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Ratgeber: Augen auf beim TFT-Kauf

Vor der Entscheidung für einen neuen TFT-Monitor stehen entscheidene Fragen. Wir liefern die Antworten und erklären, worauf beim Kauf zu achten ist.

07.05.2005, 08:54 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Sie sind nicht mehr aufzuhalten. TFT-Monitore verdrängen die klassischen Röhrenkisten immer mehr, und sie werden billiger. Der allgemeine Preisverfall lockt gerade jetzt viele Anwender, den großen CRT-Klotz vom Schreibtisch zu verbannen. Doch vor dem Kauf stehen entscheidene Fragen. Taugt das Display für schnelle 3D-Spiele? Kann man auch mal einen DVD-Film mit Freunden anschauen? Welche Anschlüsse sollte der Monitor haben? Und wie funktioniert eigentlich so ein TFT-Monitor? Wir liefern die Antworten.
Reaktionsschnell
Ein TFT-Display besteht aus zigtausenden Pixeln. Für jedes Pixel sorgen Flüssigkeitskristalle, die bei einem Farbwechsel ihre Position ändern und die gewünschten Farben darstellen. Dabei spielt die Reaktionszeit der Kristalle eine wesentliche Rolle. Reagieren sie zu langsam, tritt ein "Schliereneffekt" auf: Schnelle Bewegungen verwischen, ein langer Ball beim Fußballspielen sieht dann aus wie der Stern von Bethlehem.
Die meisten TFT-Monitore haben eine Reaktionszeit von unter 25 Millisekunden (ms). Das heißt, die Kristalle benötigen weniger als 25ms zur Neuanordnung für die Farbdarstellung. Die Reaktionszeit ist besonders für Freunde von schnellen Computerspielen interessant, aber auch für die Wiedergabe von DVD-Filmen maßgeblich. Die Angaben des Herstellers sollten genau studiert werden. Nicht selten beziehen sich die angegebenen Reaktionszeiten auf einen direkten Wechsel zwischen den Farben Schwarz und Weiß. Da solche Wechsel in der Praxis eher selten sind, ist die Aussagekraft dieses Wertes begrenzt.
Die mitunter auch angegebenen Zeiten für einen Wechsel von Grau zu Grau sind praxisnäher und eher als Richtwert geeignet. Dabei muss aber die Messmethode beachtet werden, es wird der einfache Wechsel von Grau zu Grau berechnet. Als Faustformel lässt sich der doppelte Grau-zu-Grau-Wert zum Vergleich heranziehen. Grundsätzlich dürfte für Spieler und Cineasten ein Wert bis 16 Millisekunden (Grau zu Grau 8ms) ausreichen. Für reine Office-Anwendungen sind längere Reaktionszeiten bis zu 25 Millisekunden akzeptabel.
Kontrastprogramm
Der Kontrastwert bezeichnet den Helligkeitsunterschied bei der Wiedergabe einer weißen und einer schwarzen Fläche auf dem Bildschirm. Der Kontrast wird bei TFTs als das Verhältnis eines schwarzen Punktes zu einem weißen Punkt (Maximalkontrast) angegeben. Auch hier werden die Farben nicht berücksichtigt. Leider laufen bei vielen Händlern zwar nett anzusehende 3D-Demos, den eigentlichen Kontrast kann man aber nur anhand eines schwarz-weißen Bildes erkennen. Wenn der schwarze Balken des Testbilds eher ins gräuliche geht, muss man davon ausgehen, dass der Kontrast nicht optimal eingestellt ist, im schlimmsten Fall kann man das nicht manuell korrigieren. Beim Vergleich sollte man schon darauf achten, dass der Wert nicht unter 400:1 angegeben wird. Je höher das Verhältnis, desto besser ist das Display auch für helles Umgebungslicht geeignet.
Ebenso wichtig wie ein gutes Kontrastverhältnis ist die gleichmäßige Ausleuchtung der Bildfläche. Die Helligkeit ist die abgegebene Lichtleistung auf einer bestimmten Fläche und auch hier sind die TFT-Displays den Röhrengeräten überlegen. Herkömmliche Monitore schaffen ca. 80 bis 100 cd/m2 (Candela pro Quadratmeter). Bei TFT-Displays sind Werte ab 200 cd/m2 akzeptabel. Nur veraltete Modelle unterschreiten diesen Wert noch. Besonders sollte man auf die Ränder der TFT-Monitore achten. Hier kann man schnell erkennen, ob die Hintergrundbeleuchtung auch wirklich den ganzen Bildschirm ausleuchtet.
