ZEW-Studie

Preiserhöhung für "letzte Meile" kann Glasfaserausbau ankurbeln

Wie lassen sich Verbraucher zum Umstieg von den alten, kupferbasierten Internetleitungen auf die schnelleren Glasfaseranschlüsse bewegen. Laut ZEW-Studie helfe unter anderem eine Preiserhöhung für die "letzte Meile".

Jörg Schamberg, 10.11.2016, 17:14 Uhr
Glasfaserkabel© zentilia / Fotolia.com

Mannheim – Schnelle Glasfaseranschlüsse auf Basis von FTTH/B sind in Deutschland noch relativ wenig verbreitet. Obwohl die Branche Glasfasern als die zukunftsfähige Lösung für die kommende Gigabit-Gesellschaft einstuft, werden laut TK-Marktstudie des VATM hierzulande bis Ende 2016 erst 791.000 solcher Highspeed-Anschlüsse aktiv genutzt. Tatsächlich technisch verfügbar sind rund 2,69 Millionen FTTH/B-Glasfaseranschlüsse. Internet-Kunden setzen stattdessen vielfach auf VDSL-Anschlüsse (FTTC), die mittels Vectoring Surfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s ermöglichen. Wie also lassen sich Verbraucher zum Umstieg auf Glasfaser bewegen? Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht Preiserhöhungen für die "letzte Meile" als möglichen Weg zur Stärkung der Nachfrage nach schnellen Glasfaseranschlüssen. Allerdings reiche ein Drehen an der Preisschraube alleine nicht aus.

Preiserhöhung um 1 Euro steigert Glasfaser-Nachfrage in der EU um 1,5 Prozent

Als "letzte Meile" wird das letzte Leitungsstück vom Kabelverzweiger bis zum Hausanschluss des Kunden bezeichnet, bei dem auch bei Einsatz von VDSL noch kupferbasierte Internetleitungen genutzt werden. Die "letzte Meile" ist in der Regel im Besitz der Deutschen Telekom (www.telekom.de/dsl Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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), die diese Leitung gegen ein von der Bundesnetzagentur festgelegtes Entgelt an alternative Netzbetreiber vermietet.

Würde die Miete für die "letzte Meile" nur um einen Euro steigen, so führe das laut der ZEW-Studie in den 27 untersuchten EU-Mitgliedsländern zu einer um 1,5 Prozent gesteigerten Nachfrage nach schnellen Breitbandanschlüssen. Blickt man nur auf die EU-15-Länder, also auf die Mitgliedsländer vor der im Jahr 2004 erfolgten EU-Osterweiterung, so ergebe sich sogar eine Nachfragesteigerung um 2,3 Prozent. In Osteuropa gebe es kaum ein so breit etabliertes Kupferleitungsnetz, das durch Glasfaser ersetzt werden könnte. Daher wirke sich eine Preiserhöhung dort eher weniger zugunsten von Glasfaseranschlüssen aus.

Netzbetreiber würden Preiserhöhungen an Verbraucher weitergeben

Als Grund für die Ankurbelung der Glasfasernachfrage gibt das ZEW an, dass die alternativen Netzbetreiber die Kosten für eine höhere Miete der "letzten Meile" zum Großteil an die Verbraucher weitergeben würden. Diese würden dann eher auf schnelle Glasfaseranschlüsse umsteigen, da der relative Preis für die veraltete Technologie steige. Zugleich würden die Netzbetreiber langsamere, kupferbasierte Internetleitungen verstärkt durch Glasfaserkabel ersetzen.

Steuervergünstigungen oder Gutscheinsystem als weiteres Instrument

Die Gefahr hierbei: Die Schwere zwischen tatsächlich technisch verfügbaren sowie aktiv genutzten Glasfaseranschlüssen würde sich noch weiter öffnen. "Wenn die EU Angebot und Nachfrage nach Breitbandinternet gleichermaßen vorantreiben will, wird zumindest noch ein weiteres Instrument, das vor allem auf die Verbraucher zielt, neben dem Entgelt für die letzte Meile benötigt. Hierzu würden sich etwa Steuervergünstigungen oder auch ein Gutscheinsystem eignen", so Dr. Wolfgang Briglauer, ZEW-Ökonom und einer der beiden Autoren der Studie.

Die EU-Staaten wollen mit ihrer Digitalen Agenda bis 2020 eine Breitbandabdeckung von mindestens 30 Mbit/s für alle EU-Bürger erreichen. 50 Prozent der EU-Haushalte sollen zudem bei Bedarf über einen Internetzugang mit über 100 Mbit/s verfügen können.

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