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QTom: Interaktives Musikfernsehen im TV

Als erstes interaktives Musikfernsehen soll QTom sowohl am Computer als auch über Net-TV über drei einfache Drehregler das Erstellen eines personalisierten Musiksenders ermöglichen.

20.09.2009, 15:31 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Das allgemein zugängliche Musikfernsehen von heute ist von vielem geprägt: endlose Klingeltonwerbung, Shows für pubertierende Teens, Dauer-SMS-Einblendungen über den halben Bildschirm und einen Sendeplan, der auf den kleinsten gemeinsamen massenkompatiblen Nenner reduziert ist. Eine breitgefächerte Playlist mit mehr als drei Songs am Stück gehört nicht mehr dazu. Deshalb versuchen entsprechende Angebote im Internet, diese Lücke auszufüllen. Jetzt ist mit QTom ein Musiksender gestartet, der ein individualisierbares Musikprogramm kostenlos nicht nur auf den PC sondern auch ins Fernsehen bringt.
Individueller Musikkanal
Im vergangenen Mai berichtete onlinekosten.de über den Beta-Test der gelungenen Musikvideo-Plattform putpat.tv, die dem User auch das individuelle Einrichten eines persönlichen Musikkanals ermöglicht. Während dort noch weiter an der Entwicklung gebastelt wird, ging die QTom GmbH aus Hamburg mit ihrem Musikfernsehen pünktlich zur IFA Anfang September online. Und auch on TV. Denn QTom, vom Betreiber als erstes interaktives Musikfernsehen bezeichnet, soll dem Zuschauer erstmals die Möglichkeit geben, auf Fernsehgeräten seinen ganz eigenen Musiksender mitzugestalten. Über drei einfache Drehregler soll er das Programm wie mit einem Dimmer seinem individuellen Style und seiner Stimmung anpassen können. Ein Prinzip, das in ähnlicher Form bereits von einigen Webradios genutzt wird.
Für Fernseher konzipiert
QTom ist für den Fernseher konzipiert und im ersten Schritt auf allen Philips Net-TV Fernsehern frei zu empfangen - und natürlich über www.qtom.tv. Bei den speziell ausgestatteten TV-Geräten drückt der Zuschauer auf eine entsprechende Taste der Fernbedienung und es erscheint statt des Fernsehsignals die Online-Startseite des TVs mit verschiedenen Unterhaltungs- und Informationsangeboten. Philips arbeitete bereits mit einer Reihe von deutschen und europäischen Partnern wie YouTube, tagesschau.de, eBay.de, kino.de oder kicker.de zusammen und hat nun auch QTom.tv integriert.
Das schränkt die Verfügbarkeit des Angebots über IPTV derzeit allerdings noch stark ein. Doch wie Marketingmanager Lars Mardfeldt gegenüber onlinekosten.de erklärte, sei das Unternehmen aktuell mit verschiedenen TV-Herstellern, unter anderem Samsung, LG und Panasonic, im Gespräch. Bis Ende des Jahres soll es QTom auf weiteren Fernsehern und möglichst bald auch auf Spielekonsolen und Settop-Boxen geben.
Silverlight-Plugin benötigt
Um QTom am Computer schauen zu können, muss die Flash-Alternative Silverlight von Microsoft als Plugin im Browser installiert sein. Ein Registrierung ist beim kostenlosen QTom nicht notwendig, da kein "eigener" Musikkanal angelegt wird, sondern der vorhandene Programmablauf je nach aktuellem Befinden über die drei Q-me!-Regler "Classic-New", "Slow-Fast" und "Insider-Hits" beeinflusst wird. Durch drehen der sechsstufigen Regler nach links oder rechts, ändert sich nach Bestätigung der Einstellung die Video-Auswahl. Bei Net-TV soll sich das intuitiv mit der TV-Fernbedienung erledigen lassen: schnellere oder langsamere Musik, mehr Hits oder lieber Insidertracks - einfach drehen. Zum aktuell laufenden Musik-Clip werden darunter die nächsten vier Videos angezeigt sowie eine Schaltfläche, um die drei Drehregler einzublenden und zu bedienen. Eine Info-Taste informiert über Interpret und Titel des laufenden Clips, außerdem kann die Wiedergabe angehalten werden und ein etwas pixeliger Vollbildmodus aktiviert werden.
Erweiterungen geplant
Auch das Weiterspringen zum nächsten Video ist möglich oder die direkte Auswahl einer der nächsten vier Clips. Diese "Skips" sind allerdings auf acht begrenzt, danach kann zwar weiter die Auswahl über die Stimmungs-Regler "ge-q-ed" werden, aber ein Überspringen von Titeln ist nicht mehr möglich. Zwar ließe sich das mittels Löschen der Cookies umgehen, doch läuft der Zuschauer dann auch Gefahr, gerade gesehene Videos wieder serviert zu bekommen.