Anschluss verpasst?
TFT-Monitore gibt es mit drei verschiedenen Anschlüssen. Zuerst sei der noch weit verbreitete, analoge D-Sub Anschluss genannt. Im digitalen Bereich unterscheidet man zwischen einem DVI-D und einem DVI-I Anschluss. Es gibt zwar noch einen DVI-A Anschluss, dieser ist aber kaum in Gebrauch. Der Unterschied zwischen dem DVI-D und dem DVI-I liegt in der Signalübertragung. Während der DVI-D nur rein digitale Signale überträgt, kann man über den DVI-I Anschluss zusätzlich Signale auch auf analogem Weg an den TFT senden. Das hat den Vorteil, dass der TFT-Monitor mit DVI-I-Anschluss auch an der D-Sub-Buchse einer alten Grafikkarte betreiben kann - ein entsprechender Adapter vorausgesetzt.
Dieser vermeintliche Vorteil birgt aber auch eine Schwäche in sich. Das digitale Signal einer Grafikkarte wird erst analog umgewandelt und über den D-Sub Anschluss ausgegeben. Der TFT-Monitor, der mittels Adapter angeschlossen ist muss nun dieses Signal wieder in ein digitales umsetzen. Der daraus resultierende Qualitätsverlust kann sich, je nach Verwendung des Monitors, negativ auswirken.
Ansichtssache
Wer den neuen TFT im Kreis seiner Freunde präsentieren möchte - zum Beispiel mit einem gemeinsamen DVD-Abend - stößt nicht selten auf die nächste Eigenheit der Flachbildschirme. Wer im schrägen Winkel zur Bildschirmfläche sitzt, kann das Bild nur schlecht erkennen. Nur mehr oder weniger direkt vor dem Monitor ist das Bild klar und scharf.
Der Blickwinkel ist ein wichtiges Kriterium, dass beim Kauf beachtet werden sollte. Der Wert wird in Gradzahlen jeweils für den horizontalen und den vertikalen Blickwinkel angegeben. Je größer dieser Wert ist, desto besser kann man ein Bild auch noch gut erkennen, selbst wenn man nicht direkt vor dem Monitor sitzt. Wem ein stabiler Blickwinkel wichtig ist, der sollte darauf achten, dass dieser größer als 140 Grad ist - und zwar vertikal ebenso wie horizontal.
Problempunkte
Selbst bei einem TFT-Neugerät kann es passieren, dass ein oder sogar mehrere Pixel fehlerhaft sind. So genannte Pixelfehler sind der Fertigung der Monitore fast nicht zu vermeiden. Nicht unbedingt sind kaputte Pixel sofort zu erkennen, manchmal stören sie nicht einmal. Wenn der defekte Pixel dauernd weiß leuchtet und dieser fast ausschließlich in einem weißen Hintergrundbild liegt, wird man ihn entweder nie oder erst sehr spät erkennen.
Ein Pixelfehler ist noch kein Grund zur Reklamation. Seit Anfang 2001 gibt es die ISO-Norm 13406-2, die unter anderem die zulässige Anzahl und Art der Pixelfehler in vier Klassen einstuft. Nur Geräte der Fehlerklasse I dürfen keine Fehler aufweisen. Diese Klasse ist allerdings ziemlich selten auf dem Markt und hat natürlich auch ihren Preis.
Erst testen, dann kaufen
Am besten ist es immer noch, sich den TFT-Monitor bei einem Fachhändler vor Ort zu holen. Dort kann man ihn unter den verschiedenen Gesichtspunkten testen und bleibt so vor bösen Überraschungen verschont. Einziger Vorteil des Versandhändlers: Hier kann die Ware in der Regel ohne Angaben von Gründen umgetauscht werden. Nützlich ist auch ein Monitor-Testprogramm wie das kostenlose Freewaretool Screen Test v. 1.0. Mit diesem kann man unter anderem Pixelfehler leicht erkennen und auch die horizontale und vertikale Ausrichtung des Bildschirmes überprüfen.

(Holger Dankelmann)

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