle und werden deshalb auch als Liquid Crystal Displays (LCDs) bezeichnet. Diese Kristalle befinden sich zwischen zwei Glasscheiben: Auf der einen befinden sich die Thin Film oder Dünnschicht-Transistoren (TFT) und die andere Scheibe ist mit einer großen Elektrode versehen, die mit allen Transistoren verbunden ist. Dahinter sorgen Leuchtstoffröhren für die Beleuchtung.
Wie entsteht nun das Bild? Die Bildpunkte auf dem Monitor setzen sich jeweils aus den Farben Rot, Grün und Blau (RGB) zusammen. Vereinfacht dargestellt: Jeder Transistor sagt einem Bildpunkt, wo er das Licht der Leuchtstoffröhren durchlassen soll und bestimmt somit die Farbe. Die Zeit in Millisekunden (ms), die der Bildpunkt dabei für einen Farbwechsel benötigt, nennt man Reaktionszeit (Response Time).
Aussagekraft der Reaktionszeit
Die Reaktionszeit stellt – besonders für Computerspieler – eine wichtige Größe dar. Auch deshalb unterbieten sich die Hersteller mit immer kleineren Zeitangaben. Diese können auf zwei unterschiedlichen Messverfahren beruhen: Eine Methode ist die Zeitmessung für den Wechsel von Schwarz zu Weiß (rise) und wieder zurück (fall), die auch als Black-White-Time (kurz BWT) angegeben wird. Die zweite Möglichkeit heißt Grey-To-Grey (GTG) und gibt die Zeitspanne für den Wechsel von Grau zu Grau an. Letztere ist nicht nur kürzer, sondern auch praxisnäher, da harte Wechsel von Schwarz zu Weiß zum Beispiel bei der Videowiedergabe eher selten vorkommen. Dies ist auch die bevorzugte Methode der Hersteller, um die Response Time anzugeben.
Nicht jeder Anwender muss zwangsläufig auf eine möglichst geringe Reaktionszeit achten. So ist diese Zeitangabe für reine Office-Anwendungen eher unerheblich. Wer regelmäßig Filme auf seinem Monitor ansehen möchte, sollte sich für ein Gerät mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Millisekunden (ms) entscheiden. Diese gehört jedoch zum Standard-Repertoire.
Schlieren bei Computerspielen?
Computerspiele stellen höhere Anforderungen und weisen mehr Bilder pro Sekunde auf als ein Film. Daher sind niedrigere Reaktionszeiten wichtig, um den ungeliebten Schliereneffekt zu vermeiden, der durch nachglühende Bildpunkte verursacht wird. Bei einem Spiel mit 50 Bildern pro Sekunde (fps) und somit einer Bilddauer von 20 ms (1000 ms / 50 fps), sollte der Monitor maximal eine Reaktionszeit von 20 ms besitzen. Bevor jedoch gleich zum Spitzenmodell gegriffen wird, sollte auch die eigene Grafikkarte geprüft werden. Bei Mittelklasse-Modellen, die nur 20 bis 30 Bilder pro Sekunde darstellen können, bringt diese kurze Reaktionszeit keinen wirklichen Vorteil.
Blickwinkelverbesserung vs. Reaktionszeit
Ein möglichst hoher Betrachtungswinkel sichert die gleichbleibende Qualität der Anzeige aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Hersteller nennen in den meisten Fällen zwei Betrachtungswinkel: für die Horizontale und für die Vertikale. Diese Winkel geben bei frontaler Messung den Bereich an, indem sowohl Helligkeit als auch Kontrast des Monitors unverändert bleiben. Wer oft zu zweit vor dem Bildschirm sitzt oder mit mehreren Monitoren parallel arbeitet, sollte auf einen möglichst hohen Betrachtungswinkel achten.
Wie groß die Blickwinkel ausfallen, hängt vom jeweiligen Display-Typ ab. Zurzeit setzen die Hersteller auf drei verschiedene Technologien: TN, IPS und VA.
Am häufigsten wird TN (Twisted Nematic) verwendet. TN-Displays haben eine besonders kurze Reaktionszeit und sind günstig. Die anderen Methoden liefern jedoch ein besseres Bild. Mit IPS (In-Plane Switching) können größere Blickwinkel und eine verbesserte Farbwiedergabe erzielt werden, allerdings auf Kosten der Reaktionszeit. Die Weiterentwicklung S-IPS (Super In-Plane Switching) erreicht wiederum kürzere Reaktionszeiten. Die dritte Methode heißt VA (Vertical Alignment, zu deutsch: vertikale Ausrichtung) und wird als MVA (Multi-Domain VA) und PVA (Patterned VA) eingesetzt. MVA/PVA-Displays sind zwar teurer, aber auch kontrastreicher als TN-Modelle. Sie weisen jedoch eine höhere Response Time auf. Um dies zu verbessern, nutzen einige Hersteller die so genannte Overdrive-Technik. Diese kann auf die Veränderung der Bildpunkte im Voraus reagieren und poliert so schlechtere Reaktionszeiten auf. Für eine gute Bildwiedergabe ist auch der Anschluss des Monitors entscheidend. TFTs können sowohl mit einem analogen als auch einem digitalen Anschluss ausgerüstet sein: D-Sub oder DVI.
