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Primacom vor dem Aus?

Update: Der akut von der Pleite bedrohte Kabelnetzbetreiber musste eine weiteren schweren Rückschlag hinnehmen.

14.09.2005, 13:01 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Die Situation der Primacom AG wird immer bedrohlicher. Der hoch verschuldete Kabelnetzbetreiber teilte in einer Pflichtmeldung mit, dass eine dringend nötige Verlängerung des so genannten Seniorkredites von den Banken abgelehnt worden sei und somit zur Zahlung fällig werde. Jetzt droht Zahlungsunfähigkeit.
Kein Kredit
Das Unternehmen sieht sich allerdings aktuell nicht in der Lage, die Schulden zu begleichen. Nach Presseberichten werden die Verbindlichkeiten der Aktiengesellschaft insgesamt auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Das zu den Hauptgläubigern gehörende Bankhaus J.P. Morgan Chase gewährte als letzte Frist eine Verlängerung des Überziehungskredites von 15 Millionen Euro um weitere sieben Tage. Damit könne Primacom wenigstens seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen.
Trotz einer Million Kunden in Deutschland hat die Primacom im letzten halben Jahr wieder deutliche Verluste eingefahren. Hohe Zinszahlungen belasten das Unternehmen. Der Fehlbetrag im zweiten Quartal lag, auch durch die hohen finanziellen Verpflichtungen aus den Verbindlichkeiten, bei 31,1 Millionen Euro. Damit lag der Verlust trotz Umsatzsteigerung höher als im Vergleichszeitraum 2004. Der Aktienkurs der Primacom brach nach der Meldung am Dienstagmorgen um zunächst 44 Prozent ein.
Weitere Verhandlungen
Der Kabelnetzbetreiber verhandelt weiter mit den Banken, um eine Restrukturierung des Unternehmens zu ermöglichen. Dabei geht es auch um den Verkauf der Tochtergesellschaft Multikabel, dessen Erlös zur Ablösung vorrangiger Verbindlichkeiten verwendet werden und eine neue Kreditvereinbarung mit den Gläubigern ermöglichen soll. Zudem läuft noch ein Rechtsstreit über nach Ansicht des Unternehmens sittenwidrige Zinssätze bei nachrangigen Krediten.
Update: Gericht weist Klage ab
Das Landgericht Mainz wies die Klage gegen ein ausländisches Konsortium gestern wegen fehlender Zuständigkeit ab. Daraufhin brach der Kurs der Aktiengesellschaft erneut dramatisch ein. Primacom war gegen die Second Secured Lender wegen sittenwidriger Zinssätze vorgegangen. Das Unternehmen behält sich weitere rechtliche Schritte vor.
Allerdings drängt die Zeit: Kann sich Primacom nicht schnell mit den Investoren einigen, scheint der Weg in die Insolvenz unausweichlich. Der Kabelnetzbetreiber möchte die niederländische Tochter Multikabel verkaufen und mit dem Erlös etwa die Hälfte der Verbindlichkeiten tilgen. Dazu benötigt Primacom allerdings die Zustimmung aller Gläubiger.

(Volker Briegleb)

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