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OpenOffice.org-Team bittet um rettende Spenden

Die Entwickler der freien Bürosuite sehen sich nach dem Ausstieg von Oracle am Scheideweg. sollten sich keine Sponsoren finden, stehe das Projekt vor dem Aus. Nun sollen die Nutzer spenden.

12.10.2011, 16:01 Uhr (Quelle: DPA)
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Die Entwickler der offenen Bürosoftware OpenOffice wollen ihr gefährdetes Projekt mit Spenden am Leben erhalten: Da sie nach dem Rückzug des Hauptsponsors Oracle noch keine neuen Partner gefunden haben, bitten sie die Nutzer um Unterstützung. Dafür startete der Verein Team OpenOffice.org am Mittwoch einen Spendenaufruf. Die Software stehe "buchstäblich vor dem Nichts", erklärte die Organisation in Hamburg.

Schwierige Suche nach Investoren

OpenOffice ist ein kostenloses Paket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und anderen Büroanwendungen und konkurriert mit kommerziellen Lösungen wie Microsoft Office. Team OpenOffice dient seit 2003 als Plattform fürs Tagesgeschäft rund um die Entwicklung der Open-Source-Software, die jeder kostenlos nutzen und weiterentwickeln darf. Nach dem Rückzug von Oracle übernahm der Verein die Federführung des Projektes. Der US-Konzern hatte OpenOffice 2010 mit dem Kauf von Sun Microsystems übernommen und im Juni seine Unterstützung aufgekündigt.

Der Verein sucht nach eigenen Angaben schon seit einigen Wochen nach Investoren. Es sei jedoch schwierig, den richtigen Partner zu finden, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Das Projekt benötige jedoch dringend Geld, etwa für die bezahlten Entwickler: "Das letzte Software-Update liegt schon etwas zurück, gerade viele Firmenkunden sind deshalb verunsichert." OpenOffice läuft nicht nur auf vielen privaten PCs, sondern auch in kleineren Unternehmen und einigen Behörden, etwa der Stadtverwaltung München.

Software mit deutschen Wurzeln

Der Verein machte zudem einen Schritt auf das LibreOffice-Projekt zu - eine Abspaltung, die die Software seit einem Jahr unter eigener Ägide weiterentwickelt. Eine Zusammenführung des unabhängig voneinander geschriebenen Programmcodes sei in wenigen Wochen machbar. Bei LibreOffice wird die Lage allerdings zumindest teilweise etwas anders bewertet: Wie Entwickler Michael Meeks bereits Anfang September in einem Blog-Post mitteilte, seien die Unterschiede beider Programme mittlerweile gewaltig; ein schneller Austausch von Elementen nur schwer möglich. Niemand solle daher glauben, dass der Apache überlassene Quellcode auch zwangsläufig in LibreOffice Einzug halte. Letztendlich werde es wohl nötig sein, die Kirschen herauszupicken und nur die Dinge zu portieren, die den Aufwand lohnten, so Meeks.

OpenOffice hat deutsche Wurzeln: Die Software ging aus den Programm StarOffice und StarWriter hervor, die seit 1985 von Marco Börries und dessen Firma Star Division entwickelt wurden. Börries verkaufte Star Division 1999 an Sun Microsystems.

(Christian Wolf)

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