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Protestnote: 16 Hersteller fordern Ende des "Router-Zwangs" bei Netzbetreibern

Einen DSL- oder Kabelanschluss buchen und mit einem beliebigen Router kombinieren – für viele Kunden ist dies nur auf Umwegen oder überhaupt nicht möglich. Insgesamt 16 Endgeräte-Hersteller haben nun in einem Schreiben an Netzagentur und Wirtschaftsministerium gegen diese Praxis protestiert.

05.05.2013, 15:01 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Einen DSL- oder Kabelanschluss buchen und mit einem beliebigen Router kombinieren – für viele Kunden ist dies nur auf Umwegen oder überhaupt nicht möglich. Der Grund: Zahlreiche Netzbetreiber bündeln ihre Internetzugänge mit speziellen Router-Modellen, die bereits vorkonfiguriert ausgeliefert werden und oft nur wenig Raum für individuelle Einstellungen oder eine Installation zusätzlicher Dienste lassen.

Die Branche macht mobil

Was für technisch weniger versierte Verbraucher meist ein Segen ist, stößt bei anderen Nutzern auf heftige Kritik. Bereits Anfang des Jahres erklärte die Bundesnetzagentur trotz Eingang mehrerer Beschwerden allerdings, nicht gegen den sogenannten "Router-Zwang" bei Internetanbietern vorgehen zu wollen. Doch die Branche macht weiter mobil: Wie die "WirtschaftsWoche" am Samstag in ihrer Online-Ausgabe berichtet, haben in der vergangenen Woche 16 Hersteller von Netzwerktechnik und Endgeräten schriftlich bei Regulierungsbehörde sowie Bundeswirtschaftsministerium gegen die aus ihrer Sicht illegitime Praxis protestiert.

Zu den Unterzeichnern gehören demnach unter anderem die Endgeräte-Hersteller Auerswald, Devolo und Lancom. Einer der treibenden Kräfte ist zudem der deutsche Branchenprimus AVM. Wenn Netzbetreiber ihren Kunden vorschrieben, welchen Router diese einzusetzen hätten, sei das so, als würden Mobilfunkgesellschaften vorschreiben, welches Handy genutzt werden dürfe, sagte Unternehmenschef Johannes Nill im Gespräch mit dem Blatt.

AVM sieht Gesetzesverstoß

AVM deutet die Zwangsbindung als einen Verstoß gegen die gesetzlich garantierte freie Wahl von Endgeräten. Bereits im Januar hatte der FritzBox-Hersteller erklärt, dass das Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen (FTEG) dazu verpflichtet, die Schnittstellen so offenzulegen, dass Hersteller im freien Wettbewerb entsprechende Geräte anbieten könnten. Auch an anderer Stelle sehen die Berliner den Kunden laut "WirtschaftsWoche" klar benachteiligt. So führe die Kontrolle des Routers durch die Provider dazu, dass Internetnutzern bestimmte Angebote vorenthalten blieben.

Die Netzbetreiber könnten etwa vorgeben, welche Internet-Dienste frei genutzt werden dürften und gleichzeitig ihre eigenen kostenpflichtigen Angebote gewinnbringend vermarkten. "Wenn ich den Router kontrolliere, kann ich zum Beispiel verhindern, dass der Kunde alternative Anbieter für Internet-Telefonate einstellt", erklärte Nill. Ähnliches gelte für andere Dienste wie Online-Speicher, Video- und Musik-Streaming oder Cloud-Anwendungen. Der AVM-Chef hofft, mit der Protestnote ein schnelles Umdenken bei der Netzagentur zu bewirken. Schließlich habe diese auch in der Vergangenheit mit Blick auf das Verbraucherinteresse entschieden.

(Christian Wolf)

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