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Online-Handel kann bei Rücksendekosten künftig stärker hinlangen

Bei Einkäufen im Internet sollten Verbraucher künftig noch genauer hinschauen - zumindest wenn der Warenwert über 40 Euro liegt. Denn ab kommenden Freitag können Online-Händler auch beim Umtausch teurerer Produkte Rücksendekosten verlangen.

08.06.2014, 13:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Für viele Online-Shopper ist es alltägliche Praxis. Sie bestellen bei Otto, Zalando und Co. Schuhe, Blusen oder Hemden gleich in mehreren Größen oder Farben, um zu Hause in Ruhe zu auszusuchen, was am besten gefällt. Der Rest wird zurückgeschickt. Das ist kein Problem, solange Online-Anbieter die Kosten für die Retouren übernehmen.

Müssen Kunden Rücksendekosten übernehmen?

Doch damit könnte ab kommenden Freitag Schluss sein - zumindest wenn der Warenwert mehr als 40 Euro beträgt. Online-Händler können nach der neuen EU-Verbraucherrichtlinie (PDF) ihren Kunden auch bei diesen Produkten beim Umtausch Rücksendekosten in Rechnung stellen. Bislang war das nur bei Waren mit einem Wert von weniger als 40 Euro möglich.

Verbraucher sollten deshalb darauf achten, ob Shop-Anbieter ihre Konditionen ändern. Bei den großen bekannten Internet-Shops ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass die neue EU-Verbraucherrichtlinie die Flut von Rücksendungen im Online-Handel ein Ende macht. Internethändler wie Amazon, Otto oder Zalando haben bereits angekündigt, an den bisherigen kundenfreundlichen Reglungen festzuhalten.

Otto und Zalando bieten weiterhin kostenlose Retouren

"Retouren bleiben bei uns kostenlos. Auf diese Serviceleistungen zu verzichten, ist schlichtweg keine Option", sagte Otto Firmensprecher Alexander Birken. Auch Zalando will weiter am kostenfreien Versand festhalten. "Wir verlegen damit die Umkleidekabine ins Wohnzimmer", sagt eine Firmensprecherin. Der kostenlose Rückversand ist bei Zalando einer der Erfolgsfaktoren. Und auch bei Amazon sind nach Unternehmensangaben derzeit keine Änderungen der Versandbedingungen geplant.

Das einheitliche Vorgehen der Platzhirsche dürfte die Marschrichtung für die gesamte Branche vorgeben. "Die vielen kleinen Anbieter haben kaum eine andere Wahl, als auch mitzuziehen. Wenn sie plötzlich Rücksendekosten erheben würden, dann gingen die Kunden erst recht zu Amazon und Co.", meint Gerrit Heinemann, der Leiter des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein.

Ob die scheinbar so kundenfreundlichen Retouren-Regelungen allerdings auf Dauer wirklich im Interesse der Verbraucher sind, daran hat der Handelsexperte Heinemann Zweifel. "Längerfristig unterstützt der Verzicht auf Rücksendegebühren eher die Monopolbildung im Online-Handel. Die großen Anbieter wie Amazon oder Zalando werden dadurch weiter gestärkt, denn sie können die Mehrkosten dank ihrer besseren Einkaufskonditionen und der effizienteren Abwicklung verkraften", meint er. Den kleineren Wettbewerbern, die eigentlich eine Alternative für die Konsumenten darstellen könnten, falle es dagegen schwer, damit zurechtzukommen.

Strafgebühren für Power-Rücksender?

Dass die Neuregelung allerdings gar keine Auswirkungen hat, ist auch noch nicht ausgemacht. Kai Hudetz, der Geschäftsführer des auf den Online-Handel spezialisierten Kölner Forschungsinstituts ECC, könnte sich vorstellen, dass die Anbieter zumindest in Einzelfällen die neuen Möglichkeiten nutzen. "Vielleicht werden künftig selektiv Rücksendegebühren bei Konsumenten erhoben, die in der Vergangenheit als besonders retourenfreundlich aufgefallen sind - quasi als erzieherische Maßnahme", glaubt er.

Eher lästig als teuer ist außerdem eine weitere Veränderung, die am 13. Juni in Kraft tritt. Der Widerruf des Kaufvertrages kann künftig nicht mehr einfach durch Zurückschicken der Ware ausgesprochen werden. Stattdessen muss der Käufer einen formellen Widerruf aussprechen - am einfachsten durch einen Zettel, welcher der Ware beigelegt wird. Einen Grund für die Rücksendung müssen Verbraucher nicht angeben.

(Michael Frenzel)

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