Gaming

"Pokémon Go"-Entwickler rüsten sich für AR-Zukunft

Niantic will ihre technische Plattform für mehr Apps öffnen. Die Entwickler von Pokémon Go wollen virtuelle Inhalte wie Spielfiguren noch besser in die Umgebung einfügen. Eigene AR-Brillen sind erstmal nicht geplant.

Pokémon GoPokémon jagen mit Brille statt Smartphone? Das könnte die Zukunft sein.© Tumisu / pixabay.com

San Francisco - Die Macher des populären Smartphone-Games "Pokémon Go" stellen sich auf eine Zukunft ein, in der mit speziellen Brillen zur Anzeige erweiterter Realität statt auf dem Smartphone gespielt werden kann. Er glaube an die Technik, auch wenn viele technische Details noch unklar seien, sagte der Chef der Entwicklerfirma Niantic, John Hanke, der dpa.

Eigene AR-Brillen sind nicht geplant

Allerdings wolle Niantic nach wie vor keine eigene Brillen-Hardware entwickeln. Die Firma stieg im Frühjahr bei einem Entwickler von Linsen für erweiterte Realität (Augmented Reality, AR) ein. Dabei werden virtuelle Inhalte ins Blickfeld des Betrachters eingeblendet und sollen mit der realen Umgebung interagieren. "Wir wollen auf AR-Systemen aller Anbieter verfügbar sein, sei es Apple oder jemand anderes", sagte Hanke. Laut Medienberichten könnte der iPhone-Konzern bereits im kommenden Jahr eine AR-Brille vorstellen. Auf dem Markt sind bisher einige Anbieter wie das Start-up Magic Leap und Microsoft mit der Brille HoloLens. Die Geräte sind aber noch teuer und haben technische Einschränkungen.

Die für Niantics AR-Plattform zuständige Managerin Diana Hu sagte zugleich, es werde noch einige Zeit dauern, bis die Spezialbrillen reif für den Alltag sind. "Was die Rechenleistung angeht, kommen wir den Anforderungen näher, aber die große Herausforderung ist die Optik, bei der noch physikalische Durchbrüche notwendig sind."

Pokémon Go - das erfolgreichste AR-Spiel

Das Spiel "Pokémon Go", bei dem man in realer Umgebung auf die Jagd nach virtuellen Monstern gehen kann, war beim Start im Sommer 2016 zu einem weltweiten Phänomen geworden. Inzwischen ließ der Hype deutlich nach, auch wenn es das erfolgreichste AR-Spiel geblieben ist. Niantic legte in diesem Jahr mit dem Spiel "Wizards Unite" nach, in dem Tierwesen aus der Harry-Potter-Welt auftauchen.

Niantic will die technische Plattform hinter seinen Spielen künftig mehr App-Entwicklern verfügbar machen. Für ihre Förderung wird ein zehn Millionen Dollar schwerer Fonds aufgesetzt. Niantic könnte neben der Entwicklung eigener Apps auch als Publisher von fremden Spielen auftreten, sagte Hanke. Auch kleine Firmen sollen künftig Events in "Pokémon Go" veranstalten können, um ihr Geschäft anzukurbeln.

So sollen Pokémon noch besser in die Umgebung integriert werden

Das Spielerlebnis weiterentwickeln will Niantic mit einer besseren Integration der Figuren in die reale Umgebung. So zeigte die Firma Demo-Videos, in denen Pokémon auf dem Display realen Gegenständen ausweichen, sich hinter Blumenkübeln verstecken, auf Stühle springen oder durch Türen laufen. Niantic macht keine Angaben dazu, wann die Technologie im Spielverlauf verfügbar sein wird. Als erster Schritt kommt demnächst ein Modus, bei dem befreundete Spieler gleichzeitig ihre aktuellen Kumpel-Pokémon nebeneinander sehen. Das erfordere eine präzise Anpassung der Position und kurze Reaktionszeit, betonte Hu.

Herausforderungen bei der Entwicklung von AR-Anwendungen

Dafür müsse man zum einen Objekte erkennen und den passenden Umgang damit programmieren, sagte Hu. Zum anderen gehe es aber auch darum, Entfernungen und die Tiefe des Raumes mit Smartphone-Kameras richtig zu berechnen. Niantic habe dafür einen Algorithmus entwickelt, der auch mit dem Bild einer einzelnen Kamera auskommen könne. Neue Smartphones mit mehreren Kameras seien bei der Tiefen-Berechnung nur wenig hilfreich: Dafür seien sie zu nahe nebeneinander positioniert.

"Die Herausforderung bei AR ist, dass man Erlebnisse in die echte Welt einbauen muss und vorher nicht weiß, wie die Umgebung aussieht", gab Hu zu bedenken. So könnten die Leute in einem Park oder in einer Straße spielen, und auch die Lichtverhältnisse könnten komplett unterschiedlich sein.

Melanie Zecher / Quelle: DPA

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