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Ratgeber: Daten nach dem Crash bergen

Murphys Gesetz besagt, dass Daten-Crashs immer dann auftreten, wenn gerade kein Backup zur Hand ist. onlinekosten.de zeigt, wie sich die Daten trotzdem retten lassen.

17.01.2007, 10:38 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Sie liegen auf alten Festplatten, maroden Speicherkarten oder anfälligen gebrannten CDs, doch fast immer sind sie Gold wert: Daten, die im Lauf der Computer-Nutzung angefallen sind. Doch was tun, wenn diese Daten tatsächlich einmal verloren gehen? Die Redaktion legt Ihre Daten an die Kette.
Gründe für Datenverlust
Ist der Daten-GAU erst einmal eingetreten, ist guter Rat teuer. Im Grunde gibt es nur drei Ursachen für einen Datenverlust: ein Hardware-Defekt in Form eines defekten Datenträgers, ein Software-Problem, etwa verursacht durch ein Computervirus oder den Datenverlust durch fehlerhaftes Benutzerverhalten, wie unvorsichtige Lösch-Aktionen.
Professionelle Retter
Im Fall eines Hardware-Defekts gibt es nicht mehr viel zu retten. Tritt ein Hardware-Defekt ein und lässt sich die Festplatte nicht mehr lesen, hilft nur noch der Weg zum professionellen Datenretter. Eine defekte Festplatte erkennen Sie daran, dass sie seltsame Geräusche macht oder den Zugriff komplett verweigert – auch von einer Start-Diskette oder der Windows-CD aus.
In einem solchen Fall sollte der Nutzer keinen Versuch der Selbstrettung unternehmen. Dies kann die Daten nur unnötig zerstören. Eine Möglichkeit, eine defekte Festplatte zu erkennen, stellt das Starten von der Windows-CD dar. Erkennt die Installationsroutine die Festplatte nicht oder als neuen Datenträger, der partitioniert werden muss, ist der Kampf verloren. Jeder Versuch der Datenrettung per Software wird fehlschlagen.
Teure Rettungsdienste
Die teuren Datenrettungs-Dienste eignen sich nur für wirklich wichtige Daten, wie Unternehmensdaten. So kostet eine Datenrettung bei RSE Data Recovery um die 800 Euro, plus 75 Euro für die "Diagnose". Eine Investition, die sich für Privatanwender kaum lohnt. In solchen Fällen hilft es nur, für die Zukunft zu lernen und immer ein Backup zur Hand zu haben. Ganz anders ist die Situation, wenn ein Software-Fehler vorliegt. Windows 2000 und XP sind zuverlässige Betriebssysteme, doch Viren, fehlerhafte Programme oder unvorsichtige Lösch-Aktionen können auch moderne Windows-Versionen in die Knie zwingen. Macht Windows dicht und startet mit einem Bluescreen, dann sollte zuallererst versucht werden, in den abgesicherten Modus zu booten. Dieser kann aufgerufen werden, indem bei der Meldung "Windows wird gestartet" die F8-Taste gedrückt wird.
Rettungs-Linux
Startet Windows mit dem abgesicherten Modus, ist nichts verloren. In einigen Fällen lässt sich die problematische Software ganz einfach über die Software-Installation der Systemsteuerung zu entfernen. Sollte das nicht funktionieren, kann der Nutzer sich an einer manuellen Reparatur versuchen, allerdings gestaltet sich das mangels Log-Dateien und überschriebener Dateien oft schwierig.
Statt sich also mit dem Innenleben von Windows zu befassen, sollte der Nutzer zur externen Lösung greifen und für solche Fälle eine Live-CD bereit halten, von der aus sich ein Rettungssystem starten lässt. Für solche Zwecke hat sich etwa die Linux-Distribution Knoppix bewährt. Das System lässt sich an Windows vorbei von CD starten und erkennt zuverlässig alle Hardware-Komponenten, also auch CD-Brenner und weitere Festplatten.
Versehentliches Löschen
Auf diese Weise erlaubt Knoppix es, Daten durch einfaches Kopieren aus einem defekten Windows-System zu bergen. Externe Festplatten eignen sich für diesen Zweck hervorragend, doch auch CD- und DVD-Brenner können mit Knoppix genutzt werden. Am sinnvollsten ist bei einer zerschossenen Windows-Partition jedoch eine zweite interne Festplatte, auf der ein Rettungssystem die Daten speichern kann. Doch es ist nicht immer das defekte Windows, das Datenverlust verursacht. Nicht selten werden Daten einfach gelöscht, beispielsweise von einem Schadprogramm oder bei einer unbedarften Löschaktion. In solchen Fällen hilft nur, Ruhe zu bewahren, denn jeder Festplatten-Zugriff kann die Daten jetzt überschreiben und endgültig vernichten.
Vorsicht vor Swap-Datei
Der Grund dafür ist das Dateisystem, egal ob unter Windows, Linux oder Mac OS X: Um einen Löschvorgang nicht unnötig zu verlangsamen, markieren die Betriebssysteme gelöschte Dateien nur als "überschreibbar" und nehmen sie aus dem Index des Dateisystems heraus. Damit sind die Daten auf der Festplatte noch vorhanden, die Stelle, auf der sie auf der Festplatte lagen, hingegen ist als "frei" markiert. So lange das Betriebssystem dort keine neuen Daten ablegt, sind die Daten noch vollständig vorhanden. Nun gibt es jedoch zwei Probleme: Moderne Betriebssysteme sind ständig mit der Festplatte beschäftigt, um Daten aus dem Arbeitsspeicher auszulagern. Unter Windows lässt sich ein fester Bereich für diesen so genannten virtuellen Arbeitsspeicher definieren, indem für die minimale und maximale Größe einfach der gleiche Wert eingegeben wird, etwa das Doppelte des echten RAMs. Systemsteuerung –> System -> Systemleistungs-Optionen -> virtueller Speicher.
