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"Phantom von Moskau": Wo ist Edward Snowden?

Auf seiner Flucht ist Edward Snowden seit der Ankunft in Moskau wie vom Erdboden verschluckt. Reporter belagern den Flughafen Scheremetjewo, US-Experten versuchen den "Verräter" zu orten. Russland behauptet, den Ex-US-Geheimdienstler nicht zu verstecken.

28.06.2013, 19:31 Uhr (Quelle: DPA)
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Der gegenwärtig meistgesuchte Mann der Welt scheint sich auf dem Moskauer Flughafen in Luft aufgelöst zu haben. Wo ist Edward Snowden, der von den USA als "Verräter" gejagt wird? Ein Heer von Reportern hält seit Tagen den Hauptstadt-Flughafen Scheremetjewo in Beschlag, dort soll sich der 30-Jährige im verwinkelten Transitbereich verstecken. US-Abhör-Spezialisten scannen Anrufe aus dem riesigen Airport auf sein Stimmenprofil, wie russische Medien berichten. Doch Snowden scheint wie vom Erdboden verschluckt, ist zum "Phantom von Moskau" geworden.

"Hinter jeder Tür kann Snowden stecken"

In dem Spionagethriller bestätigt Kremlchef Wladimir Putin zwar, dass der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter von Hongkong kommend in Moskau gelandet ist. Aber die Ankunft des Mannes, der umfassende Ausspähprogramme westlicher Geheimdienste öffentlich gemacht hat, sei "eine Überraschung" gewesen, behauptet der Ex-KGB-Offizier - obwohl Snowden mit der russischen Staatslinie Aeroflot reist. Die Spur verliert sich in Terminal F. Fernsehberichte zeigen, wie Journalisten aus aller Welt den zweitgrößten Airport der russischen Millionenmetropole belagern. "Dieser Flughafen hat mehr als 1.000 abgesperrte Türen, und hinter jeder kann Snowden stecken", sagt ein britischer Journalist in seinem Beitrag.

Als es vor wenigen Tagen hieß, Snowden fliehe über Kuba nach Ecuador, kauften zwei Dutzend Journalisten in freudiger Erwartung ein rund 2.000 US-Dollar teures Ticket nach Havanna. Doch ihr Risiko wurde nicht belohnt: Fensterplatz 17A blieb leer, die Reporter traten den zwölfstündigen Flug in die Karibik ohne Snowden an. Da für den Zutritt in den Transitbereich eine Bordkarte nötig ist, buchen anderen Reporter für rund 100 Euro einen billigeren Flug in die ukrainische Hauptstadt Kiew - den sie nicht antreten. Stattdessen halten sie intensiv Ausschau.

"Verloren" in der Transitzone

Ausländer können im Transitbereich bis zu 24 Stunden auf ihren Flug warten, so sehen es russische Gesetze vor. Danach brauchen sie ein Transitvisum. Theoretisch ist das kein Problem für Snowden, denn in Scheremetjewo befindet sich eine Konsularabteilung des russischen Außenministeriums. Doch es bleibt rätselhaft, welche Dokumente er vorgezeigt hat. Sein Pass wurde von den US-Behörden annulliert. Andere Reisedokumente soll er nicht besitzen.

In der Transitzone, in der Snowden "verloren ging", stehen laut Reportern zahlreiche Non-Stop-Restaurants und Duty-Free-Läden. Der Airport war von deutschen Firmen nach dem Vorbild des Flughafens in Hannover zu den Olympischen Sommerspielen 1980 gebaut worden. Mit jährlich rund 25 Millionen Passagieren ist er zu einer Kleinstadt ausgewachsen: Es gibt Supermärkte, Kleidergeschäfte und das Hotel "V-Express" mit rund 70 Zimmern. Ja, Snowden sei kurz dort gewesen, sagt eine Angestellte zu der Staatsagentur Ria Nowosti. "Aber er ist längst wieder weg."

Vorwürfe der USA, Russland sei Snowdens Fluchthelfer, weist Putin zurück. Der "Whistleblower" (Verpfeifer) halte sich im Transitbereich auf und habe damit die Landesgrenze nicht offiziell überschritten, betont er. "Verkehrte Welt: Snowden ist zwar in Moskau, aber nicht in Russland", meint der Radiokanal Echo Moskwy dazu. Der Rundfunksender bezweifelt, dass Russland sich wirklich aus dem Fall heraushalte. "Der russische Geheimdienst mischt sich doch in alles ein", meint Kommentator Mark Sandomirski. Da sei es schwer vorstellbar, dass sich ein Ausländer ohne Pass tagelang im Transitbereich aufhalten könne.

(Christian Wolf)

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