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Opera: Ex-Chef bezeichnet Engine-Wechsel von "Presto" zu "Blink" als Fehler

Jon Stephenson von Tetzchner, Mitbegründer und Ex-Chef des norwegischen Software-Hauses Opera Software ASA, geht mit der aktuellen Führung des Unternehmens hart ins Gericht. Opera habe in den letzten Jahren zahlreiche strategische Fehler begangen. Insbesondere der Wechsel der Rendering-Engine des Browsers sei ein Fehler gewesen.

24.01.2014, 18:09 Uhr
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Jon Stephenson von Tetzchner, Mitbegründer und Ex-Chef des norwegischen Software-Hauses Opera Software ASA, geht mit der aktuellen Führung des Unternehmens hart ins Gericht. Opera habe in den letzten Jahren zahlreiche strategische Fehler begangen und so seinen Ruf als innovativer Hersteller verspielt.

"Sie hätten mehr investieren sollen"

Schuld am Niedergang ist aus Sicht von Tetzchners vor allem die schleppende Weiterentwicklung des Opera-Browsers in den vergangenen vier Jahren. Dies habe letztendlich dazu geführt, dass der technologische Schwenk von der hauseigenen HTML-Rendering-Engine "Presto" hin zum "Blink"-Projekt vollzogen werden musste. "Ich hätte Presto behalten", sagte von Tetzchner dem US-Onlinemagazin "Cnet". Die Entscheidung, sich davon abzuwenden, sei nach Jahren der Vernachlässigung getroffen worden. "Sie hätten mehr investieren sollen, um konkurrenzfähig zu bleiben", so der Ex-CEO. Stattdessen habe man die Engine einfach entsorgt.

Opera verteidigt den Schritt hingegen weiterhin als richtig. Welche Engine verwendet werde, sei für die meisten Nutzer nicht von Belang, so Operas CTO Hakon Wium Lie gegenüber Cnet. Man sei daher zu dem Schluss gekommen, dass dies keinerlei Wettbewerbsvorteil mehr darstelle. Als ausschlaggebend für den Wechsel habe sich aber die Meinung der Entwickler erwiesen, die sich davon Vorteile erhofften. Kostenüberlegungen hätten indes keine Rolle gespielt. Möglicher Hintergrund: Die Eigenkreation "Presto" konnte zwar oft mit hoher Performance punkten, zeigte aber auch Schwächen bei der Darstellung von Websites. Die von WebKit abgeleitete "Blink"-Engine kommt hingegen unter anderem auch in Googles weit verbreitetem Chrome-Browser zum Einsatz.

Neustart mit Hindernissen

Als erste Version mit Blink-Unterbau wurde im Juli 2013 Opera 15 veröffentlicht. Der Browser geriet bei vielen Nutzern allerdings schnell in die Kritik, da mit der Neukonzeption nicht nur einige bewährte Funktionen weggefallen waren, sondern selbst Standard-Features wie Lesezeichen zunächst fehlten. Die folgenden Versionen 16 und 17 brachten hier kaum Besserung. Erst mit Opera 18 wurde der Umfang wieder etwas aufgemöbelt.

Bislang sind die Blink-Versionen aber nur bei einer Minderheit der Opera-Nutzer in Gebrauch. Nach Zahlen des Portals browser-statistik.de setzen mehr als zwei Drittel der Opera-Anwender unverändert auf die alten Presto-Versionen. Zu einem merklichen Zuwachs bei den Marktanteilen hat die Neuausrichtung darüber hinaus bisher nicht beitragen können.

(Christian Wolf)

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