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Open Office ade: Freiburg kehrt zu Microsoft Office zurück

Vor fünf Jahren entschied sich Freiburg zur Migration seiner Verwaltung auf die freie Büro-Suite Open Office. Nun beschloss der Gemeinderat eine Rückkehr in die Arme Microsofts. Hauptgründe: Mangelnde Effizienz und hohe Kosten.

21.11.2012, 20:11 Uhr
Microsoft© Microsoft

Die Stadt Freiburg hat sich nach fünfjähriger Verwendung von Open Office für die Rückkehr zu den Office-Büroprogrammen von Microsoft entschieden. Grundlage für die knappe Entscheidung des Gemeinderates war ein Gutachten, das den Wechsel wegen mangelnder Effizienz der Open-Source-Lösung nahelegte, wie die Stadt am Mittwoch mitteilte.

"Schluss mit 'trial and error'"

In der mit "Stadtverwaltung macht Schluss mit 'trial and error'" überschriebenen Erklärung werden vor allem technische Probleme als Begründung angeführt. Demnach sei es nie gelungen, die mit dem Umstieg auf Open Office und das Dateiformat "Open Document Format (ODF)" verbundenen Hürden mangels adäquater Unterstützung in Gänze zu überwinden. Trotz einer "intensiven" Schulung der Mitarbeiter hätten sich bei vielen Arbeiten abseits der einfachen Textverarbeitung wiederholt Schwierigkeiten ergeben. Zudem seien in den Ämtern nicht nur Programmabstürze, eine mangelhafte Serienbrief-Funktion oder ein fehlendes Datenbank-Modul beklagt worden, auch habe es Differenzen beim Datenaustausch mit Externen sowie beim gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten im Änderungsmodus gegeben. Darüber hinaus sei Open Office zu einigen genutzten Fachanwendungen nicht kompatibel. Kritik gibt es ebenfalls am Leistungsumfang der Programmkomponenten. Dieser sei mit den jeweiligen Pendants von Microsoft Office vielfach nicht vergleichbar. All dies habe letzten Endes dazu geführt, dass die Akzeptanz unter den Mitarbeitern sehr gering gewesen sei.

Um nicht zwei Systeme parallel zu betreiben, empfahlen die Gutachter die Rückkehr zu Microsoft Office. "Unterm Strich kann die angestrebte 100-prozentige Umstellung auf Open Office nicht erreicht werden", so das Fazit. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Wechsel auch in wirtschaftlicher Hinsicht als Fehlschlag erwiesen hat. Zwar seien seit dem letzten Erwerb von Microsofts Office im Jahr 2001 rund 800.000 Euro an Lizenzgebühren eingespart worden. Dem stünden jedoch etwa 730.000 Euro für die Einführung von Open Office gegenüber, außerdem hätten die Gutachter geschätzte Kosten von rund 2,5 Millionen Euro durch Effizienzverluste ermittelt, so die Stadt. Die Verwaltung rechnet nun mit Kosten von rund 900.000 Euro für Lizenzen, Schulungen und die Anpassung von Vorlagen, bei einer Lizenz-Laufzeit von sechs bis sieben Jahren.

Kritik von Open-Source-Vertretern

Ein Umstieg auf quelloffene Software ist bei deutschen Kommunen bisher die Ausnahme. Als Großstädte setzten dies bisher nur Jena, Leipzig und München um. Umso mehr bedauern die Vertreter freier Software-Lösungen die Entscheidung der Freiburger. Einige versuchten noch im Vorfeld Einfluss zu nehmen - etwa die für die Herausgabe des Open-Office-Ablegers "Libre Office" verantwortliche Stiftung "The Document Foundation" ("TDF"). In einem offenem Brief kritisierten "TDF"-Vorstandsvorsitzender Florian Effenberger und sein Vize Thorsten Behrens die Überlegungen Ende vergangener Woche als "Rückschritt hin zu proprietärer, geschlossener Software". Das Gutachten sei teilweise falsch, viele Aufgabenstellungen könnten durchaus gelöst werden.

Effenberger und Behrens warnten hingegen vor einer Rückmigration. Diese sei nicht nur mit einem enormen personellen, finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden, sondern verfehle ihr angestrebtes Ziel. Die Stadt habe nicht bedacht, dass sich aktuellere Microsoft-Produkte in Bedienung und zahlreichen technischen Details von ihren Vorgängern unterschieden und daher zusätzlicher Schulungsaufwand entstehe. Ähnlich argumentierte die "Open Source Business Alliance" - ein Netzwerk von Unternehmen und Organisationen, die Open Source Software entwickeln. Auch diese wandte sich vorab an die Ratsmitglieder und warb um eine Ablehnung der Beschlussvorlage - allerdings erfolglos. Im 48-köpfigen Gemeinderat der Stadt Freiburg votierte eine Mehrheit aus CDU, SPD, Freie Wähler und einige Grünen-Mitgliedern für den Wechsel, die Fraktionen "Unabhängige Listen", FDP, "Grüne Alternative Freiburg" sowie die meisten Vertreter von "Junges Freiburg / Die Grünen" stimmten dagegen.

(Christian Wolf)

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