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Preise hoch, Preise runter - der neue Durchblick im Tankstellenmarkt

Seit gut zwei Monaten arbeitet die Markttransparenzstelle: Autofahrer können seitdem die aktuellen Spritpreise in ihrer Region über Handy, Navi oder Internet abfragen. Ob das aber den Wettbewerb ankurbelt, ist umstritten.

16.02.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Fragt man Aral-Chef Stefan Brok danach, was er von der neuen Markttransparenzstelle für Kraftstoffe hält, fällt seine Antwort betont verbraucherfreundlich aus. "Transparenz ist klasse", sagt Brok. Dass das Preiswirrwarr an mehr als 14 000 Zapfsäulen bald ein Ende haben könnte und die Autofahrer dort tanken, wo es für sie am billigsten und bequemsten ist, muss für den Branchenprimus aber nicht unbedingt von Vorteil sein. Tatsächlich hatte die zum britischen Mineralölkonzern BP gehörende Aral im vergangenen Jahr bei einem insgesamt stagnierenden Markt weniger Kraftstoffe verkauft.

Warnung vor falschen Schlussfolgerungen

Nein, heute könne man noch keine fundierte Einschätzung der Wirkung der Markttransparenzstelle liefern, sagt Brok. Und er warnt vor falschen Schlussfolgerungen: "Die Entspannung bei den Kraftstoffpreisen im vergangenen Jahr ist kein Verdienst der Markttransparenzstelle." Der Grund dafür liege stattdessen in gesunkenen Beschaffungspreisen für die Tankstellen. Sorgen machen ihm vor allem die zunehmenden Preisschwankungen. Zusätzliche Transparenz könne dazu beitragen, dass die Preisbewegungen in Zukunft noch stärker ausschlagen, meint der Aral-Chef.

Für den Präsidenten des Bundeskartellamtes Andreas Mundt stellen sich diese Fragen nicht. Er setzt auf den Mechanismus des Wettbewerbs, der sich durch die neue Einrichtung besser entfalten kann: "Je mehr Kunden das Instrument nutzen", sagte der oberste deutsche Wettbewerbshüter schon zum Start der Markttransparenzstelle, "desto höher wird der Druck auf die Konzerne, wettbewerbskonforme Preise zu setzen". Es gehe im Prinzip darum, dass die Verbraucher die Möglichkeit hätten, über die Preisinformationsdienste ganz gezielt die günstigste Tankstelle anzufahren.

Tankstellenbetreiber sind verpflichtet, Preise zu melden

Seit September vergangenen Jahres sind die Tankstellenbetreiber nämlich verpflichtet, Preisänderungen bei Benzin und Diesel der Markttransparenzstelle zu melden. Diese Daten werden an die Verbraucherinformationsdienste weitergereicht, die sie als Preisvergleiche über ihre Internetseiten oder als Apps für Smartphones und Navis den Verbrauchern meist gratis anbieten. Beim Bundeskartellamt sind derzeit 13 Informationsdienste registriert - und die melden eine lebhafte Anfrage.

Nach Angaben eines Telekom-Sprechers verzeichnete beispielsweise die Tanken App, die vom Internetportal T-Online entwickelt wurde, bis jetzt zwei Millionen Downloads. Und täglich gebe es 1 Million Anfragen. In einer Studie vom vergangenen Dezember hatte das Allensbach Institut festgestellt, dass jeder vierte Autofahrer in Deutschland schon einmal mit einer App Benzinpreise verglichen habe. Zwei Drittel hatten bereits von der Möglichkeit des Vergleichs gehört.

Kein Preisdruck nach unten

Diese Angebote seien deshalb so erfolgreich, schrieben die Verfasser der Studie, weil fast zwei Drittel der Autofahrer beim Tanken auf den Preis achteten und sich regelmäßig oder zumindest gelegentlich für eine Station entscheiden würden, die Sprit günstiger anbiete als die Konkurrenz. Je größer der Wohnort und dichter das Tankstellennetz, umso stärker falle der Benzinpreis bei der Tankstellenwahl ins Gewicht.

Dass mit der besseren Preistransparenz an den Zapfsäulen künftig ein Preisruck nach unten ausgelöst werde, halten Experten indes eher für unwahrscheinlich. Selbst Verbraucherschützer sind skeptisch. Denn die Gewinnspannen im Tankstellengeschäft sind vergleichsweise gering - und für Preissenkungen sind die Spielräume begrenzt.

(Peter Giesecke)

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