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Polizei-Digitalfunk: NRW startet Probebetrieb

Nach jahrelangen Verzögerungen und Kostensteigerungen kommt die flächendeckende Einführung des Polizei-Digitalfunks nun einen Schritt voran. NRW testet den abhörsicheren Digitalfunk sechs Monate lang im Probebetrieb. Den Anfang macht der Großraum Düsseldorf, die Region Köln soll ab März folgen.

09.01.2012, 15:16 Uhr
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Die bundesweite Einführung des Digitalfunks für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sollte ursprünglich schon 2006 zur damaligen Weltmeisterschaft in Deutschland umgesetzt werden. Es kam zu mehrjährigen Verzögerungen und Kostensteigerungen beim Polizei-Digitalfunk. Auch in diesem Jahr steht eine flächendeckende Einführung weiterhin aus. Doch immerhin soll es nun voran gehen. Die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen (NRW) unterziehen den ersten Abschnitt des neuen Funknetzes einem sechsmonatigen Härtetest.

NRW prüft Digitalfunk im Probebetrieb

"Wir machen heute einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur flächendeckenden Einführung des Digitalfunks in NRW", erklärt NRW-Innenminister Ralf Jäger am Montag zum offiziellen Start der Testphase. "Der Probebetrieb wird uns zeigen, ob es hakt und wo nachgebessert werden muss. Wir werden das Netz auf Herz und Nieren prüfen." Getestet wird der Digitalfunk ab sofort von den Behörden in Düsseldorf, Mönchengladbach sowie in den Kreisen Mettmann, Viersen und dem Rhein-Kreis Neuss.

Im Großraum Köln soll das Netz voraussichtlich ab März unter Alltagsbedingungen genutzt werden, die anderen Regionen folgen nach und nach. "Wir wollen Erfahrungen sammeln, technische Szenarien erproben und prüfen, ob alle von uns gestellten Anforderungen erfüllt sind", betont Innenminister Jäger. Der erweiterte Probebetrieb sei mit den Herstellern vertraglich vereinbart. Es sei eher unwahrscheinlich, dass "ein Systemwechsel dieser Größenordnung völlig fehlerfrei funktioniert". Daher stellt der NRW-Innenminister klar, dass die Probephase sofort unterbrochen wird, wenn "gravierende Fehler oder Schwächen im System" erkennbar würden. "Dann müssen die Hersteller die Probleme schnell lösen", so Minister Jäger. Aus Sicherheitsgründen wird der analoge Funk auch während des Probebetriebs parallel weiter verwendet.

Aufwändige Umrüstung - NRW stellt 513 Millionen Euro bereit

In der Region Düsseldorf wurden zum Start 41 Basisstationen errichtet. Fünf Polizeibehörden mit 36 Polizeiwachen und fünf Leitstellen sowie die Landesleitstelle der Polizei in Neuss beteiligen sich an der Testphase und sind an das Digitalfunknetz angeschlossen. Der Aufwand für die Umstellung ist erheblich. Das Land NRW hat für den Aufbau und Betrieb des Digitalfunks rund 513 Millionen Euro bereitgestellt. Rund 860 Polizeiwagen müssen umgerüstet werden, zudem steht für etwa 4.000 Polizisten eine Schulung an den neuen Geräten an.

Doch damit nicht genug: In ganz Nordrhein-Westfalen müssen 26.000 Fahrzeuge umgerüstet und etwa 80.000 Funkgeräte ausgetauscht werden. Betroffen sind 47 Kreispolizei- und drei Polizei-Landesoberbehörden sowie 422 Feuerwehren von Städten und Kreisen, 96 Werksfeuerwehren sowie diverse Hilfsorganisationen. Im größten Bundesland müssen rund 40.000 Polizisten und mehr als 120.000 Mitarbeiter von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen fit werden für den Umgang mit dem Digitalfunk. Als "Deadline" für die flächendeckende Einführung des Digitalfunks nannte Innenminister Jäger das Jahr 2014.

Abhörsicher, bessere Sprachqualität und kleinere Geräte

Die Sicherheitsbehörden weisen auf die Vorteile der neuen Digitalfunktechnik hin. Zum einen sei die Qualität der Sprachübertragung wesentlich besser und klarer und die Geräte auch unter Extrembedingungen einsetzbar. Ein gewichtiges Argument für die Einführung der neuen Technik ist aber vor allem die Abhörsicherheit dank Einsatz einer Hochsicherheitsverschlüsselung. Zudem sind digitale Funkgeräte kleiner und leichter. Als Features bieten sie auch Funktionen wie Einzelruf, Versand von Kurzmitteilungen und das Führen von Telefongesprächen.

(Jörg Schamberg)

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