News

Rache für Megaupload - Hacker attackieren das FBI

Der Kampf gegen Raubkopien im Internet erreicht einen neuen Höhepunkt: US-Behörden machen die Datentausch-Plattform Megaupload dicht, Netzaktivisten schlagen zurück.

20.01.2012, 08:42 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Schlagabtausch im Netz: Nachdem die US-Behörden die Datentausch-Plattform Megaupload dichtgemacht haben, haben Netzaktivisten für Stunden die Websites von FBI und Justizministerium lahmgelegt. Am frühen Freitagmorgen deutscher Zeit waren die Seiten wieder zu erreichen. Die ebenfalls angegriffenen Internet-Seiten des amerikanischen Musikindustrie-Verbandes RIAA und des Musik-Marktführers Universal Music Group waren hingegen immer noch offline.

Netzaktivisten schlagen zurück

Die US-Behörden werfen der geschlossenen Megaupload-Plattform massive Urheberrechtsverletzungen vor. Sieben Verdächtige wurden angeklagt, darunter auch mehrere deutsche Staatsbürger. Deutsche sind auch unter den vier in Neuseeland festgenommenen Beschuldigten, wie die amerikanischen und lokalen Behörden mitteilten. Einen von ihnen ist der Gründer: Der aus Deutschland stammende bekannte Internet-Unternehmer hieß früher Kim Schmitz, änderte seinen Namen aber inzwischen in Kim Dotcom. "Auch bekannt als Kim Tim Jim Vestor", zählte das Justizministerium auf. Der 37-Jährige mit deutscher und finnischer Staatsbürgerschaft lebte demnach zuletzt in Hongkong und Neuseeland.

Nachdem die US-Behörden am späten Donnerstag den Schlag gegen Megaupload meldeten, schwor die berüchtigte Hackergruppe Anonymous Vergeltung. "Anonymous geht auf Rachefeldzug für Megaupload", erklärten die Hacker per Kurznachrichtendienst Twitter. Sie drohte, unter anderem die Website der Bundespolizei FBI und des Justizministeriums vom Netz zu nehmen - und tatsächlich waren die Adressen Minuten später eingeschränkt zu erreichen. Anonymous dürfte dabei zu sogenannten DDOS-Attacken gegriffen haben, bei denen ein Webserver mit Daten-Anfragen überhäuft wird, bis er unter dieser Last in die Knie geht.

Kim Schmitz kommt nicht frei

Die neuseeländische Polizei nahm die drei Deutschen und einen Niederländer auf FBI-Ersuchen fest. In Coateville nördlich von Auckland durchsuchten 70 Beamte ein Anwesen von Schmitz, wie die Polizei mitteilte. "Wir haben nichts zu verbergen", sagte der 37-Jährige nach Angaben von Reportern im Gericht. Er und die anderen Angeklagten wehrten sich nicht gegen Fotos und Videoaufnahmen. Megaupload hatte in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe zurückgewiesen, das Angebot diene vor allem dem illegalen Austausch von geschützten Inhalten. Rechteinhaber hätte die Möglichkeit, Verstöße gegen das Urheberrecht zu melden und die fraglichen Dateien löschen zu lassen.

Der Richter am North Shore District-Gericht lehnte eine Freilassung der Festgenommenen gegen Kaution ab. Die vier sollen Montag erneut vor Gericht erscheinen. Die USA haben die Auslieferung der Männer beantragt. Die neuseeländische Justiz selbst hat keine Anklage erhoben.

Auf dem Anwesen bei Auckland wurden nach Angaben der Polizei Wertgegenstände und Geld im Gesamtwert von sechs Millionen neuseeländischen Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro) sichergestellt. Darunter waren ein Rolls Royce Phantom sowie mehrere Gemälde. Bodyguards hätten den Beamten am frühen Morgen zunächst den Zutritt zu dem Anwesen verwehrt, teilte die Polizei mit. Auf den Gelände seien zwei Gewehre sichergestellt worden.

Proteste gegen Netzsperren in den USA

Der Kampf gegen Raubkopien im Netz ist gerade ein heiß diskutiertes Thema in den USA. Gerade erst am Mittwoch gab es eine große Internet-Protestaktion gegen neue Gesetzespläne, die unter anderem die Sperrung von Webseiten erlauben sollen. Kritiker dieser Pläne warnen, dass damit eine Zensur-Infrastruktur geschaffen werde, die auch in anderen Fällen zum Einsatz kommen könnte. Aus Protest war unter anderem das englischsprachige Online-Lexikon Wikipedia einen Tag lang nicht erreichbar.

Insofern ist der Zeitpunkt Razzia der US-Behörden interessant - denn jetzt schlugen FBI und Justizministerium auch auf Grundlage der heutigen Gesetze erfolgreich zu. Sie werfen den Megaupload-Betreibern vor, die Verbreitung von Raubkopien unterstützt zu haben. Der Anklage zufolge sollen sie ihnen bekannte Raubkopierer für das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte bezahlt haben. Unklar ist, was mit den Daten gewöhnlicher Megaupload-Nutzer passiert, die dort ihre Dateien gelagert haben.

Swizz Beatz offenbar auf freiem Fuß

Unterstützt wurde Megaupload zuletzt von mehreren bekannten Musikern. Zum Beispiel von Will.i.am und Alicia Keys. Ihr Ehemann, der Produzent Swizz Beatz, soll als Geschäftsführer von Megaupload fungieren, ist nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht verhaftet worden. Neben Megaupload wurde unter anderem auch das Portal Megavideo vom Netz genommen.

(Hayo Lücke)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang