News

PC-Hersteller: Die Hardware allein reicht nicht mehr

Nur von der Computer-Herstellung könnten die großen US-Firmen kaum mehr leben. Die Dienstleistungen bringen das Geld. Nur auf diese Weise fuhren Hewlett-Packard und Dell zuletzt satte Gewinne ein. Doch es gibt in der Nische auch erfolgreiche Puristen.

22.08.2010, 00:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Die Mischung macht's: Heimcomputer, Notebooks, Bildschirme, Drucker, Großrechner für Firmenkunden und das ganze kräftig gewürzt mit jeder Menge Software und Services. Hewlett-Packard verdiente in den vergangenen drei Monaten 1,8 Milliarden Dollar, der halb so große Rivale Dell immerhin 545 Millionen Dollar. Und das, während die Rezession allen Beteiligten noch tief in den Knochen steckt.

Services und Software als Zugpferde

Die Strategie gehe auf, frohlockte die vorläufige HP-Chefin Cathie Lesjak am Donnerstag. Was sie damit meinte: Für Abermilliarden hat der für seine Drucker und Heimrechner bekannte Konzern ein Software- und Serviceunternehmen nach dem anderen geschluckt - und macht damit heute fast die Hälfte seines Gewinns. Vor allem während der Krise stützten die zusätzlichen Standbeine HP, als die Computerverkäufe abrupt einbrachen. Denn auch alte Anlagen brauchen Wartung.

IBM hat es vorgemacht: "Big Blue", wie der legendäre US-Konzern ehrfurchtsvoll genannt wird, ist heutzutage mehr eine Beratungsfirma als ein Hersteller von Hardware. Um den ruinösen Dumpingpreisen der asiatischen Billigheimer zu entgehen, schwenkte der Konzern schon vor Urzeiten auf Services und Software um. Heimcomputer stellt IBM nicht mehr mehr her, nur noch Großrechner für Firmenkunden.

Dell hatte den Trend lange verschlafen. Das Unternehmen war einst weltgrößter Computerhersteller, fiel dann aber hinter HP und den taiwanesischen Rivalen Acer zurück. Zu lange hatten die Texaner daran geglaubt, dass alleine ihr Geschäftsmodell, maßgeschneiderte Computer nur im Versand zu verkaufen, sie unantastbar mache. Mittlerweile hat auch Dell ein starkes Servicegeschäft aufgebaut.

Firmenkunden zahlen mehr für den Service

Die Dienstleistungen sind nicht nur krisenfest, sie werfen üblicherweise auch bessere Gewinnspannen ab. Firmenkunden sind eher dazu bereit, hohe Summen dafür zu bezahlen, dass Externe ihre Rechenzentren betreiben, das Netzwerk warten oder kaputte Hardware austauschen. Bei der Anschaffung neuer Computer geben sie sich dagegen genauso knauserig wie jeder Privatkunde.

Doch nicht alle in der Branche glauben daran, dass das Allheilmittel in der möglichst breiten Aufstellung liegt. Zu den Verfechtern der reinen Lehre zählt Andreas König, Europachef des Speichersystem-Spezialisten NetApp: "Wenn sie zu stark im Servicegeschäft mitmischen, vergraulen sie sich ganz schnell ihre Partner."

"Nicht jeder kann eine IBM sein"

Bei NetApp übernimmt unter anderem die Telekom-Tochter T-Systems die Einrichtung oder Wartung der komplexen Anlagen. T-Systems sitzt vor Ort und pflegt gute Kontakte zu vielen deutschen Firmenkunden. Nur einen kleinen Teil des Servicegeschäfts betreibt NetApp auf eigene Rechnung.

König zeigt aber allerdings durchaus Verständnis dafür, wenn Riesen wie Dell oder HP neue Einnahmequellen suchen. "Mit dem reinen PC-Geschäft kann man nicht überleben, es sei denn, man sitzt in China." NetApp genießt den Vorteil des Nischenanbieters. Die Speichersysteme der Kalifornier verkaufen sich blendend, weil die Datenmengen stetig steigen.

Im vergangenen Quartal verdreifachte sich der Gewinn beinahe auf unterm Strich 142 Millionen Dollar. Damit lag der Gewinn von NetApp bei satten 12 Prozent vom Umsatz. Zum Vergleich: HP kam auf knapp 6 Prozent, Dell nicht einmal auf 4 Prozent. "Nicht jeder kann eine IBM sein", sagt König. "Big Blue" ist das Maß der Dinge mit einer Marge von zuletzt 14 Prozent.

(Saskia Brintrup)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang