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OSM: Deutsche Community wächst am schnellsten

Losziehen und die gesamte Umgebung vermessen: Was früher bereits Humboldt faszinierte, gewinnt auch heute immer mehr Anhänger in Deutschland.

19.04.2009, 11:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Seit Juli 2004 besteht das Mitmach-Kartenprojekt Open-Street-Map (OSM) und gewinnt täglich mehr Anhänger. Weltweit beteiligen sich mittlerweile etwa 120.000 Freiwillige an der Vermessung ihrer Umgebung. Allein in Deutschland gibt es inzwischen mehr als 20.000 aktive Hobbykartographen.
Maßband, GPS und Notizblock
"Wir haben in Deutschland weltweit die größte Open-Street-Map-Community - sogar Großbritannien, wo die OSM-Idee entstand, haben wir inzwischen überholt", sagt der OSM-Aktive Frederick Ramm von der Karlsruher Geofabrik. Die Initialzündung für den Aufbau einer Weltkarte nach dem Mitmach-Prinzip von Wikipedia kam von dem Engländer Steve Coast. Er strebte damit eine Unabhängigkeit von den großen Internetkarten-Anbietern wie Google-Maps oder Tele-Atlas an. Seitdem ziehen Freiwillige rund um den Globus mit Notizblock und GPS-Geräten los und vermessen ihren Wohnort und ihre Region.
Auf der Suche nach der perfekten Karte zum Nulltarif
Eine Karte zum Nulltarif, die mit dem Detailwissen Tausender von Nutzern perfektioniert wird, ­das ist für den in Franken lebenden Schweizer Markus Bärlocher das Hauptmotiv für sein Engagement bei Open-Street-Map. "Das Verrückte an OSM ist: Du kannst jede Idee umsetzen, Du musst es nur selber machen", erzählt der Kartenfreak, der sich schon bei Wikipedia engagiert hat. Angefangen hat er mit seinem Beitrag direkt vor seiner eigenen Haustür.
Bis vor zwei Jahren hatte sein Wohnort Hüttenbach in Bayern auf der OSM-Deutschlandkarte nur als Ortsname bestanden. Mit Kompass und Maßband, begann er die umliegenden Wohnstraßen zu vermessen. Später perfektionierte er seine Aufzeichnungen mit einem Satelliten-Navigationsgerät, ­um die Angaben danach über Computer und Internet in die Mitmachkarte zu kopieren. Als Grundlage dienen den OSM-Engagierten häufig Luftbilder, die der Google-Konkurrent Yahoo dem Projekt zur Verfügung stellt. Diese dienen dann als Basis, um Wälder, Hauptstraßen, Gewässer, Bahnlinien und Ortschaften am Computer abzuzeichnen.
Riesige Datenbank
Die weiteren Details steuern Tausende von Freiwilligen bei. Sie kartographieren bei Radtouren und Wanderungen, beim Inlineskaten oder bei Familienausflügen mittels GPS-Geräten Feld- und Forstwege und tragen die Standorte von Bahnhöfen, Kliniken, Apotheken und Unterkünften ein. Eingespeist in eine riesige Datenbank lassen sich daraus neben einer Basiskarte auch Spezialkarten mit Wander-, Fahrrad- und Reitwegen erstellen.
Herstellung von Stadtplänen nach OSM-Karten
Noch ist die deutsche OSM-Karte lückenhaft, räumt OSM-Vertreter Ramm ein. "Wenn sie sich die deutschen Uni-Städte anschauen - die sind picobello erfasst. Wo es technisch-interessierte junge Leute gibt, gibt es auch eine große OSM-Aktivität, in ländlichen Gebieten haben wir dagegen noch Schwierigkeiten", sagt der Wirtschaftsingenieur. Ramm nutzt die OSM-Karten inzwischen sogar bei der Herstellung von Stadtplänen. Gut erfasst seien hier Berlin und Hamburg, aber den Spitzenplatz hält eine Stadt in Sachsen. "Die beste OSM-Karte gibt es inzwischen von Dresden. Dort haben Aktive jedes einzelne Wohnhaus erfasst."
Die Motive für die unentgeltliche Mitarbeit an den Mitmach-Karten-Projekt ist nach Ramms Angaben unterschiedlich: "Es gibt Leute, die einfach Interesse an kostenlosen Landkarten haben". Bei anderen spiele auch ein bisschen Lokalpatriotismus eine Rolle: "Die sehen, dass der Nachbarort bereits komplett kartographisch erfasst ist, ihr eigener aber noch nicht".

(Christian Wolf)

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