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Provider: Verträge mit zwölf Monaten Laufzeit häufig nur auf Nachfrage

Das Telekommunikationsgesetz verpflichtet Provider, auch Verträge mit einer Laufzeit von zwölf Monaten anzubieten. Wie haben die Telekom, Vodafone, Kabel Deutschland und Unitymedia die gesetzliche Regelung in die Praxis umgesetzt? Wir haben bei den Anbietern nachgefragt.

19.10.2013, 10:01 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Beim Blick auf die Tarife der großen DSL-Anbieter und Kabelnetzbetreiber fällt auf, dass die Mindestvertragslaufzeit vielfach bei 24 Monaten liegt. Nur wenige Anbieter wie 1&1, congstar, o2 und easybell halten alternativ auch Pakete ohne Laufzeit bereit. Was kaum ein Kunde weiß: Auch bei der Deutschen Telekom sowie bei Vodafone, Kabel Deutschland und Unitymedia lassen sich Verträge ohne zweijährige Bindung an den Anbieter abschließen. Möglich macht dies die im Mai des vergangenen Jahres in Kraft getretene Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG), die etliche Verbesserungen für Kunden mit sich brachte.

TKG: 12-Monats-Verträge als Pflichtangebot

Neben Bestimmungen für einen schnellen Anbieterwechsel oder einen Umzug findet sich im TKG in Paragraph 43 b auch ein Abschnitt, der die Vertragslaufzeit regelt: "Die anfängliche Mindestlaufzeit eines Vertrages zwischen einem Verbraucher und einem Anbieter von öffentlich zugänglichen Telekommunikationsdiensten darf 24 Monate nicht überschreiten. Anbieter von öffentlich zugänglichen Telekommunikationsdiensten sind verpflichtet, einem Teilnehmer zu ermöglichen, einen Vertrag mit einer Höchstlaufzeit von zwölf Monaten abzuschließen."

Damit müssen Provider, die ansonsten nur Verträge mit einer Laufzeit von 24 Monaten anbieten, auch Tarife mit einer Laufzeit von maximal zwölf Monaten bereithalten. Nicht alle Anbieter vermarkten solche Komplettpakete aber über ihre Homepage, stattdessen sind sie beispielsweise nur an der Hotline bestellbar. Die Telekom bietet ihren Kunden reine Sprachtarife sowie den DSL-Tarif Call & Surf Basic mit Internet-Flat mit einer 12-monatigen Vertragslaufzeit an. Der Tarif lässt sich, im Vergleich mit anderen Anbietern, als eine der wenigen Ausnahmen sowohl online als auch telefonisch oder im Telekom-Shop buchen. Auch Entertain Comfort ist mit zwölf Monaten Laufzeit erhältlich, kommt dann aber ohne Aktionsvorteile daher und kostet 49,95 Euro monatlich. Alle anderen Call & Surf-Varianten und Entertain-Pakete sind dagegen nur mit einer Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten erhältlich.

Vodafone: DSL Classic Paket bei Online-Buchung auch mit 12 Monaten Laufzeit

Der Düsseldorfer Mobilfunknetzbetreiber und Festnetzanbieter Vodafone erfüllt lediglich mit seiner Doppel-Flat DSL Classic Paket die Forderung des TGK. Das Paket mit DSL 16.000 ist wahlweise mit einer Laufzeit von 24 oder zwölf Monaten buchbar, die monatliche Grundgebühr liegt jeweils bei 29,95 Euro Die Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr wird aber nur bei Online-Buchung angeboten. Zudem fällt in diesem Fall ein recht hoher DSL-Anschlusspreis in Höhe von 59,95 Euro an. Wer sich für die 24-Monats-Variante entscheidet, muss für den DSL-Anschluss dagegen nur 9,95 Euro zahlen. Nach Angaben von Vodafone können auch Bestandskunden in das Classic-Paket mit einer Laufzeit von zwölf Monaten wechseln.

Im April des vergangenen Jahres hatte Unitymedia die Konditionen seiner Komplettpakete überarbeitet, unter anderem stieg die bis dahin geltende Mindestvertragslaufzeit von zwölf auf 24 Monate. Dank TKG erhalten Kunden bei dem Kölner Kabelnetzbetreiber weiterhin auch Tarife mit einer Laufzeit von lediglich zwölf Monaten. Der reine Internettarif Internet 10 für monatlich 23 Euro sowie Telefon Start, ein Telefonanschluss ohne Flatrate für 20 Euro im Monat, lassen sich aber lediglich auf Nachfrage an der Hotline buchen. Die einmalige Aktivierungsgebühr schlägt mit 49,95 Euro zu Buche, der Vertrag läuft nach Angabe von Unitymedia automatisch nach zwölf Monaten aus. Nach Unternehmensangaben gibt es nur wenig Nachfrage nach diesen Tarifen, was angesichts der Konditionen aber auch nicht sonderlich verwundert.

KDG: Jahres-Verträge nur über die Hotline

Auch Kabel Deutschland bietet entsprechend kurze Laufzeit-Verträge nur über seine Kunden-Hotline an. Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber stellt insgesamt drei Tarife mit einer Laufzeit von zwölf Monaten zur Wahl. Dabei handelt es sich zum einen um eine reine Internet-Flat mit einer Bandbreite von bis zu 20 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) für 19,90 Euro monatlich, zum anderen um einen Telefontarif für 9,90 Euro im Monat.

Außerdem ist die Doppel-Flat Internet & Telefon 32 für 29,90 Euro mit einer Mindestvertragslaufzeit von zwölf Monaten erhältlich. Werden die Verträge nicht entsprechend verlängert, laufen sie nach zwölf Monaten automatisch aus.

Kommentar: 12-Monats-Verträge eher unattraktiv

Die TKG-Novelle hatte die Absicht, die Rechte des Kunden zu stärken und besser zu schützen. Die Umsetzung von Paragraph 43 b in die Praxis bietet Kunden aber bis auf die vergleichsweise kurze Laufzeit von zwölf Monaten ansonsten keine Vorteile. Im Gegenteil: Finanziell sind solche Pakete eher unattraktiv, bei Vodafone fällt beispielsweise ein einmaliger Anschlusspreis von fast 60 Euro an, Unitymedia-Kunden zahlen eine Aktivierungsgebühr von fast 50 Euro. Zudem werden auf Basis der TKG-Regelung vielfach nur reine Internet- oder Telefon-Tarife bzw. Einstiegsprodukte als "Feigenblatt" zur Erfüllung der gesetzlichen Bestimmungen angeboten. Die für Kunden attraktiven schnellen Doppel-Flats sind meist nur mit Laufzeiten von 24 Monaten erhältlich, Werden sie doch angeboten, so sind sie deutlich teurer als Pakete mit längerer Laufzeit, bei Entertain Comfort zahlen Kunden beispielsweise monatlich mindestens 10 Euro mehr im Vergleich zur Variante mit längerer Laufzeit.

(Jörg Schamberg)

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