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Ratgeber: Anonym im Internet

Anonym im Internet - ein Schlagwort, das nicht nur Freunde illegaler Betätigung interessiert. Doch welche Möglichkeiten gibt es? Und gibt es sie wirklich, die Anonymität im Netz?

18.01.2007, 12:36 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Bei jedem Besuch im Internet hinterlassen Anwender eine breite Datenspur im Netz. Daten, die nicht nur für viele lesbar, sondern auch interessant sein können. So zum Beispiel für Ermittlungsbehörden, die Raubkopierer jagen oder für Cyber-Kriminelle, die diese Daten verkaufen. Der folgende Ratgeber hilft die Datenspur möglichst kurz zu halten.
Woher kommen Datenspuren?
Zum Teil sind sie unvermeidbar, zum Beispiel als IP-Adressen. Diese braucht jeder Internet-Teilnehmer, damit Daten zwischen zwei Rechnern über das Internet verschickt werden können. Diese Adressen sind keinesfalls anonym, sondern werden bei der Einwahl vom Provider vergeben und gespeichert. Dadurch lässt sich zu jeder IP-Adresse letzten Endes auch eine Person zuordnen.
Auf Datenspuren-Suche
Ebenfalls kaum vermeidbar: Das Mitteilungsbedürfnis vieler Webbrowser. Da klärt ein Internet-Explorer oder ein Firefox jeden Webserver, der danach fragt, über seine Versionsnummer und seine Spracheinstellungen auf. Informationen, mit deren Hilfe sich zum Beispiel Angriffe auf einen Webbrowser und damit einen Computer durchführen lassen.
Zu guter letzt sind da noch die Cookies - kleine Text-Dateien, die von Websites vergeben werden, um den Wiedererkennungswert eines Computers zu erhöhen. Wie der Stempel, der Disko-Besuchern den Widereinlass erlaubt, sind Cookies das Erkennungsmerkmal einer Website. Und noch eine Gemeinsamkeit: Sowohl Cookies, als auch Disko-Stempel gehen erst nach einer gewissen Zeit wieder ab.
Zuerst eine gute Nachricht: Die gröbsten Anonymitätsschnitzer lassen sich beheben oder umgehen. Die schlechte Nachricht: Völlige Anonymität im Web ist schlicht und ergreifend unmöglich, solange man sich keiner kriminellen Machenschaften wie gestohlenen Identitäten bedient. Die Cookie-Problematik ist mit weniger Mausklicks zu beheben. Alle modernen Webbrowser verfügen über eine Option, die Annahme von Cookies zu unterbinden. Allerdings sollte diese vorsichtig genutzt werden, da ohne Cookies viele Websites nicht richtig funktionieren. Besser: Die Cookies manuell annehmen oder ablehnen sowie löschen.
Die Sache mit dem Proxy
Den Plaudertaschen Firefox, Internet Explorer und Co. lässt sich hingegen nicht so leicht der Mund verbieten. Genauso schwer ist es, die eigene IP-Adresse zu verstecken. Doch es gibt Mittel und Wege, sowohl die eigene IP-Adresse, als auch die Browserkennung zu verbergen.
Die wohl bekannteste und effizienteste Lösung ist die Nutzung eines Proxy-Servers. Zahlreiche Dienstleister im Netz bieten entsprechende Lösungen an, zudem gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl anonymer Proxy-Server.
Anonymisierung als Nebeneffekt
Die Anonymisierung ist eigentlich nur ein Nebeneffekt der Proxys, die ursprünglich genutzt wurden, um das seinerzeit sehr langsame Internet zu beschleunigen. In Zeiten Breitband-Anschlüssen ist der Effekt hingegen eher nachteilig: Das Web wird langsamer. Daher ist der Hauptzweck inzwischen der Anonymisierung gewichen.
