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Panne: 19-Jähriger schnappt sich Twitter-Account des indischen Premierministers

Von wegen IT-Land Indien: Der Twitter-Account des Premierministers soll dem Nachfolger übergeben werden, doch etwas geht schief. Ein 19-Jähriger ergreift die Gelegenheit.

22.05.2014, 16:01 Uhr (Quelle: DPA)
Netzwerk© TheSupe87 / Fotolia.com

Qaiser Malik ist 19 Jahre alt, hat vor kurzem seinen Schulabschluss gemacht und war gerade für eine halbe Stunde lang der Premierminister Indiens. Zumindest im sozialen Netzwerk Twitter. Dort schnappte er sich das offizielle Twitter-Konto @PMOIndia (derzeit deaktiviert), das bislang vom Büro des Regierungschefs geführt wurde.

Übernahme ohne Hackerangriff

"Ich habe mit verschiedenen Twitter-Namen herumprobiert, weil ich nach einem besseren Namen suchte. Da versuchte ich auch mal @PMOIndia - und war total überrascht, dass er verfügbar war. Also speicherte ich ihn einfach", sagte Malik der Nachrichtenagentur dpa. Er sendete auch eine Nachricht, dass er nun das Konto habe. Doch nach etwa einer halben Stunde setzte Twitter ihn auf seinen alten Namen zurück.

Möglich wurde Maliks kurzer Ausflug in die Politik durch das ungeschickte Agieren von Pankaj Pachauri, des Medienberaters des scheidenden Premierministers Manmohan Singh. Dieser hatte @PMOIndia in @PMOIndiaArchive umbenannt. So sollten die ganzen alten Tweets von Singh für die Nachwelt gespeichert werden.

Doch damit wurde der Kontoname @PMOIndia ganz ohne Hackerangriff verfügbar - und Malik griff als erster zu. Damit nicht genug der Ungeschicklichkeiten: Seine 1,2 Millionen Twitter-Follower nahm der alte Premierminister mit zu einem Konto, das nun wahrscheinlich ziemlich unbenutzt herumliegen wird. Der neue Premier muss somit wieder von vorne anfangen, obwohl das Konto ja eigentlich zum Amt gehört und nicht zu einer Person.

Medienberater Pachauri versuchte sich zu rechtfertigen: "Es ist das erste Mal, dass so eine Übergabe geschieht", twitterte er. Doch Spott und Häme blieben ihm damit nicht erspart. Hätte man dem Nachfolger nicht einfach das Passwort aufschreiben können?, fragten einige. Dann schnell noch ein neues Profilbild rein - und fertig!

Standpauke von den Eltern

Zu diesem Zeitpunkt bereute Qaiser Malik längst, was er getan hatte. Mehrfach entschuldigte er sich via Twitter. "Meine Eltern schimpften mit mir und sagten, ich solle mich als 19-Jähriger gefälligst nicht in Regierungsangelegenheiten einmischen." Auf ihren Rat hin habe er das indische Volk, Pachauri und auch den neuen Premierminister Narendra Modi um Verzeihung ("Sorry!") gebeten.

Geschickter Marketing-Zug?

Derzeit macht sich Malik, der in Lucknow in Nordindien lebt, als Unternehmer selbstständig. Er bastelt an einem sozialen Netzwerk namens Picxter, das derzeit 25.000 Nutzer hat. Sollte er eines Tages tatsächlich einmal Premiermister Indiens werden, würde er junge Unternehmen und Start-ups fördern, sagt er. "Aber eigentlich will ich gar nicht in die Politik. Ich bin nur ein einfacher Kerl."

(Marcel Petritz)

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