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Ratgeber: Doppel-Flat per Kabel-Internet oder DSL?

Im Internet surfen und telefonieren per Flat: ist eher der Zugang per DSL oder per Kabel zu empfehlen? Wir haben Vor- und Nachteile beider Technologien zusammengestellt.

29.07.2009, 08:01 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Ein Internetzugang gehört für viele Bundesbürger inzwischen ebenso zum Standard wie ein Fernseh- oder Telefonanschluss. Um das weltweite Netz ohne Blick auf die Uhr nutzen zu können, empfiehlt sich eine Flatrate. Weit verbreitet und beliebt sind Doppel-Flatrates, die zum Pauschalpreis neben unbegrenztem Surfen im Internet auch kostenlose Telefonate in das deutsche Festnetz erlauben. Schnelle Breitbandzugänge können unter anderem über das dominierende DSL oder über das Kabelnetz realisiert werden. Diese DSL-Alternative erfreut sich einer steigenden Nachfrage. Onlinekosten.de hat sich die aktuellen Angebote angeschaut und gibt Tipps, was bei der Entscheidung für DSL oder Kabel zu beachten ist.
Übersicht
1. Die Qual der Wahl
2. Monatliche Kosten
3. Bandbreite und Laufzeit
4. Günstige Doppel-Flatrates
Die Qual der Wahl?
Trotz scheinbar verwirrender Vielfalt auf dem DSL-Markt geht die Anzahl der großen, eigenständigen Anbieter Schritt für Schritt zurück: So hatte zum Beispiel der Mobilfunknetzbetreiber Vodafone bereits im vergangenen Jahr den Festnetzanbieter Arcor komplett übernommen, 1&1 kauft die DSL-Sparte von freenet und auch Alice steht zum Verkauf. Anfang Juli zog sich außerdem die freenet-Tochter Strato aus dem DSL-Geschäft zurück.
Am Ende der Marktkonsolidierung werden also nur wenige, starke DSL-Anbieter übrigbleiben, die den Markt unter sich aufteilen. Nicht alle haben eine eigene Infrastruktur und sind daher auf die Durchleitung der Telekom oder die Netze anderer Betreiber angewiesen. Eigene schnelle Glasfasernetze befinden sich erst im Aufbau. Dem gegenüber stehen bundesweit drei große und mehrere kleinere Kabel-Anbieter, die ihre eigenen Netze modernisieren und fit für die Nutzung von Telefon und Internet per Kabel machen. Sie sind von vorneherein unabhängig vom Telefonnetz. Der Nachteil für Kunden: Meist gibt es vor Ort jeweils nur einen Kabelnetzbetreiber, eine Wahl zwischen mehreren Providern - wie bei DSL üblich - gibt es demnach nicht. Überlegungen zu einer Fusion von Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW zu einem großen nationalen Bereitsteller scheiterten bislang am Bundeskartellamt.
In den letzten Jahren haben sich Internetnutzer an stetig fallende Preise bei den Internettarifen gewöhnt. Die DSL-Anbieter, die inzwischen allesamt Komplettpakete ohne Telekomanschluss anbieten, sind nach etlichen Senkungen der monatlichen Grundgebühren inzwischen an der Schmerzgrenze angekommen.
Die monatlichen Grundgebühren
Günstige Pakete mit Doppel-Flatrate gibt es schon für knapp unter 20 Euro im Monat. Weitere Preissenkungen sind hier kaum noch machbar, da Provider ohne eigenes Netz noch eine monatliche TAL-Durchleitungsgebühr von 10,20 Euro an die Deutsche Telekom zahlen müssen. Der Trend geht hier eher zu mehr Service beziehungsweise zur Ausstattung der DSL-Pakete mit Zusatzfeatures wie Sicherheitssoftware oder Optionen für Mobilfunk und mobiles Internet. Die notwendige Hardware wie ein DSL-Modem oder ein WLAN-Router erhalten Neukunden meist kostenlos oder zu stark subventionierten Preisen.
Die Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW können in dem größten Teil ihrer Netze inzwischen neben digitalem Fernsehen auch Telefon sowie Internet anbieten. Preislich können die Kabelnetzprovider mit den DSL-Anbietern mithalten, Doppel-Flatrates starten ebenfalls bereits bei knapp unter 20 Euro. Zu beachten ist hier allerdings: Während Kunden von Kabel Deutschland und Unitymedia Telefon und Internet auch ohne TV-Kabelanschlussvertrag nutzen können, ist ein aktiver Kabelanschluss bei Kabel BW zwingende Voraussetzung. Als Einzeltarif kostet dieser noch einmal zusätzlich 16,95 Euro. Die Hardware, ein Kabel-Modem und einen WLAN-Router, gibt's ebenfalls entweder gratis obendrauf oder aber vergünstigt.
