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Online-Schlacht um Weihnachten

Jedes Jahr um Weihnachten entbrennt im Internet das große Werbe-Wettrüsten. Alle wollen ihr Stück vom Kuchen abbekommen und feilen an der Suchmaschinen-Optimierung. So wird vorgegangen.

17.12.2006, 12:00 Uhr
Internet© rajareddy / Fotolia.com

"Weihnachtsgeschenk" oder "Geschenkidee" - Millionen von Menschen geben diese Wörter in der Adventszeit bei Suchmaschinen im Internet ein. Viele hoffen, dass Google oder Yahoo die zündende Idee für ein originelles Präsent bringen.
Weihnachts-Optimierung
Das wissen auch jene, die im Weihnachtsgeschäft Kasse machen wollen. Große Versandhäuser und kleinere Geschenke-Anbieter feilen seit Monaten daran, bei den Suchmaschinen ganz oben zu stehen. Die Optimierung der Suchergebnisse hat sich zur Wissenschaft entwickelt. Da Werbebanner zudem jüngsten Studien zufolge Internet-Nutzer zunehmend nerven, sind Suchmaschinen wichtigster Werbefaktor - und Google-Artisten für die Firmen unverzichtbar.
"Worte wie 'Weihnachtsgeschenk' schießen bei den Google-Suchwort-Statistiken ab November enorm nach oben", sagt Roland Fesenmayr vom Bundesverband der digitalen Wirtschaft (BVDW). Die Händler bereiten sich deshalb frühzeitig vor. "Man muss sich im August oder September fragen: 'Was suchen die Leute da draußen an Weihnachten'", sagt Tobias Ihde von Trafficmaxx, eine der großen deutschen Agenturen für Online-Marketing.
Branchenprimus Google
Für Online-Werbung in Deutschland ist heute fast nur noch Google interessant. Fast 90 Prozent der deutschen Netz-Nutzer suchen bei der Maschine mit den bunten Buchstaben. "Wenn man effektiv arbeiten will, dann konzentriert man sich auf Google", sagt Ihde. Wer bei Google oben sein will, kann einfach bezahlen. Der Internet-Riese bietet einen Dienst namens Adwords. Dort kann sich - vereinfacht gesagt - jedes Unternehmen Suchwörter kaufen. Wörter wie etwa "Weihnachtsgeschenk" werden dort versteigert. Wer am meisten bietet für einen Klick - und dazu eine seriöse Website hat - hat die Nase vorn. Jedoch landet er nur bei den Werbeanzeigen am oberen und am rechten Rand der Google-Seite ganz oben. Die meisten Klicks gibt es aber nicht hier, sondern bei den Suchergebnissen. Hier muss für Top-Plätze nichts an Google gezahlt werden - belohnt werden nur gute Seiten und Geschick.
Eine Wissenschaft für sich
Die hohe Kunst, bei den Suchergebnissen ganz oben zu landen, nennt sich in der Branche Search Engine Optimization (SEO). Hier ist vieles zu beachten: Suchmaschinen erkennen nur Text - deshalb sollte etwa neben dem Foto eines Weihnachtsmanns auch das Wort auftauchen. Wichtig ist zudem die so genannte Linkpopularität - mit der eigenen Seite müssen möglichst viele andere beliebte und seriöse Seiten verlinkt sein.
Schließlich gibt es noch die Aufgabe, die richtigen Schlüsselwörter auf der Seite unterzubringen. "Weihnachten" und verwandte Wörter müssen so oft wie möglich auf der Seite auftauchen. "Es reicht aber nicht mehr, sich in tausende Linklisten eintragen zu lassen oder nur möglichst viele Schlüsselwörter auf seine Seite zu schreiben", sagt Tobias Ihde. Denn auch Google optimiert seine Suchmaschine weiter.
Wie die Such-Roboter aus Kalifornien vorgehen, ist eines der am besten gehüteten Internet-Geheimnisse. Klar ist: Google analysiert viele verschiedene Aspekte einer Seite. Sie muss seit langem im Netz stehen, viel Inhalt und glaubwürdige Schlüsselwörter bieten - oft sind das nicht die Seiten der großen Händler. Die Top-Treffer bei der Google-Suche nach Weihnachtsgeschenken sind statt dessen häufig Seiten, die von privaten Nutzern seit Jahren gepflegt werden. Sie haben etwa neben Geschenken auch Gedichte, Rezepte und Lieder für Weihnachten gesammelt. Relevanter Inhalt, Langlebigkeit, viele Links zu anderen Seiten - all das gibt Punkte bei Google.
"Link-Unterhändler" gefragt
Das haben in den vergangenen Jahren auch die großen Händler erkannt. "Gerade die großen Anbieter nutzen es exzessiv, sich in andere Seiten einbinden zu lassen", sagt BVDW-Experte Fesenmayr. So führt der Weg zu Otto, Quelle oder Amazon oft über Privat-Seiten, die allein von der Pflege ihres Google-gefälligen Inhalts leben. Die Betreiber bekommen dann eine Provision, wenn jemand über ihre Seite die zündende Geschenkidee gefunden hat.

(Michael Müller)

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