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Operation Warten: Arcor lenkt ein

Nicht selten vergehen Monate, bis Arcor die angepriesenen Leistungen endlich erbringt. In bestimmten Fällen winkt Wartenden jetzt eine Gutschrift über zehn Euro.

19.04.2005, 10:25 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Bereits mehrere Monate läuft bei Arcor die offensive Neukundenaktion "Operation Preis", die den Bundesbürgern überregional das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Wo ein gutes Angebot ist, da herrscht auch reger Andrang. Stellenweise wohl zu rege.
Günstiges Komplettpaket
Arcor bietet DSL-Flatrates für weniger als 10 Euro, eine Telefon-Flat für unter 20 Euro, günstige ISDN-Anschlüsse, gepaart mit attraktiven Verbindungsentgelten. Das will ich auch, denken sich viele, und Arcor freut sich über die zahlreichen Neukunden. Doch für einige der Interessenten endet die "Operation Preis" mit schweren Nebenwirkungen. Schon beim Arcor-Verfügbarkeitscheck können die Probleme anfangen.
Quickcheck unzuverlässig
Das Problem: Der Check ist nicht ganz zuverlässig. So weist er auch Arcor-ISDN und -DSL Verfügbarkeit für Straßen aus, bei denen durch Glasfaserkabel oder fehlende Ports in der Vermittlungsstelle keine xDSL-Versorgung gewährleistet ist. Andere negative Standortfaktoren - wie zu lange Leitungen - werden vom System ebenfalls nicht berücksichtigt. Die positive Rückmeldung kann also trügen. Also kurz gefreut, bestellt und wenige Tage später Arcor-Starterbox und DSL-Hardware in Händen gehalten. Jetzt kann nichts mehr schief gehen? Es kann. Denn wenn Arcor dann bei Bestellung der Leitung bei Tante Telekom bemerkt, dass weder ISDN noch DSL schaltbar sind, wird der magentafarbene Riese zum schwarzen Peter gemacht - ist er doch Schuld daran, dass Arcor will, aber nicht kann.
Fälle häufen sich
Leider hört der Irrweg mancher hoffnungsvollen Arcor-Kunden da noch nicht auf. Ist Arcor-DSL inklusive ISDN auch nach zweiter (interner) Prüfung schaltbar, kann es zu sehr langen Wartezeiten kommen. Ärgerlich auch, dass Arcor den Kunden rät, vor der Schaltung der eigenen Leistungen Zusatztarife - wie T-ISDN xxl oder Country Select - zu kündigen. Was aber, wenn sich der Aktivierungstermin über Wochen oder gar Monate verzögert?
Davon können viele unserer Leser ein Lied singen. Auch David M., der im November Arcor-DSL inklusive -ISDN bestellt und sich über die rasche Orderbestätigung freut. Mitte Dezember lässt er dann von T-ISDN xxl auf T-ISDN zurückstufen, kündigt weitere Leistungsmerkmale bei der T-Com. Als sich Anfang Januar immer noch nichts tut, ruft er wiederholt die Arcor-Hotline an, erhält fast täglich einen neuen Schalttermin.
Schaltung nach über vier Monaten
Doch zunächst tut sich nichts. Schuld an der Verschiebung seien fehlende Ports, heißt es bei Arcor. Die Erkenntnis kommt früh, kosteten David M. die letzten beiden Telefon-Monate doch so viel, wie nie zuvor. Arcor sei Dank. Dass der Leidensweg des David M. kein Einzelfall ist, kann in unserem Forum nachvollzogen werden. Auch per E-Mail erreichten die Redaktion zahlreiche E-Mails, in denen ähnliche Fälle beklagt werden.
Arcor reagiert
Von einem Einzelfall kann auf Grund der sich häufenden Anfragen also nicht ausgegangen werden. Auf Nachfrage gab Arcor zu Bedenken, dass die Situation von Auftrag zu Auftrag unterschiedlich sei. Das Unternehmen sei aufgrund der starken Reaktion auf die "Operation Preis" stellenweise mit Engpässen konfrontiert. Arcor bedauert die dadurch entstehenden Wartezeiten, verweist aber auf die vielfältigen möglichen Ursachen.
So sei bei der Erschließung eines Verteilers erstmal davon auszugehen, dass bei den angeschlossenen Haushalten auch DSL geschaltet werden kann. Im Einzelfall sei das aber aus unterschiedlichen Gründen (z.B. Glasfaser, zu lange Leitung) nicht immer zu gewährleisten, die entsprechenden Informationen stünden aber zumeist erst nach der Auftragsweitergabe an die T-Com zur Verfügung.
Neben onlinekosten.de konfrontiert auch die Redaktion des Magazins c't Arcor mit der Problematik. Gleichzeitig berichtet der Hessische Rundfunk über die Probleme beim größten Konkurrenten der T-Com. Jetzt lenkt Arcor ein und macht ein Kulanzangebot. Sollten Kunden eine Zusage erhalten haben, die Arcor nicht einhalten konnte - beispielsweise einen konkreten Anschalttermin - können sie bei Überschreitung des Plantermins um zwei Wochen eine Gutschrift von zehn Euro erhalten.
Kommentar: Alternativen prüfen
Und doch gilt: Wer zu lange auf dem Trockenen sitzt, sollte sich mit dem Gedanken befassen, den Auftrag zu stornieren. Erstreckt sich die Latenzphase zwischen Unterschrift und Schaltung nämlich über mehrere Monate, werden auch einige Euro nicht helfen, den Kostenberg bei der Telekom abzutragen.

(Michael Müller)

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