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Provider "killt" Wikileaks-Domains

Wikileaks ist nur noch über die zugeordnete IP-Adresse erreichbar, aber nicht mehr über die eigene Domain. Amazon bestritt unterdessen, Wikileaks auf politischen Druck von seinen Servern genommen zu haben.

03.12.2010, 10:19 Uhr (Quelle: DPA)
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Nach der Aussperrung durch den US-Konzern Amazon ist die Website der Enthüllungsplattform Wikileaks weiter massiv unter Druck. Seit Freitag ist die Internet-Adresse wikileaks.org nicht mehr direkt erreichbar, sondern nur noch über die IP-Adresse (213.251.145.96), also die Zahlenfolge, die jeden Computer im Internet eindeutig identifiziert - wenn auch mit langen Ladezeiten.

Provider "killt" Domain

Die Domain wikileaks.org sei von der US-Firma everydns.net "gekillt" worden, teilte das vom australischen Internet-Aktivisten Julian Assange gegründete Projekt im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. Dieser Internet-Dienstleister sorgte dafür, dass die IP-Adresse des Rechners mit der Internet-Adresse (Domain) wikileaks.org verbunden wird.

Schweizer Piratenpartei springt ein

Seit Freitagmorgen war Wikileaks alternativ über die Schweizer Internetadresse wikileaks.ch erreichbar. Registriert hat die Adresse die Schweizer Piratenpartei, wie die Schweizer Domainverwalterin Switch sagte. "Wikileaks.ch" wurde vom Vorsitzenden der Schweizer Piratenpartei, Denis Simonet, reserviert. Nach Angaben auf der Homepage des Parteichefs hat Simonet im November Wikileaks-Chef Julian Assange getroffen. Am Nachmittag wurde aber auch die Schweizer Website mit den Wikileaks-Dokumenten aus ihrer Datenbank des US-Providers gelöscht und damit der Zugang unmöglich gemacht.

Amazon rechtfertigt sich

Amazon bestritt unterdessen, Wikileaks auf politischen Druck von seinen Servern genommen zu haben. Wikileaks habe gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, teilte Amazon in der Nacht zum Freitag in einem Blog-Beitrag mit. So sähen die Geschäftsbedingungen von Amazons Web-Dienstleistungen vor, dass der Kunde die Rechte an den Inhalten halte und deren Einsatz niemandem Schaden zufüge. "Es ist klar, dass Wikileaks nicht über die Rechte an den vertraulichen Dokumenten verfügt", argumentierte Amazon. Auch könne bei der großen Zahl von 250.000 Depeschen nicht gesichert sein, dass durch deren Veröffentlichung nicht Unschuldige wie etwa Menschenrechtler in Gefahr gerieten.

Zuvor hatte es zahlreiche Medienberichte gegeben, Amazon habe die Nutzung seiner Server durch Wikileaks nach einer Intervention von US-Senator Joe Lieberman gestoppt. Der parteilose Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz habe Amazon mit einem Boykott gedroht, berichtete der britische "Guardian".

Der mit dem Online-Verkauf von Büchern und CDs groß gewordene Konzern bietet auch Dienstleistungen für das sogenannte Cloud Computing an. Bei diesem Modell können Unternehmen ihre IT-Prozesse wie die Speicherung von Daten in verteilten Rechenzentren auslagern.

(Hayo Lücke)

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