Ein Proxy-Server ist ein Server, der zwischen PC und Webserver geschaltet wird. Wie ein Bote überbringt er die Nachrichten zwischen den beiden Kommunikationspartnern und gibt dabei nur seine eigenen Daten preis. Dadurch wirkt der Proxy anonymisierend, kann doch der Webserver nur noch Informationen über den Proxy abfragen, nicht jedoch über den Rechner, der den Proxy beauftragt hat. JAP der Universität Dresden ist einer dieser Dienste. Die Vorteile dieser Lösung liegen auf der Hand: Mit Hilfe eines Proxy-Servers oder -Dienstes lässt sich der Internet-Verkehr anonymisieren. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis gibt es gleich zwei schwerwiegende Probleme.
So ist der Proxy einerseits meist langsamer als die direkte Verbindung, weil er in der Regel nicht nur für einen, sondern für eine große Anzahl Nutzer tätig ist. So hängt die Geschwindigkeit eines Proxys letzten Endes von der Bandbreite, der Rechenleistung und der Zahl der Benutzer des Proxys ab.
Überwachung möglich
Zusätzlich müssen Proxy-Dienste ihre eigenen Log-Dateien in möglichst kurzen Abständen löschen. Fehlt diese Löschung der Verbindungsdaten, kann gegebenenfalls auf die Nutzer des Proxys geschlossen werden. Und noch schlimmer: Wird der Proxy kontinuierlich überwacht, erlaubt er eine gebündelte Überwachung der angeschlossenen Nutzer.
Besser ist also die Nutzung eines anonymisierenden Netzwerks wie zum Beispiel Tor. Tor erlaubt es, Datenpakete über den Umweg mehrere anderer Rechner zu verschicken, wodurch Start- und Zielrechner niemals eine direkte Verbindung haben. Das Netzwerk fungiert als Proxy, die umgeleiteten Daten werden unterwegs verschlüsselt. Der Vorteil dieser Lösung: Da jeder Rechner gleichzeitig Sender, Empfänger und Proxy ist, ist sie wesentlich schneller als klassische Proxy-Server.
Einen Nachteil gibt es immer
Doch auch Tor hat einen Nachteil: Der Rechner, der der letzte in der Kette ist, muss zwangsläufig seine Daten preisgeben. Dadurch wird der schwarze Peter fehlender Anonymität nicht aus dem Netz genommen, sondern an ein beliebiges Mitglied des Dienstes weitergereicht. Schaut sich jetzt ein Tor-Nutzer illegale Inhalte, zum Beispiel eine Kinderpornographie-Website an, kann möglicherweise ein beliebiger anderer Anwender in Haftung genommen werden. Aufgrund des Prinzips des Netzes kann das jeden Anwender treffen. Zumindest schützt die Verschlüsselung vor gröbsten Patzern dieser Art.
Proxy-Lösungen wenig sinnvoll
Übrigens: Kommerzielle Sicherheitslösungen wie Steganos Internet Anonym stellen auch nichts weiter als einen Proxy-Server zur Verfügung. Wer die Funktionalität eines Proxys testen möchte, kann das unter anderem bei der kostenlosen Anonymouse erledigen.
Der Unterschied zwischen kommerziellen und kostenlosen Diensten ist schnell erklärt: Während die kommerziellen Dienste Abonnement-Modelle für die Proxy-Nutzung anbieten, was im Zweifelsfall überaus teuer werden kann, sind die kostenlosen Dienste meist extrem langsam.
Fazit: Die Anonymität ist eine Illusion
Der Anwender hat also die Wahl zwischen langsamen und teuren Diensten. Und die sind obendrein noch wenig wirkungsvoll: Der Proxy-Server unterliegt der Rechtssprechung des Landes, in dem er steht, weshalb die Ermittlungsbehörden gegebenenfalls eine Herausgabe von Daten oder eine Überwachung anordnen können.
So können sich Anwender also niemals auf die Anonymität verlassen. Statt sich mit wenig sinnvollen Anonymisierungs-Tools auseinanderzusetzen, sollten sie lieber darauf achten, dass Ihr Rechner den neuesten Sicherheitsstandards entspricht und dass sie keine rechtlich bedenklichen Dienste oder Websites aufrufen, zum Beispiel Tauschbörsen oder Kinderporno-Websites.

(Christian Rentrop)

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