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Philippinische Kinder als Opfer von Internet-Pädophilen

Ermittler lassen einen internationalen Pädophilen-Ring auffliegen. Kriminelle organisierten den Missbrauch von philippinischen Kindern. Auch die eigenen Eltern setzen ihre Kinder vor die Webcam.

19.01.2014, 10:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Sie sind leichte Beute für Zuhälter und kriminelle Syndikate, die illegale Cybersex-Geschäfte betreiben: Über das Internet werden Kinder und Jugendliche in den Philippinen Opfer von organisiertem Missbrauch. Die pädophilen Kunden sitzen zumeist im Ausland.

Pädophilen-Ring gesprengt

Wie unter der Woche bekannt wurde, nahmen Fahnder weltweit 29 Mitglieder eines internationalen Pädophilen-Rings fest. Die Gruppe habe sexuellen Missbrauch von philippinischen Kindern organisiert, die Vergehen seien gegen Bezahlung via Webcam live im Internet gezeigt worden, teilte die britische Behörde National Crime Agency (NCA) mit.

Kinder werden mit Versprechen von leicht verdientem Geld oder schicker Kleidung angelockt, sagen Hilfsorganisationen. Knapp 30 Prozent der Einwohner des südostasiatischen Landes lebt von weniger als einem US-Dollar am Tag. Manchmal sind es sogar die Eltern, die ihre Kinder vor die Webcams stellen. "Anwerber finden bei den armutsgefährdeten, hungrigen Familien leichte Beute", sagt der Priester Shay Cullen von der Preda-Stiftung. Die Organisation hilft missbrauchten Kindern.

Lockerere Moralvorstellungen, zunehmender Materialismus und Sextourismus sind nach Ansicht der Aktivisten Gründe für Kinderpornografie im Netz. "Warum erlauben wir diesen ausufernden Sextourismus?", fragt Cullen. "Diese Sexbars und Clubs erniedrigen Frauen und Kinder und machen es Pädophilen und Cybersex-Betreibern einfach, an sie ranzukommen."

Kinder sind leichte Beute

Zuhälter locken Kinder an und gewinnen ihr Vertrauen, indem sie sie in Restaurants einladen oder Geschenke kaufen, erzählt Marlou Alviola von Forge, einer Kinder-Hilfsorganisation in der Provinz Cebu. "Sie geben ihnen sogar Handys."

Manche Eltern hätten kein Problem damit, dass sich ihre Kinder für Geld vor der Kamera ausziehen, sagt er. "Sie sagen ihren Kindern, dass nichts passiert, weil sie niemand berührt." Aber die Kinder würden dadurch langfristig einem größeren Missbrauchsrisiko ausgesetzt, sagt Alviola. "Sie glauben dann, dass es ok ist, sich vor Fremden auszuziehen."

"Moralische Werte sind verschwunden"

Armut ist nicht der einzige Beweggrund, glaubt er - viele arme Familien wühlten lieber im Müll nach Essen, als ihre Kinder diesem Missbrauch auszusetzen: "Aber es gibt Eltern, die ihre Kinder zur Prostitution drängen, weil sie das schnelle Geld wollen. Die moralischen Werte sind da völlig verschwunden."

Die meisten Cybersex-Läden sind in Internetcafés oder Hütten der Slums, in dreckigen und dunklen Räumen findet der Missbrauch statt. Doch das schmutzige Geschäft dehnt sich auch in Nobelviertel aus. "Es ist so einfach, man braucht nur eine Internetverbindung", sagt Cullen. "Manche der Cybersex-Operationen werden von Familienmitgliedern in ihren eigenen Häusern betrieben, es ist sehr schwierig, diese Aktivitäten zu unterwandern."

Die Gesetze der Philippinen erlauben es, dass Provider ihre Server überwachen und Kinderporno-Seiten blockieren. "Aber das kostet Geld und die Firmen wollen ihre Gewinne nicht dazu verwenden, Kinder zu schützen." Damit leisteten Internetprovider der Kinderpornografie im Netz Vorschub, sagt Cullen.

Kaum Hoffnung auf Besserung

Alviola hat kaum Hoffnung, dass sich die Situation bessern könnte. Die Internetnutzung wächst und soziale Medien werden ebenfalls zunehmend für Prostitution genutzt. "Dieses Problem wird nicht verschwinden, solange wir nicht unsere Kinder schützen und unsere Gesetze umsetzen."

(Hayo Lücke)

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