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QSC übernimmt Broadnet

Die Kölner QSC AG schluckt den Business-Provider Broadnet zunächst zu zwei Dritteln und will damit das eigene Geschäftskundensegment stärken.

07.06.2006, 14:14 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Da knallen die Korken in Köln Ossendorf: Die QSC AG übernimmt die Zweidrittelmehrheit am direkten Konkurrenten Broadnet. Wie beide Unternehmen heute mitteilten, wird QSC die bisher vom Broadnet-Management und den Hauptaktionären gehaltenen Anteile übernehmen. Bei Broadnet waren der amerikanische Kabelgigant Comcast mit 37 Prozent und die Investorengruppe KKD mit 23 Prozent engagiert, das Management hielt sieben Prozent der Anteile.
Kapitalerhöhung
Die Übernahme soll durch einen Aktientausch vollzogen werden. Für ein Broadnet-Papier erhalten die Aktionäre 1,054 QSC-Aktien. Zur Finanzierung haben Vorstand und Aufsichtsrat der QSC AG eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe von 11.232.176 neuen Aktien zum Preis von einem Euro pro Stück beschlossen. Ein Angebot an die verbliebenen freien Aktionäre soll folgen.
Mit Broadnet übernimmt QSC einen reinen Business-Carrier und möchte damit das eigene Kerngeschäft mit Unternehmenskunden weiter stärken. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Virtual Private Networks (VPN), Direktanschlüssen und Voice-over-IP-Lösungen. Die Hamburger bringen ein eigenes SDSL-Netz mit, das knapp 600 Hauptverteiler (HVT) der Telekom erschlossen hat. QSC erschließt so 160 neue HVT und hat damit Zugang zu insgesamt 1200 HVT in Deutschland.
Sinnvolle Ergänzung
Dazu bietet Broadnet in 42 Regionen des Landes auch Zugänge über Richtfunk (Wireless Local Loop) an, über die auch Gewerbegebiete in der Peripherie von Ballungsräumen breitbandig mit Internet versorgt werden können. QSC-Chef Bernd Schlobohm findet das eine sinnvolle Ergänzung des eigenen Netzes: "Wir gewinnen so Zugang zu einer Vielzahl neuer Unternehmenskunden, die sich über DSL nur schwer erschließen lassen".
Der Übernahmekandidat meldet für das vergangene Jahr einen Umsatz von 36,8 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 4,6 Millionen Euro. Dabei trugen nach QSC-Angaben insbesondere die Produktbereiche VPN und Voice over IP zu der positiven Entwicklung der Broadnet bei. QSC möchte diese Entwicklung zusammen mit der neuen Tochter weiter fördern. Durch die Übernahme erwartet QSC für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatzanstieg um mindestens 23 Prozent auf über 265 Millionen Euro.
Die QSC verspricht sich von der Übernahme vor allem Einspareffekte auf technischer Ebene und weniger bei den Personalkosten, die nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Schlobohm verwies in dem Zusammenhang auf die erfolgreiche Integration der Bonner Celox, bei der kein einziger Mitarbeiter entlassen werden musste. Das heiße allerdings nicht, so der QSC-Boss, dass es bei der Broadnet und dem Standort Hamburg genauso laufen müsse. Weitere Übernahmen hat Schlobohm nicht ausgeschlossen. Zwar habe QSC noch den "einen oder anderen kleineren Carrier" auf der Wunschliste, eine neue Übernahme sei in naher Zukunft aber nicht geplant.

(Volker Briegleb)

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