News

Qimonda: Bis Ende März Investor gebraucht

Der Insolvenzverwalter des Chipherstellers Qimonda sieht nur noch bis Ende März eine Chance, das Werk in Dresden zu retten. Mit ersten Interessenten steht das Unternehmen in Kontakt.

31.01.2009, 00:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Der vorläufige Insolvenzverwalter des Chipherstellers Qimonda, Michael Jaffé, sieht nur noch bis Ende März eine Chance zur Rettung des Dresdner Werkes. Nur bis zu diesem Zeitpunkt werde noch Insolvenzgeld gezahlt.
Kontakt mit ersten Interessenten
"Erhebliche Sorgen bereitet mir, dass die Zeit davonrennt. Wenn bis Ende März keine Lösung gefunden ist, werden eine Schließung und damit einhergehende Folgeschäden kaum mehr zu vermeiden sein", sagte Jaffé der "Sächsischen Zeitung" (Freitag). Das Ziel, bis dahin einen Investor zu finden sei "hochambitioniert". Solange aber produziert werde, blieben die Chancen gewahrt. "Wenn ich daran nicht glauben würde, dann hätte ich bereits am vergangenen Wochenende die Lichter ausmachen können. Wir versuchen derzeit alles, um einen Kollaps von Qimonda zu vermeiden. Vieles wird von Stunde zu Stunde bereits wieder besser, insbesondere wird wieder ge- und beliefert", erklärte Jaffé. Ein Ende von Qimonda wäre "auch betriebswirtschaftlich eine Tragödie".
Erste Interessenten für das insolvente Unternehmen gibt es bereits. "Es gibt Anfragen und Kontakte, aber noch keine konkreten Verhandlungen", sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters bereits am Donnerstag auf Anfrage. Bei konkreterem Interesse seien wieder Gespräche mit dem Bund und den Ländern Sachsen und Bayern geplant. Am Sonntag und Montag werde sich Jaffé in Portugal mit Regierungsvertretern treffen und sich über das Werk in Porto informieren.
Letztes Halbleiterzentrum in Europa retten
Die Dresdner Beschäftigten planen für kommenden Dienstag eine Demonstration, bestätigte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Dresden, Willi Eisele, am Donnerstag einen Bericht der "Dresdner Neuesten Nachrichten". "Es geht um den Erhalt einer selbstständigen europäischen Halbleiterindustrie und damit um eine industriepolitisch sehr relevante Branche", sagte er laut einer Mitteilung. Das sächsische Industrie-Cluster sei das letzte Halbleiterzentrum in Europa, das zukunftsfähige Produkte und Basistechnologien entwickle.
Am vergangenen Freitag hatte die Infineon-Tochter Qimonda Insolvenz angemeldet. Betroffen sind in Dresden rund 3.200 Mitarbeiter, im Werk München sind es etwa 1.200. Weltweit arbeiten bei Qimonda rund 12.000 Menschen. Grund für die Schieflage des Unternehmens sind angehäufte Verluste aufgrund des Preisverfalls in der Chipbranche. Ein von Sachsen, Portugal und dem Mutterkonzern Infineon zugesagtes Rettungspaket über 325 Millionen Euro und eine Bürgschaft von Bund und Land Sachsen über 280 Millionen waren nicht ausreichend.

(Michael Posdziech)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang