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Psyweb: Psychologen erforschen Bundesbürger

Mit der neuen Online-Plattform "Psyweb" wollen deutsche Psychologen das Seelenleben von Durchschnittsbürgern erforschen. Schon 1.500 Bundesbürger hätten sich angemeldet.

01.01.2012, 11:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Deutsche Psychologen wollen mehr über das Seelenleben des Otto Normalverbrauchers erfahren. Mit einer neuen Online-Plattform planen die Fachleute, Internetnutzer für Tests zu gewinnen - deren Ergebnisse dann einen möglichst bunten Querschnitt ergeben.

Schon 1.500 Anmeldungen

Bei der Vorstellung zitierte die Universität Münster am Dienstag US-Wissenschaftler Michael Birnbaum mit einer ironischen Äußerung: Psychologie stütze ihre Forschung vor allem auf Daten von Versuchstieren, Kranken und Studenten. "Das ist natürlich nicht die Lebenswelt, die uns interessiert", erläuterte Projektleiter Meinald Thielsch. Schon rund 1.500 Bundesbürger hätten sich angemeldet. Auch einige Schweizer und Österreicher seien dabei. Täglich kommen zehn bis 15 neue Mitglieder hinzu.

"PsyWeb" wurde von den Universitäten in Münster, Osnabrück und Leipzig aufgebaut. Forscher klären dort über Mythen der Psychologie auf. Die Themenpalette reicht von der Bedeutung einer Handschrift bis zur Verbrechensrate bei Vollmond. Das soll Durchschnittsbürger anlocken. Die Mitglieder werden zu anonymen Tests eingeladen. Sichere Datenübertragung und Anonymität ist den Angaben zufolge garantiert. "Bestimmte persönliche Daten wie das Einkommen erheben wir erst gar nicht – das ist die sicherste Form des Datenschutzes", betont der Psychologe. Nicht alle Mitglieder nehmen jedoch an den Untersuchungen teil. "Bei geplanten zwölf bis 15 Studien im Jahr wären die Mitglieder schnell genervt, wenn sie jede mitmachen müssten", erklärt Thielsch.

Breiter Bevölkerungsquerschnitt im Netz erreichbar

Das Netz sei für Psychologen "mittlerweile ein ideales Forschungsfeld". Drei von vier Bundesbürger surften laut Studien im Web, Menschen aus allen Alters- und Bildungsschichten. "Einen solchen Querschnitt erreichen wir bei Befragungen am Telefon oder in der Fußgängerzone nicht", berichtete Psychologe Thielsch. Für repräsentative Studien seien aber mindestens 10.000 Mitglieder nötig.

(Jörg Schamberg)

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