ANGA COM Digital

ProSiebenSat.1 und RTL: Streaming-Markt ist Chance und keine Bedrohung

Welche Pläne haben die TV-Sender ProSiebenSat.1 und RTL für ihre Streaming-Dienste und wie positionieren sich Vodafone und Amazon Prime Video künftig? Darüber diskutieren führende Unternehmensvertreter auf der "ANGA COM Digital".

Jörg Schamberg, 09.06.2021, 12:13 Uhr
Filmstream© Jens Kreuter / unsplash.com

Auf dem internationalen Streaming-Markt tut sich derzeit viel. Es gibt Übernahmen und neue Player. Doch wie positionieren sich Anbieter wie Amazon Prime Video sowie die Streaming-Plattformen von ProSieben.Sat1 und RTL in Deutschland? Und was bedeutet die Entwicklung für Vodafone, den inzwischen größten TV-Anbieter hierzulande? Diese Fragen wurden am Mittwoch auf dem "Mediengipfel" der "ANGA COM Digital" diskutiert.

Vodafone: Vielfalt und Einfachheit statt eigene und exklusive Inhalte

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sieht sich gut aufgestellt mit seiner GigaTV-Plattform. Entertainment soll Kunden einfach zur Verfügung stehen, bei der Bereitstellung helfe das Gigabit-Netzwerk der Düsseldorfer. Die Strategie von Vodafone ist, die attraktivsten Inhalte auf der Plattform zu haben. Diese müssten laut Andreas Laukenmann, Geschäftsführer Privatkunden bei Vodafone Deutschland, aber nicht zwangsweise exklusiv sein. Zudem baue die Vodafone-Gruppe derzeit eine Plattform für ganz Europa.

Mit fast 13 Millionen TV-Kunden ist Vodafone der größte TV-Anbieter in Deutschland. In der öffentlichen Wahrnehmung werde das Unternehmen aber noch vor allem als Mobilfunkanbieter wahrgenommen. Man biete Bestandskunden aber aktiv TV-Produkte an. Doch wie will sich Vodafone gegenüber anderen Anbietern unterscheiden, wenn man keine eigenen Inhalte hat? Laut Laukenmann könne Vodafone mit Vielfalt, Einfachheit und Qualität punkten. Ultra HD (4K) habe für die Kunden noch keine große Relevanz. Vodafone sei aber bereit, wenn 4K ein großes Thema werde. Die Nutzung einer App eigne sich vor allem für den Second Screen oder unterwegs. Zum Schauen hochwertiger Inhalte sei eine Set-Top-Box besser geeignet.

ProSiebenSat.1: Gründung von Joyn war richtiger Schritt

ProSiebenSat.1 sieht sich von den Umbrüchen im Streaming-Markt nicht bedroht. Henrik Pabst, Chief Content Officer der Seven.One Entertainment Group, betonte, dass man sich den Markt ständig anschaue. Er glaubt nicht, dass Haushalte sich sechs oder sieben verschiedene Streaming-Dienste leisten werden. Die Gründung des eigenen Streaming-Dienstes Joyn zusammen mit dem Partner Discovery sei der richtige Schritt gewesen. Die Mediengruppe ProSiebenSat.1 sei nicht nur TV-Anbieter, sondern auch Produktionshaus für Dritte. Für Amazon habe man beispielsweise die Serie "Bosch" produziert und werde auch in Zukunft weiter Inhalte für Amazon bereitstellen.

Streaming sei extrem wichtig, doch lineares TV habe in der Pandemie ebenfalls gut funktioniert. Die kürzlich ausgestrahlte aktuelle Staffel von "Germany's next Topmodel" sei die erfolgreichste Staffel des Formats gewesen. Ohnehin würden die Grenzen verschwimmen zwischen linear und digital.

RTL baut Nachrichten-Bereich aus - mehr Inhalte für TVNow

Seit dem Frühjahr ist Henning Tewes Geschäftsführer von RTL und Co-Geschäftsleiter, des hauseigenen Streaming-Dienstes TVNow, der demnächst in RTL Plus umbenannt wird. RTL setze klar auf seine lokale Stärke, will sich aber auch neu positionieren. Künftig wolle die Sendergruppe etwa noch mehr auf Nachrichten setzen. Dafür haben sich die Kölner beispielsweise mit Jan Hofer und Pinar Atalay prominente Köpfe der ARD-"Tagesthemen" eingekauft. Den wachsenden Streaming-Markt sieht Tewes auch als Chance, selbst zu wachsen.

Für den September kündigte der RTL-Geschäftsführer eine große Fiction-Offensive bei TVNow an. Es werde neben einer Angela Merkel Dokumentation auch starke internationale Serien und Dokus geben. Trotz mehr Inhalten gebe es aber derzeit keine konkreten Pläne für Preiserhöhungen bei TVNow. Das Premium-Paket kostet 4,99 Euro pro Monat. Für 7,99 Euro monatlich lässt sich das Premium+-Paket buchen, das Werbefreiheit und Streams in Originalfassung bietet.

Prime Video setzt Fokus weiter auf Entertainment

Schon seit vielen Jahren ist Amazon Prime Video einer der etablierten, großen Streaming-Dienste in Deutschland. Dr. Christoph Schneider, Geschäftsführer von Amazon Prime Video, sieht bei seinem Unternehmen aber dennoch immer noch Start-up-Mentalität. Es gebe noch viele Punkte, wo man noch deutlich besser werden könne. Daran werde gearbeitet. Punkten könne Prime Video unter anderem mit der Übertragung von Spielen der Champions League. Im Gegensatz zu RTL und ProSiebenSat.1, die ihren News-Bereich ausbauen, will Prime Video in naher Zukunft nicht in das Nachrichten-Geschäft einsteigen.

Stattdessen setzt Prime Video weiter auf Entertainment. Die erste Staffel der Comedy-Reihe "LOL" sei das erfolgreichste Format des Streaming-Anbieters, das Prime Video bislang in Deutschland hatte. Zu konkreten Aufrufzahlen wollte sich Schneider aber nicht äußern. Es sei ein Volltreffer gewesen. Die zweite Staffel sei schon produziert und werde im Herbst gezeigt.

Große Amazon Originals wie "LOL" oder auch die Serie "Kinder vom Bahnhof Zoo" werden lange Zeit exklusiv nur bei Prime Video erhältlich sein. Andere Inhalte stellte man aber auch anderen Anbietern zur Verfügung. Die Haushaltsdurchdringung von Streaming-Diensten liege in Deutschland unter 40 Prozent. Damit sei Deutschland Schlusslicht in Europa. Laut Schneider habe man noch gute Jahre vor uns, wo noch für jeden Platz sei zu wachsen.

Constantin Film produziert Inhalte bereits in 8K

Mit Constantin Film war auch ein Content-Produzent bei der Diskussion vertreten. Oliver Berben, der stellvertretende Vorstandsvorsitzen der Constantin Film AG, sieht bei den Streaming-Diensten einen "irrsinnigen Druck", permanent neues anbieten zu müssen. Es gebe eine größere Schlagzahl. Er sieht eine wachsende Bereitschaft für Inhalte zu zahlen. Bei der Produktion setze man bereits auch schon auf 8K. Eine mögliche Serie über die Corona-Pandemie sieht Berben derzeit eher nicht als passend an. Er sei da eher vorsichtig. Gewisse historische Ereignisse brauchten Abstand, um sie gut erzählen zu können. Menschen möchten aus realen Welten fliehen. Daher sei es nicht wahnsinnig schlau, jetzt eine Serie über Corona zu machen.

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