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Premiere schiebt Rekordverlust auf Schwarzseher

Katastrophenbilanz für 2008: Ein Verlust von 269,4 Millionen Euro, weiter sinkende Abonnentenzahlen, hohe Kosten für Programm und neue Verschlüsselung. Erst ab 2011 soll es wieder aufwärts gehen.

16.02.2009, 11:50 Uhr
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Schlechter als erwartet geht es immer. Dies beweist aktuell der Münchener Pay-TV Sender Premiere. Das krisengeschüttelte Bezahl-Fernsehen musste im letzten Jahr nicht nur einen Personalwechsel an der Spitze verkraften, sondern tauschte auch aufwendig das lückenhafte Verschlüsselungssystem aus. Zuletzt hatte Großaktionär Rupert Murdoch, der nun mit rund 29 Prozent an Premiere beteiligt ist, den Weg für eine Sanierung von Premiere mit Hilfe von zwei Kapitalerhöhungen freigemacht.
Gestiegene Programmkosten
Die Erwartungen der Analysten hat Premiere mit dem nun vorgelegten Jahresabschluss 2008 und den Ergebnissen des vierten Quartals des vergangenen Jahres enttäuscht. Zwar ist der Umsatz - bereinigt um den aufgegebenen Bereich des Onlinehändlers Home of Hardware - im Geschäftsjahr 2008 geringfügig von 937,2 Millionen auf 941,1 Millionen Euro angestiegen. Doch bereits das EBITDA, das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, präsentierte sich mit minus 57 Millionen Euro in tiefstem Rot. Die Kosten stiegen erheblich von 853,6 Millionen im Jahr 2007 auf 998,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Größter Kostenfaktor stellt das Programm dar und hier insbesondere die teure Bundesliga. Nach einer langen Zitterpartie erhielt Premiere den Zuschlag für die Bundesliga-Rechte für die nächsten vier Spielzeiten.
Rekordverlust von 269,4 Millionen Euro
Aber auch für die Programmverbreitung musste mehr Geld aufgewendet werden. Eine Lücke im Verschlüsselungssystem konnte erst am 10. November 2008 geschlossen werden. Bis dahin hatten Schwarzseher relativ leichtes Spiel, um das Programm des Pay-TV-Senders auch ohne Abonnement sehen zu können. Premiere sieht darin einen der Hauptgründe für das negative Netto-Ergebnis. Der Verlust erreichte im vergangenen Jahr die Rekordhöhe von 269,4 Millionen Euro, im Jahr davor lag er noch bei 51,6 Millionen Euro. Damit verfünffachte sich der Verlust innerhalb eines Jahres.
Auch ein Blick auf die Entwicklung der Abonnentenzahlen geben keinen Grund zur Freude. Am Ende des vierten Quartals 2008 zählte Premiere 2,399 Millionen direkte Abonnenten, ein Jahr zuvor waren es noch 2,534 Millionen gewesen.
Sinkende Abonnentenzahlen
Damit verlor Premiere 135.000 Abonnenten innerhalb eines Jahres. Dennoch konnte der Pay-TV-Sender, wohl auch bedingt durch die Einführung der neuen Verschlüsselung, im vierten Quartal 2008 insgesamt 153.000 neue Abonnenten gewinnen, ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2007. Da das Flex-Angebot am Ende des vergangenen Jahres auslief, verzeichnete der Münchner Sender im letzten Quartal 2008 mit 23,4 Prozent eine höhere Kündigungsquote als im Quartal zuvor (21,4 Prozent). Auch die Zahl der Wholesale-Kunden nahm innerhalb eines Jahres weiter ab und sank von 790.000 Ende 2007 auf 691.000 am Ende des vergangenen Jahres.
Kapitalerhöhung sicherte das Überleben von Premiere
Der neue Premiere-Vorstandsvorsitzenden Mark Williams bezeichnet das Jahr 2008 dann auch als "ein sehr schwieriges Jahr, in dem wir einen großen finanziellen Verlust und eine Liquiditätskrise überstehen mussten, die unsere Existenz bedroht hatte". Das Überleben von Premiere konnte nur durch die mit den Banken und Rupert Murdochs News Corp vereinbarte Kapitalerhöhung gerettet werden. Am 26. Februar müssen die Premiere-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung dieser Kapitalerhöhung jedoch erst noch zustimmen.
Erst ab 2011 wieder positive Zahlen
Für dieses Jahr geht Premiere von stabilen Abonnentenzahlen im ersten Halbjahr aus. Erst ab dem dritten Quartal 2009, wenn ein Relaunch ansteht und die neue Bundesliga-Saison beginnt, wird mit neuem Wachstum bei den Zuschauerzahlen gerechnet. Der Umsatz werde in diesem Jahr um weniger als 50 Millionen Euro steigen, die Kosten dagegen weiter in die Höhe schnellen. Daher geht Premiere bereits jetzt für 2009 von einem negativen Geschäftsergebnis im Bereich von 250 bis 275 Millionen Euro aus. Ab dem Jahr 2011 soll wieder ein positiver Nettogewinn erreicht werden.
An der Börse sorgten die Premiere-Bilanzzahlen für Enttäuschung. Am Vormittag gab die Aktie des Pay-TV-Senders zeitweise um mehr als zwölf Prozent nach und rutschte auf einen Stückpreis von 2,42 Euro pro Aktie.

(Jörg Schamberg)

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