DSL-Internetzugänge werden in der Regel mit einer minimalen Bandbreite von ein bis zwei Megabit pro Sekunde (Mbit/s) angeboten, maximal können mit Standard-DSL Download-Geschwindigkeiten von bis zu 16 Mbit/s (DSL 16000) erreicht werden.
Wer bietet mehr Bandbreite?
Eine größere Surf-Geschwindigkeit bietet nur VDSL mit aktuell bis zu 50.000 Mbit/s (DSL 50000). In schlecht ausgebauten, ländlichen Regionen ist jedoch oft immer noch nur DSL Light mit bis zu 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) verfügbar. Die maximal nutzbare Bandbreite hängt unter anderem von der Entfernung zur nächsten DSL-Vermittlungsstelle ab. Daher können die Provider ihren Kunden nicht immer die Bandbreite bieten, die bei der Bestellung des DSL-Tarifs gewünscht wurde.
Ein Vorteil der Kabeltechnologie ist die derzeit schon realisierbare Schaltung von höheren Bandbreiten. Alle großen Kabelnetzanbieter bieten mit bis zu 32 Mbit/s die doppelte DSL-Geschwindigkeit. Im Sommer des vergangenen Jahres konnte Kabel Deutschland in Hamburg testweise sogar Downloadraten von bis zu 200 Mbit/s erzielen. Aktuell arbeiten die Kabelnetzprovider aber erst einmal an der Schaltung von 50 bis 100 Mbit/s. Erste Ausbauregionen sollen diese Geschwindigkeiten bereits ab dem Sommer nutzen können. So hat etwa Kabel BW CleverKabel 100 Anfang Juli in drei Regionen gestartet.
Doch nicht immer sind die von den Kunden gebuchten Bandbreiten in der Praxis auch erreichbar. In unserem Forum häufen sich etwa Beschwerden zu Bandbreitenschwankungen bei Kabel Deutschland. Ist die Nachfrage - etwa in einem Ballungsgebiet - besonders groß, ist die Aufrüstung des Netzes mit neuen, zusätzlichen Verteilern erforderlich, damit die bestellte Bandbreite auch weiterhin sichergestellt werden kann. Sowohl DSL-Anbieter als auch Kabelnetzprovider sichern sich juristisch aber mit dem kleinen Zusatz "bis zu" ab und wollen keine bestimmten Bandbreiten garantieren.
Nur wenige Internetanbieter bieten flexible, kurze Laufzeiten an. Der Großteil der Provider setzt auf Laufzeiten zwischen zwölf bis 24 Monaten.
Langfristverträge sind die Regel
Bei den DSL-Internetanbietern Congstar und Alice sind jedoch ebenso wie bei NetCologne auf Wunsch auch Verträge ohne Mindestvertragslaufzeiten buchbar. Kunden, die sich für diese Variante entscheiden, müssen dafür aber auf Neukundenkonditionen wie Gratismonate oder Rabatte verzichten. Bei den Kabelnetzbetreibern Kabel Deutschland und Unitymedia beträgt die Mindestvertragslaufzeit standardmäßig zwölf Monate. Kabel BW bietet dagegen nur Verträge mit einer Laufzeit von mindestens 24 Monaten an. Hinsichtlich der Qualität des Services gibt es sowohl von Kunden der DSL-Provider als auch von solchen der Kabelnetzanbieter etliche Reklamationen im Forum von onlinekosten.de. Bemängelt werden etwa teure Hotlines, zu lange Bearbeitungszeiten bei Problemen oder falsche Rechnungsstellungen. Hier besteht bei den meisten Anbietern noch Verbesserungsbedarf.
DSL ist derzeit noch die weitverbreiteste Breitband-Technologie, doch der Marktanteil sinkt. Alternative Technologien wie Internet über Kabel holen auf.
Fazit:
Kabel punktet gegenüber DSL
Zu attraktiven Preisen bieten die Kabelnetzbetreiber aktuell meist höhere Bandbreiten als die DSL-Anbieter. Erst wenn die schnellen Glasfasernetze weitflächig ausgebaut sind, können auch die DSL-Provider in großem Stil mit Highspeed-Surfgeschwindigkeiten aufwarten. Dennoch müssen die Kabelnetzprovider aufpassen, dass sie nicht Opfer ihres eigenen Erfolges werden und die Netze bei starker Nachfrage entsprechend aufrüsten.
Im Folgenden hat unsere Redaktion jeweils einige günstige Doppel-Flatrates per DSL sowie Kabel herausgegriffen. Diese eignen sich für Internet-Einsteiger und Normalsurfer. Alle Anbieter haben darüber hinaus auch Komfort-Pakete mit jeweils der maximal nutzbaren Bandbreite im Programm. Hier fallen monatlich durchschnittlich Gebühren zwischen 30 und 50 Euro an. Diese und andere aktuelle Breitband-Tarife lassen sich auch über unseren Breitband-Tarifrechner finden.

(Jörg Schamberg)

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