Bei Qtom über den PC erschöpfen sich derzeit leider die Einstellungsmöglichkeiten der Musik in den drei Q-me!-Reglern. Es gibt keine Genrekanäle, mit denen der Nutzer beispielsweise verhindern könnte, dass nach einem langsamen und neuen HipHop-Hit plötzlich eine aktuelle Rock-Schnulze auf dem Schirm erscheint. Auch können keine Interpreten bevorzugt oder bestimmte Videos aus der Rotation verbannt werden.
QTom über Philips Net-TV verfügt allerdings bereits über eine Genre-Auswahl mit einem Rock-, Pop-, HipHop- und Elektro-Kanal sowie einer Specials-Welt mit stimmungsbezogenen Kanälen, wie "Love" oder "Live" und einem High-Quality-Channel. Diese Kanäle sollen laut Marketingmanager Mardfeldt weiter ausgebaut, durch weitere redaktionelle Kanäle vervollständigt und im Web auf qtom.tv nachgezogen werden.
Alter, Tempo, Bekanntheit
Das Einstellen der drei Auswahlkriterien "Alter, "Tempo" und "Bekanntheit" funktioniert sehr ordentlich und nachvollziehbar. Allerdings ist hier für eine gelungene individuelle Playlist durchaus etwas Übung nötig. Wird ein Regler voll auf "Insider" gestellt und die beiden anderen in neutraler Mittelstellung belassen, erscheinen beispielsweise Ghosts, Boy Kill Boy, Mary J. Blige feat. Greg Nice, Evermore und Busta Rhymes auf dem Schirm, mit tatsächlich ziemlich unbekannten Songs.
Beim Schwerpunkt auf "New" und "Hits" starten treffenderweise Polarkreis 18 mit "The Colour of Snow", "Beat it" von Fall Out Boy feat. John Mayer, Duffy mit "Mercy", "So soll es bleiben" von Ich+Ich sowie Jan Delays "Oh Jonny" die Playlist. "Classic" und "Hits" bescheren dem Zuschauer The Police, Abba, U2, Trio und Cameo - das passt durchaus. Aber den Song "Sweet about me" von Gabriella Cilmi beispielsweise bei "Fast" einzuordnen ist schon gewagt. Die Inhalte werden von Musiklabels geliefert und in hoher Audio- und Videoqualität via Stream ausgestrahlt. Bis zum Ende des Jahres plant QTom mit einem Archiv aus 10.000 Videos, bis zum kommenden Frühjahr sollen es 15.000 bis 20.000 sein, so Mardfeldt. Derzeit bestünden Lizenzvereinbarungen mit den großen Musikfirmen Warner, Universal und Sony sowie Kontor New Media. Weiterhin im Gespräch sei man mit dem vierten Big-Player EMI und kleineren Labels.
Auswahl noch eingeschränkt
Das Fehlen eines Vertrags mit EMI macht sich durchaus bemerkbar: Clips von Interpreten wie Lily Allen, Coldplay, Samy Deluxe, Depeche Mode, David Guetta, LaFee oder Robbie Williams gibt es nicht zu sehen. Doch dieses Problem mit EMI haben derzeit alle Video-Plattformen in Deutschland. Fehlende Lizenzen sind wohl auch der Grund, warum beispielsweise der Nr.1-Hit "Broken Strings" von James Morrison nicht als Originalvideo mit Duett-Partnerin Nelly Furtado zu sehen ist, sondern als Live-Auftritt ohne die Starsängerin.
Werbung und Premiummodell
Das Angebot ist derzeit noch werbefrei zu genießen, soll allerdings in wenigen Wochen mit Werbespots versehen und somit finanziert werden. Wie Marketingmanager Mardfeldt erläutert, soll es zudem sogenannte "Branded Music Channels" geben, von Unternehmen erstellte eigene Kanäle, die thematisch und inhaltlich speziell gestaltet werden könnten. Bis zum Ende soll es außerdem ein Premiummodell von QTom geben. Hier sollen gegen eine bislang noch nicht festgelegte Gebühr eine höhere Qualität sowie exklusive Videos und Kanäle angeboten werden. Darüberhinaus soll es in dieser Premium-Variante weitere Personalisierungsmöglichkeiten geben.
Mit QTom, so die Betreiber, werde endlich die Lücke zwischen MTV und YouTube geschlossen. Das klappt nur teilweise, zumindest mit der PC-Version. Für ein wirklich individuelles Musikfernsehen fehlen hier noch die Einstellungsmöglichkeiten auf www.qtom.tv. Da ist man bei putpat.tv schon etwas besser aufgestellt, wenn auch noch nicht aus der Testphase raus. QTom über Net-TV wiederrum scheint den Ansprüchen gerecht zu werden. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich Werbung und Premiummodell auf das Programm auswirken.

(Michael Posdziech)

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