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R-Gespräche auf dem Prüfstand

Der Bundesgerichtshof nimmt die Kosten für so genannte R-Gespräche, bei denen der Angerufene die Kosten für das Telefonat übernimmt, unter die Lupe.

10.02.2006, 10:35 Uhr
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Der Bundesgerichtshof (BGH) verkündet am 16. März, ob Telekomanbieter die enorm hohen Telefongebühren für so genannte R-Gespräche deutlicher benennen müssen als bisher. Bei diesem seit Herbst 2002 angebotenen Dienst bezahlt nicht der Anrufer die bis zu 60 Mal höheren Telefongebühren, sondern der Angerufene. Besonders Jugendliche fallen auf die als günstig oder sogar kostenlos beworbenen Angebote herein.
Warum so teuer?
In dem am Donnerstag in Karlsruhe verhandelten Fall forderte der Diensteanbieter 01058 Telecom für R-Gespräche eine Gebühr von 2,9 Cent je Sekunde. Ein 16-jähriges Mädchen, das von seinem Freund per R-Gespräch angerufen wurde, vertelefonierte so knapp 600 Euro innerhalb eines Monats. Die Mutter weigerte sich, die Kosten zu zahlen, und wurde daraufhin von 01058 Telecom verklagt. Sie könnte nun vor dem BGH Recht bekommen. "Was wirklich stört, ist der Preis", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Schlick. "Die Kosten sind 60 Mal so hoch wie bei einem normalen Telefongespräch. Man fragt sich, wofür."
Bei dem System der klagenden Firma wählt der Anrufer eine 0800-Nummer und die Nummer seines Zielanschlusses. Der Angerufene hört dann eine automatische Ansage, in der ihm mitgeteilt wird, dass er "nur 2,9 Cent je Sekunde" zahlen müsse, wenn er das R-Gespräch annehme. Um das zu tun, müsse er eine bestimmte Tastenkombination drücken.
Der Vorsitzende bezeichnete diese Ansage in Verbindung mit der Firmen-Werbung "umsonst telefonieren" als "gewissen Überrumpelungseffekt", weil das vorangestellte "nur" einen kostengünstigen Preis suggeriere. Der Anwalt der 01058 Telecom wies dies zurück: "Der Sekunden-Preis wird deutlich benannt, der Kunde weiß, was auf ihn zukommt", sagte Anwalt Peter Baukelmann.
Neue Regeln?
Nach Angaben von Verbraucherschützern bemüht sich die Bundesregierung derzeit im aktuellen Entwurf zur Telekommunikation-Nummerierungsverordnung, Regelungen für R-Gespräche zu finden. Vorgesehen sei unter anderem, dass sich Anschlussinhaber, die keine R-Gespräche annehmen wollen, in eine Sperrliste eintragen lassen können.

(Hayo Lücke)

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