Der richtige Anschluss
Der D-Sub-Anschluss, der auch als VGA-Anschluss bezeichnet wird, überträgt die Daten der Grafikkarte analog. Der Nachfolger heißt DVI (Digital Visual Interface) und kann in drei Typen unterteilt werden: DVI-I (analog und digital), DVI-D (digital) und DVI-A (analog), wobei letzterer kaum Verwendung findet.
Der DVI-D-Anschluss überträgt nur rein digitale Signale, an einem DVI-I-Stecker hingegen lässt sich mittels Adapter auch eine D-Sub-Grafikkarte anschließen. Nachteilig hierbei ist, dass das digitale Signal der Grafikkarte in diesem Fall zunächst in ein analoges und anschließend durch den Monitor wieder in ein digitales Signal umgewandelt wird. Hierbei kann ein Qualitätsverlust entstehen. Günstige TFTs verfügen oft über den älteren, analogen Anschluss. Für Einsteiger reicht dieser vollkommen aus. Grafiker und Multimedia-Anwender sollten jedoch einen DVI-Anschluss vorziehen.
Helligkeit und Kontrast
Um ein gutes und sattes Bild erzeugen zu können, müssen auch das Kontrastverhältnis und die Helligkeit stimmen. Das Kontrastverhältnis beschreibt den Helligkeitsunterschied zwischen einer weißen und einer schwarzen Fläche auf dem Bildschirm. Bei TFTs wird das Verhältnis zwischen dem hellsten (weiß) und dem dunkelsten Punkt (schwarz) angegeben, zum Beispiel 700:1. Das bedeutet in diesem Fall, dass ein weißer Bildpunkt 700 Mal heller leuchtet als ein schwarzer Punkt. Die zurzeit erhältlichen TFT-Monitore weisen je nach Preisklasse und Hersteller ein Kontrastverhältnis zwischen 400:1 und 2000:1 auf. Einige Hersteller bieten zudem einen dynamischen Kontrast. Diese Technik analysiert das ausgegebene Bild und passt das Kontrastverhältnis automatisch an. Generell ist ein möglichst hoher Kontrastwert zu empfehlen.
Ebenso wichtig ist die Helligkeit des Bildschirms. Bei einem TFT-Monitors wird sie durch die eingebauten Leuchtstoffröhren bestimmt. Diese wird in Candela gemessen und vom Hersteller in Candela pro Quadratmeter (cd/m²) angegeben, was die Leuchtdichte bezeichnet. Im Handel werden Modelle mit 250 bis 470 cd/m² angeboten.
Wichtiger als ein möglichst hoher Wert ist eine gleichmäßige Verteilung des Lichts. So sollte der Bildschirm komplett, auch an den Rändern, gut ausgeleuchtet sein und keine dunklen Stellen aufweisen.
TFT-Bildschirme sind zwar auch noch als 15-Zöller erhältlich, insgesamt werden die Monitore jedoch immer größer. Für vierstellige Summen stehen sogar Geräte mit 24, 26 oder 30 Zoll im 4:3 Format in den Regalen.
Welche Größe ist die Richtige?
Die Zoll-Angabe bei einem Flachbildschirm lässt sich nicht direkt mit der eines Röhrenmonitors vergleichen, da die sichtbare Bildfläche größer ist. So entspricht ein 17 Zoll TFT-Monitor eher einem 19 Zoll Röhrenmonitor. Generell gilt: Je größer desto besser, um die Augen zu schonen und mehrere Anwendungen parallel darstellen zu können. Dies ist vor allem für Grafikprogramme von Vorteil. Bei größeren Displays sollte jedoch besonders darauf geachtet werden, dass der Bildschirm gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Für den Heim- oder Office-Gebrauch sind Einsteigermodelle mit 20 Zoll schon für unter 300 Euro zu haben. Der Umrechnungsfaktor ist 1 Zoll = 2,54 Zentimeter.
Kinofeeling mit Widescreen-Displays
Ein großes Thema sind außerdem Widescreen-Displays. Die Monitore im 16:10 Format lohnen sich vor allem für Film-Fans und Spieler. Der Nachteil bei dieser Technik ist jedoch, dass zum Beispiel ein 19-Zoll-Widescreen-Monitor zwar ein breiteres Bild liefert, dafür aber in der Höhe deutlich weniger bietet als ein 19-Zöller im 4:3 Format. Zudem können einige Websites und Anwendungen den Platz nicht ausnutzen und werden falsch dargestellt. Außerdem können bei älteren Grafikkarten Probleme mit der 16:10 Auflösung auftreten, so dass eine neue angeschafft werden muss.
