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Podcasting steckt in der Pubertät

Großes Marktpotenzial und noch vieles auszuprobieren – das sind die Schlussfolgerungen des ersten Podcast-Kongress in München.

12.04.2006, 15:16 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

"Podcasting ist den Kinderschuhen entwachsen und in die Pubertät gekommen" – dieses Resümee zieht Harald A. Summa, Geschäftsführer des eco Verbandes der deutschen Internetwirtschaft, aus dem ersten deutschen Podcast-Kongress, der kürzlich in München stattfand. Die technischen Grundlagen für das "Radio zum Mitnehmen" seien geschaffen, jetzt geht es daran, Sendeformate auszuprobieren, Geschäftsmodelle zu erstellen und das richtige Publikum zu finden. Zweifellos sei, dass Martpotenzial vorhanden ist, schließlich werden in Deutschland bereits rund elf Millionen MP3-Player genutzt und ebenso viele DSL-Anschlüsse stehen für den Download der Dateien zur Verfügung.
Podcast statt Broadcast
Der Begriff "Podcasting" lehnt ursprünglich an Apples iPod an, hat sich aber allgemein am Markt durchgesetzt. Dabei sei er etwas irreführend, meint eco, denn das Phänomen beschränkt sich nicht auf Apple-Produkte, sondern umfasst jeden MP3-Player im Audiobereich und zukünftig auch MP4-Player für Videoproduktionen. Wesentlicher Vorteil der neuen Technik gegenüber den klassischen Fernseh- oder Radioformaten sei, dass Nutzer sich die aktuellen Dateien besorgen und jederzeit anhören können, ohne an Sendeprogramme gebunden zu sein. So können Zuhörer gezielt die Beiträge aussuchen, die sie interessieren und hören, wenn sie Zeit dazu haben.
Marktpotenzial vorhanden
Und Zeit haben die Deutschen genug: schließlich verbringen sie rund 14,4 Millionen Stunden jeden Tag im Auto oder im öffentlichen Nahverkehr. Während dabei nur bedingt gelesen oder telefoniert werden kann, sei das Hören von MP3 praktisch immer möglich. Einen wesentlichen Schub für die Vermarktung soll es geben, wenn mit der Rechteverwertungsgesellschaft GEMA eine Vereinbarung über die Musiknutzung in Podcast geschlossen werden kann. Dadurch könnten die Podcastproduktionen mit populären Musikclips aufgewertet werden, um die Reichweiten zu erhöhen.
Aktuelle Schätzungen prognostizieren bis 2010 zwischen 60 und 70 Millionen Podcast-Hörer weltweit und etwa 3 Millionen in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande rund eine halbe Million regelmäßige Podcast-Hörer gezählt. Der typische Podcast-Nutzer ist männlich, knapp 30 Jahre alt, überdurchschnittlich gebildet, lebt mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit als Single, verdient überdurchschnittlich gut, hat acht Podcasts abonniert und lauscht rund dreieinhalb Stunden pro Woche einem Podcast.

(Aleksandra Leon)

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