Tools für die Rettung
Unter Unix-Systemen, wie Linux oder Mac OS X, hingegen lässt sich die Nutzung des virtuellen Speichers kaum einschränken, zudem sind virtuelle Speicherbereiche für eine reibungslose und zuverlässige Funktion nötig. Hier besteht – genau wie bei einem Windows ohne fest definierten Swap-Bereich – die Gefahr, dass das System die gelöschte Datei mit einer Auslagerungsdatei überschreibt. Deshalb sollte vom Öffnen von Programmen, dem Einsatz von Programmen mit viel Festplatten-Zugriff und einem Neustart erst einmal Abstand genommen werden.
Stattdessen sollte ein Tool wie PC Inspektor File Recovery eingesetzt werden. Das Programm ist Freeware und rettet Dateien in allen Windows-Versionen seit Windows 98. Das entsprechende Tool für Linux heißt Recover. Macuser müssen hingegen tief in die Tasche greifen: Dort gibt es keine kostenlose Option zur Datenrettung. Tools wie Date Rescue II sind jedoch ab rund 100 Euro zu haben. Für die schnelle Wiederherstellung einer Datei reicht jedoch auch meist die kostenlose Trial-Version.
Kratzer und andere Schwierigkeiten
Doch es sind nicht immer nur die Festplatten, die Probleme machen. So gibt es auch andere Datenträger, die wichtige Daten enthalten können, deren Verlust ebenfalls ärgerlich ist. Speicherkarten aus Digitalkameras vergessen hin und wieder die Fotos des vierwöchigen Urlaubs, optische Datenträger wie CDs und DVDs bekommen Kratzer oder sind von heute auf Morgen nicht mehr lesbar.
Bei Speicherkarten und USB-Sticks gestaltet sich die Datenrettung recht einfach: In der Regel sind Schreibfehler der Kamera oder des Systems für Probleme verantwortlich. Speicherkarten sind mechanisch robust und können eigentlich nur durch Zerbrechen oder Kurzschluss wirklich zerstört werden. Insofern ist fast immer ein Software-Fehler für den scheinbaren Datenverlust verantwortlich. Grundsätzlich ist bei Speicherkarten und USB-Sticks keine derartige Vorsicht angebracht wie bei Festplatten. Dennoch sollte auch hier nichts überstürzt werden. Kostenlose Programme zur Datenrettung auf Speicherkarten gibt es jedoch wie Sand am Meer: Auch in diesem Bereich leistet Convar zuverlässige Dienste mit dem Tool PC Inspector Smart Recovery.
Daten von Flash-Speicher retten
Mac-Anwender können zur Datenrettung auf den kostenlosen Exif Untrasher zurückgreifen. Linux-User greifen auch hier zum Schweizer Messer Recover. Ganz anders verhält es sich bei defekten CDs und DVDs. Da sich diese Datenträger nicht beschreiben lassen, ist eine Reparatur kaum möglich.
Stattdessen muss analog wie digital repariert werden, zuallererst einmal über die Reinigung und Politur der CD. Dabei sollte beachtet werden, dass nur die Unterseite des Datenträgers poliert wird, die Oberseite einer gebrannten CD-R ist sehr empfindlich. DVDs hingegen weniger. Dennoch: Die Unterseite ist die, auf der die Daten gelesen werden.
Reinigen und polieren
Zur Politur können spezielle Kunststoff-Politur-Sets benutzt werden, diese gibt es im IT-Fachhandel. Sie bestehen in der Regel aus einem Politurtuch, einer Politurpaste und feinem Schleifpapier. Auf diese Weise lassen sich auch grobe Kratzer aus dem Datenträger entfernen. Kleine Kratzer sind in der Regel auch kein Problem für die Fehlerkorrektur eines optischen Laufwerks.
Ist der Datenträger so defekt, dass das DVD- oder CD-Laufwerk sich weigert, ihn zu lesen, kann die Geschwindigkeit mit einem Tool wie der CD-Bremse heruntergeregelt werden. Dadurch kann die Leistungsfähigkeit der Fehlerkorrektur verbessert werden. Zudem können dadurch Laufwerke überzeugt werden, einen Datenträger anzunehmen, der zuvor nicht gelesen wurde. Hilft auch das nichts, ist ein optischer Datenträger möglicherweise noch in einem anderen Laufwerk lesbar.
Besser mit Backup!
Versagt auch diese Option, hilft alles nichts: Die DVD ist nicht mehr zu gebrauchen. Wegwerfen der kostbaren Daten ist angesagt. Das gleiche gilt im Übrigen auch für vollständig defekte Speicherkarten, USB-Sticks und Festplatten. Deshalb sollte grundsätzlich alles doppelt geführt werden und stets ein aktuelles Backup vorhanden sein. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass beide Datensätze gleichzeitig den Geist aufgeben.
Insofern ist und bleibt der rechtzeitige Einsatz eines Backups die wichtigste Option zur Datenrettung. Müssen die Daten erst in einer Notoperation von einem defekten Datenträger geborgen werden, ist es eigentlich schon zu spät.

(Christian Rentrop)

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