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Panik am Bitcoin-Markt - Handelsplattform Mt.Gox offline

Handelt es sich um eine Superpanne oder sogar um einen groß angelegten Diebstahl? Bitcoin-Anleger, die ihr virtuelles Geld bei der Handelsplattform Mt.Gox hinterlegt haben, machen sich ernste Sorgen um ihre Einlagen. Die Börse ist im Daten-Nirwana verschwunden.

25.02.2014, 15:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Victoria / Fotolia.com

Die Digitalwährung Bitcoin hat einen heftigen Rückschlag erlitten: Die große Handelsplattform Mt.Gox ist seit Dienstag nicht mehr aufzurufen - Nutzer sehen nur noch eine leere Seite unter der Internetadresse mtgox.com. Eine Stellungnahme des Unternehmens mit Sitz in Tokio gibt es bislang nicht. Bereits vor zwei Wochen hatten die Betreiber den Handel wegen einer technischen Panne vorübergehend gestoppt.

Spekulationen allerorten

Die Wettbewerber Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle, und BTC China kritisierten Mt.Gox in einer gemeinsamen Stellungnahme scharf und bemühten sich, weiteren Schaden abzuwenden. Mt.Gox habe das Vertrauen seiner Nutzer in tragischer Weise verletzt, doch es handle sich um einen Einzelfall. Es gebe hunderte vertrauenswürdiger und verantwortungsvoller Firmen.

Nachdem Mt.Gox nun offenbar komplett verschwunden ist, wird im Netz über die Gründe spekuliert. Gerüchte über Insolvenz machen die Runde. Auch von einem gigantischen Diebstahl ist die Rede. Die Community reagierte bestürzt. "Das dürfte es dann jetzt gewesen sein", heißt es im Forum bitcointalk.org. Die Digitalwährung war bereits massiv unter Druck, bevor Mt.Gox von der Bildfläche verschwand. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs beinahe halbiert. Zuletzt notierte der Bitcoin bei 533 US-Dollar.

Die Negativschlagzeilen über das Digitalgeld, das im vergangenen Jahr extreme Popularität erlangt hatte und bis auf ein Rekordhoch von 1.203 Dollar gestiegen war, reißen nicht ab. Vor kurzem waren bereits Sicherheitsprobleme bei der deutschen Handelsplattform Bitcoin.de bekannt worden. Geschäftsführer Oliver Flaskämper machte eine Schwachstelle der Bitcoin-Software verantwortlich. Auch andere Börsen wie Mt.Gox und Bitstamp waren von demselben Software-Fehler betroffen.

Spekulationsobjekt in der Kritik

Bereits Ende 2013 hatten Handelsbeschränkungen in China und Warnungen von Finanzaufsehern und Notenbanken den Bitcoin zurückgeworfen. Die auch als "Hacker-Währung" bezeichneten Coins gibt es seit 2009. Sie werden in komplizierten Rechen-Prozessen auf den Computern der Nutzer erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Sie kommen vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz.

Bitcoins sollen einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert und die Transaktionskosten niedrig hält. Als Urheber des Konzepts gilt der Legende nach jemand namens Satoshi Nakamoto - eine Art Phantom. Die Menge der umlaufenden Bitcoins soll einmal auf 21 Millionen begrenzt werden. Dadurch erhoffen sich Nutzer einen vom früheren Goldstandard inspirierten Inflationsschutz. Bislang sind etwa 12,4 Millionen Bitcoins entstanden.

Wie geht es nun weiter? Die Lektion aus der Erfahrung mit Mt.Gox ist für viele Nutzer klar: Handelsplattformen sind keine Banken. Aber wo soll das digitale Geld sicher verwahrt werden? "Nun zeigen sich die Schattenseiten der mangelnden Regulierung", sagt Geschäftsführer Manfred Hübner vom Forschungsunternehmen Sentix. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Gerhard Schick, vermisst im "Handelsblatt" stabilisierende Elemente wie bei einer Zentralbank - aber genau deren Einfluss wollen die Bitcoin-User ja verhindern. Ein Dilemma.

(Hayo Lücke)

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