Die Auflösung ist bei einem TFT-Monitor vorgegeben, da die einzelnen Bildpunkte fest angeordnet sind: Ein Punkt entspricht einem Pixel (native Auflösung). So hat beispielsweise ein 19-Zöller eine Auflösung von 1200 x 1024 Pixel. Bei einer Veränderung von 800 x 600 Pixel auf 1600 x 1200 rechnet die Skalierungstechnik die Daten mit dem Faktor 2 hoch: Die Pixel verdoppeln sich in Höhe und Breite. Bei einer Hochrechnung von 800 x 600 auf 1024 x 768 Pixel beträgt der Skalierungsfaktor 1,28. Bei diesen ungeraden Zahlen kann es zu einer verzerrten Darstellung oder Unschärfe kommen.
Pixelfehler
Von neuen Geräten erwartet man natürlich, dass sie fehlerfrei sind. Bei TFT-Monitoren kann jedoch vorkommen, dass aufgrund von Fertigungsfehlern ein oder mehrere Pixel defekt sind. Diese Pixelfehler äußern sich dadurch, dass die Pixel entweder permanent leuchten (auch farbig) oder komplett schwarz sind. Je nachdem, an welcher Stelle sich die defekten Pixel befinden, fallen sie dem Betrachter entweder gar nicht auf, oder aber sie können massiv stören. Natürlich existiert eine Norm, die ISO 13406-2, die die Pixelfehler je nach Anzahl und Art in vier Klassen einteilt. Nur Geräte der Klasse I dürfen keinen einzigen defekten Pixel aufweisen und sind demnach teurer. Die meisten TFTs haben die Klasse II, die bis zu neun Fehler pro eine Million Pixel erlaubt.
Ergonomie und Besonderheiten
Um den Monitor an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen, lassen sich die Bildschirme nach vorn und hinten neigen, einige sind zusätzlich in der Höhe verstellbar und besitzen einen drehbaren Fuß. Diese ergonomischen Anpassungen sind für Büro-Angestellte und Privatanwender, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ein Vorteil. Zudem sind manche Monitore mit integrierten Lautsprechern oder der Pivot-Funktion ausgestattet. Mit dieser lässt sich der Bildschirm um 90 Grad drehen und hochkant aufstellen, was für einige Office-Anwendungen durchaus Sinn machen kann.
Um einen Blick in die Zukunft zu werfen: Mit HDCP (High-Bandwith Digital Content Protection), dem Kopierschutz für HDTV- und Blu-Ray- beziehungsweise HD-DVD-Inhalte, werden die TFT-Monitore vor ein weiteres Problem gestellt. Um die Filme uneingeschränkt wiedergeben zu können, muss nicht nur das abspielende Gerät (DVD-Player), sondern auch der Bildschirm HDCP-fähig sein. Mittlerweile sind bereits entsprechende Monitore auf dem Markt. Ein entscheidendes Kaufkriterium ist die HDCP-Fähigkeit jedoch nicht, wenn das Gerät nur für Büroanwendungen genutzt wird.
Fazit
Bei der Wahl des richtigen Monitors kommt es nicht nur auf eine besonders kurze Reaktionszeit an, denn kürzer heißt nicht immer besser. Der Kunde sollte nicht nur auf kleine Zahlen achten, sondern auch herausfinden, wie der Hersteller die Reaktionszeit gemessen hat (BWT oder GTG) und beim Kauf berücksichtigen, für welchen Zweck der Monitor eingesetzt werden soll. Zusätzlich sind eine Menge anderer Gesichtspunkte, wie ein guter Kontrast und eine gleichmäßige Ausleuchtung, zu beachten. Dennoch sind nicht für jeden Anwendungsfall absolute Spitzenwerte nötig.
1Framerate der Grafikkarte beachten
2bei Widescreen- Diplays die kleinere Bildfläche beachten
Wie gut die Bild-Qualität des Monitors ausfällt und ob Pixelfehler vorhanden sind, lässt sich am besten beim Einzelhändler vergleichen. Online-Shops sind hingegen meistens preisgünstiger. Einige bieten gegen eine Gebühr an, den bestellten Bildschirm vor dem Versand auf Pixelfehler zu überprüfen. Sollte der Monitor dennoch nicht gefallen, kann er innerhalb von 14 Tagen zurückgegeben werden. Die Verbraucher sollten sich jedoch vor der Bestellung die AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) des Shops durchlesen.

(Saskia Brintrup)

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