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Rassismus in Social Networks: Wegklicken reicht nicht

Sie kommen mit Witzen und Späßchen, und erst auf den zweiten Blick zeigt sich die menschenverachtende Propaganda. Unter dem Deckmantel des Humors erreichen Rechtsextreme online immer mehr deutsche Jugendliche. Bevor sie merken, dass sie benutzt werden, verbreiten sie die Parolen in Windeseile durch "Mögen" und "Teilen" im Internet.

12.08.2014, 17:32 Uhr (Quelle: DPA)
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Deutsche Rechtsextreme verbreiten ihre Propaganda immer gezielter in Facebook & Co. Neonazis erzielten vor allem mit rassistischem Humor eine große Reichweite bei Jugendlichen, schrieb die Organisation Jugendschutz.net in ihrem Jahresbericht "Rechtsextremismus Online". "Einerseits werden Jugendliche geködert mit modernen, poppigen, fetzigen Kampagnen bei Facebook, YouTube und Co. Und gleichzeitig erleben wir, dass es immer mehr blanken Hass gibt", sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

Glaser: "Der Hass bricht sich Bahn"

Neben geschmacklosen Witzen würden vor allem extremistische Parolen zu aktuellen Themen wie dem Gaza-Krieg im Internet tausendfach - und häufig unbedacht - mit einem "Like"-Button gelobt oder geteilt, sagte Stefan Glaser von Jugendschutz.net. "Das Social Net führt dazu, dass sich solche Inhalte schneeballartig verbreiten." Damit könnten rassistische Botschaften auch Jugendliche außerhalb des rechtsextremen Spektrums erreichen.

"Der zweite Trend ist, dass wir feststellen, dass sich offener Hass immer häufiger Bahn bricht", sagte Glaser. Unverschleierte und grausame Bilder, Videos oder Texte in Netzwerken und auf Websites stießen auf enorme Zustimmung - so zum Beispiel offene Hetze gegen Sinti und Roma sowie Gewaltvideos gegen Homosexuelle. Laut Bericht stieg die Gesamtzahl der gesetzeswidrigen Botschaften 2013 auf einen neuen Höchststand von 1.842. Im Jahr 2012 waren es noch 1.673 Fälle.

Server im Ausland kaum kontrollierbar

Ein großes Problem bei der Strafverfolgung und Löschung der Inhalte ist, dass ein Großteil auf ausländischen Servern lagert. Zwar laufe die Zusammenarbeit mit Plattformen wie YouTube, Facebook und Twitter gut und gemeldete Einträge würden schnell gelöscht oder zumindest in Deutschland gesperrt. Rechtsextreme in anderen Netzwerken müssten dagegen kaum Konsequenzen für Hetze befürchten, beklagte Glaser.

"Ich fordere alle Provider auf, die gesetzlichen Möglichkeiten zu nutzen", sagte Ministerin Schwesig, die die unverzügliche Löschung von fremdenfeindlichen Einträgen verlangte. Es sei jeder Einzelne aufgefordert, sich Hassbotschaften im Internet entgegen zu stellen und diese zu melden. Wegklicken reiche nicht.

(Dorothee Monreal)

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